Billigläden, Imbisse und Handyshops rei-
hen sich aneinander. Doch hin und wie-
der gibt es dazwischen auch kleine Oasen,
also Geschäfte, wie man sie eher in Eppen-
dorf vermutet. „Was das Herz begehrt“
heißt beispielsweise die Cupcake-Manu-
faktur, die sich wenige Meter hinter der
Kreuzung Hellbrookstraße befindet.
Der Inhaber Detlev Zeitsmann lässt
sich einiges einfallen, um die Herzen sei-
ner Kunden höher schlagen zu lassen. Frei
nach dem Motto „nichts ist unmöglich“
buddeln sich Maulwürfe aus den Cup-
cakes oder Einhörner sitzen darauf. Etwa
4 500 Cupcake-, Cake-Pop- und Torten-
motive hat der Bäcker und Konditor schon
entworfen. „Die Ideen kommen meist von
mir“, sagt Zeitsmann. „Doch manchmal
haben Kunden ganz spezielle Wünsche.“
So ließ der Wunsch nach „War of Ti-
tans“-Cupcakes den 52-Jährigen erst ein-
mal fragend zurück. „Ich habe mir dann
auf YouTube eine Folge der Anime-Serie
angeguckt und dann war alles klar“, er-
zählt er. Seine liebevollen Handarbeiten
haben aber durchaus ihren Preis. Der teu-
erste Cupcake – der Nachbau einer Rolex
in rosa-metallic mit Blattgold – kostete
135 Euro. „Kunst am Produkt“ – so nennt
Zeitsmann seine Werke, die er deutsch-
landweit verkauft.
In der Fuhle landete der Cuxhavener
eher zufällig. „Es war eine Bauchentschei-
die Mieten noch bezahlbar.“ Bisher habe
sie diese Entscheidung nicht bereut: „Ich
glaube, das Kundenpotenzial in Barmbek
wird unterschätzt.“
Über nahezu allen Geschäften in der
Fuhle befinden sich Wohnungen. Die
räumliche Nähe zwischen den Gewerbe-
treibenden und Kunden ist allein dadurch
schon gegeben. „Etwa 200 Leute kommen
täglich in meinen Laden“, erzählt Krause.
Und das ist ein Publikum, das ihrer Mei-
nung nach auch gerne vor Ort Kaffee trin-
ken oder Kleidung kaufen würde.
„Barmbek ist der Stadtteil der Woh-
nungsbaugenossenschaften“, sagt der
Buchhändler Ulrich Hoffmann. Daher
werde die Fuhle trotz der Aufwertung nie
ein Szeneviertel für wohlhabendere Leute
sein. „Was hier bisher fehlte, war privates
Eigentum und das bekommen wir jetzt“,
sagt er und ergänzt: „Barmbek kann teu-
reren Wohnraum gut vertragen.“
Die gesellschaftliche Durchmischung
ist auch weiter oben in der Straße zu spü-
Katrin Krause, Inhaberin des bioMarkt
Barmbek in der Fuhlsbüttler Straße 164,
verkauft seit 1999 neben Biolebens-
mitteln auch Naturkosmetik sowie Bio-
wasch- und -reinigungsmittel
HAMBURGER WIRTSCHAFT 05 / 17
STANDORT
38
FOTOS: ULRICH PERREY
dung – wie so oft im Leben“, sagt er mit ei-
nem Grinsen. Auch er vermisse Kleinge-
werbetreibende wie Kaffeeröstereien, Lä-
den für Deko-Artikel und Modegeschäfte
in der einst so angesagten Straße. „So-
lange sich das Gewerbemischverhältnis
hier nicht ändert, wird alles so bleiben,
wie es ist. Da nützen auch neue Pflaster-
steine nichts“, betont er.
Katrin Krause wurde auf der Suche
nach einer Fläche für ihr Biofachgeschäft
ebenfalls in der Fuhlsbüttler Straße fün-
dig. Schon während des Studiums arbei-
tete die Ökotrophologin in einem Biola-
den. „Da war es quasi vorhersehbar, dass
ich mal einen eigenen Laden eröffne“, er-
zählt Krause und lacht. Das war vor 18
Jahren – und der bioMarkt Barmbek war
„die einzige Bioquelle auf weiter Flur“.
Heute sind Bioprodukte nichts Exotisches
mehr. „Wir sind schon ein bisschen schi-
cker und klarer im Vergleich zu den Ge-
schäften der ersten Biogeneration mit ih-
ren Gummimöhren“, sagt sie.
Der Standort Barmbek wurde von
Freunden und Bekannten anfangs infra-
ge gestellt. „Damals war der Kauf von Bio-
produkten noch mehr eine politische Ent-
scheidung und die linke Szene wohnte im
Westen, während Barmbek eher als kon-
servatives Arbeiterviertel galt“, so die 50-
Jährige. „Doch in Eimsbüttel und Co. gab
es schon genug Bioläden und hier waren




