HAMBURGER WIRTSCHAFT 04 / 16
TITEL
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FOTO: BERTHOLD FABRICIUS
FRANK BÖTTCHER
Geschäftsführer der Institut für Wetter-
und Klimakommunikation GmbH
„Es stimmt nur bedingt, dass
Vorhersagen für längere Zeit-
räume weniger zuverlässig
sind als kurzfristige“
HW: Es gibt viele Anbieter, die mit Wetterprognosen Geld ver-
dienen. Was zeichnet einen seriösen Wetterdienst aus?
Frank Böttcher: Das entscheidende Kriterium ist und bleibt
die Qualität der Vorhersage. Bei jedemWetterdienst findet man
Fehlvorhersagen. Das gehört leider dazu. Dienste, die mehrere
Vorhersagemodelle mit unterschiedlichen regionalen Auflösun-
gen sowie statistische Verfahren zur Verbesserung der Progno-
sen nutzen, liegen in der Qualität deutlich vorn.
Für welchen Zeitraum kann man Wetter vorhersagen?
Man erwartet, dass Vorhersagen für längere Zeiträume we-
niger zuverlässig sind als kurzfristige. Das stimmt nur bedingt.
Tatsächlich ist es bei bestimmten Wetterlagen umgekehrt. So
gibt es Hochnebellagen, denen beispielsweise ein skandinavi-
sches Winterhoch folgt. Dann ist weniger sicher, ob sich der
Hochnebel am kommenden Tag auflöst, während eher sicher
ist, dass es fünf Tage später strahlend blauen Himmel gibt.
Nach sieben bis zehn Tagen ist aber definitiv Schluss, was eine
Prognose angeht. Danach gibt es nur Aussagen über die Wahr-
scheinlichkeit, dass ein bestimmtes Wetterereignis eintritt.
Welche Bedeutung hat das Wetter für die Wirtschaft?
Für Wirtschaftsprozesse und als Entscheidungsgrundlage
in Unternehmen ist die Bedeutung vor allem von Vorhersagen
erheblich gestiegen. Wir stellen allerdings in der Zusammen-
arbeit mit Firmen immer wieder fest, dass viele Faktoren und
Prozesse bisher nicht auf den Wettereinfluss geprüft worden
sind. Hier können erhebliche Umsatz- oder Einsparpotenziale
erarbeitet und unternehmerische Risiken verringert werden.
Wie werden sich die Meteorologie und Klimaforschung in den
nächsten fünf bis zehn Jahren entwickeln?
Ich erwarte eine bessere Vorhersagequalität durch höher
aufgelöste Vorhersagemodelle. Zudem denke ich, dass Wetter-
dienste künftig noch stärker mit Firmen zusammenarbeiten
werden. Das Aufgabenfeld reicht dabei von der Beratung über
die Bewertung von Risiken und Chancen durch Wettereinflüsse
bis hin zur Entwicklung von Vorhersagemodellen. In der Klima-
forschung wird das Thema Kommunikation von wissenschaft-
lichen Ergebnissen eine größere Bedeutung bekommen.
Der Mann für jedes Wetter
Frank Böttcher ist Geschäftsführer der Institut für Wetter- und Klimakommunikation GmbH.
Der Meteorologe versorgt Medien und Unternehmen mit Wetterinformationen.
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