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FOTOS: ANNEGRET HULTSCH

HAMBURGER WIRTSCHAFT 04 / 16 

TITEL

13

M

äntel und Stiefel werden in einem

mildenWinter, wie wir ihn gerade

erlebt haben, zum Ladenhüter.

Laut Hamburger Institut für Wetter- und

Klimakommunikation war noch nie zuvor

ein Dezember so warm wie der letzte. Die

Temperatur betrug im Schnitt 6,3 Grad.

Ende Februar wurde in Teilen Süddeutsch-

lands sogar die 20-Grad-Marke geknackt.

Dass die Witterung Einfluss auf die

Bereitschaft von Kunden hat, bestimmte

Produkte zu kaufen, ist klar. Auch dass sich

die geringe Nachfrage schlussendlich im

Umsatz von Einzelhandel und Herstellern

widerspiegelt, ist verständlich.

In der Branche der Erneuerbaren Ener-

gien gibt es ebenso klare Präferenzen beim

Wetter: Bei Wind drehen sich Windräder

eben besser und Sonnenschein freut jeden

Betreiber von Solaranlagenmehr als Regen.

Auch ein Lkw-Fahrer kommt bei Sonne

meist pünktlicher beim Kunden an als bei

Nebel, Sturm und Glatteis.

Doch den Launen des Wetters sind

Firmen nicht vollkommen ausgeliefert.

Manchmal lohnt der rechtzeitige Blick auf

die Prognosen für die kommenden Tage.

Doch was taugen die eigentlich und wie

weit im Voraus plant man in unterschied­

lichen Branchen damit?

„Stellen Sie sich einen heißen Som-

mertag vor“, sagt Martina Haut vom Eis-

café Lieblings. „Eine lange Schlange Gäste

steht vor der Tür und zu wenig Personal

im Laden: Das macht niemanden froh.

Deswegen nutzen wir Wetter-Apps gerne

zur Vorplanung.“ Allerdings nur für über-

schaubare Zeiträume. Damit es verlässlich

bleibt, erklärt die 43-Jährige, traut sie den

Prognosen maximal zwei Wochen im Vo-

raus. So kann sie zwar den Personaleinsatz

und die Produktion wirtschaftlich planen,

aber an ihrer Abhängigkeit von der Sonne

ändert sich nichts. Denn für den Eisver-

kauf gilt: Gute Gewinne verspricht nur ein

langer, warmer Sommer.

Ganz anders ist es in der Schifffahrt.

Hier sind zuverlässige Vorhersagen von

Stürmen und Wasserständen wichtig für

die Sicherheit der Mannschaft an Bord.

Im besten Fall retten sie sogar Leben. Die

Devise lautet: Je kurzfristiger die Vorher­

sagen angelegt sind, desto sicherer ist das

tatsächliche Eintreten der prognostizierten

Wetterphänomene.

Dennoch reichen die Anfragen an das

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydro-

graphie bis zu zehn Tage in die Zukunft.

„Das ist bereits mit erheblichen Unsicher-

heiten behaftet“, betont die Meereskund­

lerin Dr. Anna von Gyldenfeldt. „Natürlich

erhöht sich die Vorhersagegüte mit dem

Heranrücken eines Ereignisses. Um einen

sicheren Trend für gewünschte Termine zu

erkennen, werden sie häufig an mehreren

Tagen hintereinander erfragt.“

Roland Felbinger, Nautiker bei der Ree-

derei E.R. Schiffahrt, weiß genau, wie

KAI LORENZ

Inhaber von Lorenz

Winterdienst & Gartenbau

„Bei Eisregen

sind Streufahr-

zeuge die Ersten

und hoffentlich

Einzigen, die

über das Glatt-

eis schlittern“

LISA DRALLE

Head of Design bei der

Why Not Textilhandels GmbH

„Wir planen im

Winter die über­

nächste Sommer­

kollektion und

im Sommer die

übernächste

Winterkollektion“