HAMBURGER WIRTSCHAFT 04 / 16
MACHER
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FOTOS: MICHAEL ZAPF
Klaus Burmeister leitet das älteste Briefmarken-
haus Hamburgs. Gegründet wurde die Wilhelm
Sellschopp GmbH vor 125 Jahren – allerdings auf
einem anderen Kontinent.
Die kleine
Eckige
S
ie sind klein, gezahnt, meist bunt und selbstklebend:
Briefmarken kennt jeder. Wie sollten wir auch ohne sie
unsere Urlaubsgrüße nach Hause schicken? Für gut fünf
Millionen Deutsche erfüllen sie allerdings nicht nur praktische
Zwecke. Sie sammeln Marken aus aller Herren Länder und den
unterschiedlichsten Jahrzehnten. Philatelisten heißen diese
Briefmarken-Liebhaber.
Seinen Ursprung hat der Begriff im 19. Jahrhundert. Der
Wortteil „philos“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet
Freund, „atelēs“ heißt steuerfrei. Denn so alt sind die kleinen
Marken noch gar nicht: Seit nicht einmal 180 Jahren kleben
wir sie auf unsere Post. „Am 6. Mai 1840 wurde die erste Brief-
marke der Welt ausgegeben“, sagt Klaus Burmeister, Geschäfts-
führer der Wilhelm Sellschopp GmbH. „Die ‚One Penny Black‘
wird bis heute stark nachgefragt.“
Die Briefmarke, damals üblicherweise als Freimarke be-
zeichnet, vereinfachte den Versand von Briefen erheblich. Zu-
vor verschickte der Absender das Paket unfrei. Das Entgelt
musste also der Empfänger beim Entgegennehmen zahlen.
Burmeister fasst das so zusammen: „Die Briefmarke war eine
Revolution.“ Anfangs, so erzählt er, habe man die Marken ge-
sammelt, um beispielweise Tapeten damit zu verzieren. Später
wurden dann Briefmarkenalben zum Verkaufsschlager.
Burmeister weiß, wovon er spricht. Seit mehr als 30 Jahren
leitet er Hamburgs ältestes Briefmarkenhaus. Gegründet wurde
das Unternehmen allerdings weit von der Hansestadt entfernt:
Am 4. Februar 1891 hat der Mecklenburger Wilhelm Sellschopp
eine Briefmarkenhandlung in San Francisco eröffnet.
Beim schweren Erdbeben im April 1906 stürzte der Laden
jedoch ein. Wie durch ein Wunder konnten alle Marken gebor-
gen werden. Daraufhin verlegte Sellschopp den Unternehmens-
sitz komplett nach Hamburg, wo er bereits seit 1901 eine Filiale
im Artushof unterhielt. Seitdem folgten mehrere Umzüge. Von
1910 bis 1989 war das Geschäft in der Spitalerstraße zu finden
und bis 2003 in der Paulstraße, wo es dem Bau der Europa Pas-
sage weichen musste.
Damals und heute:
Seit 1891 handelt die
Wilhelm Sellschopp
GmbH mit Briefmarken
Hat sein Hobby zum
Beruf gemacht: Klaus
Burmeister sammelt
seit seiner Kindheit
Briefmarken
Verlegung des Firmensitzes von der
San Francisco Bay an die Elbe




