DIGITALISIERUNG
DIGITALISIERUNG
DIGITALE WIRTSCHAFT
Führen im digitalen Zeitalter
Wie gelingt die digitale Transformation? Und wie beziehen Führungskräfte ihre
Mitarbeiter in den Prozess ein? Das Konzept der Digital Leadership zeigt es.
D
igital Leadership – dieses Thema
ist für die Mitglieder des Vereins
Digital Media Women (DMW) be-
reits seit einiger Zeit relevant. Die Orga-
nisation möchte Frauen, die sich beruf-
lich mit Digitalisierung beschäftigen,
mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit
verschaffen. Und Digital Leadership ist
für sie ein Paradebeispiel dafür, wie sehr
sich für selbstverständlich gehaltene Ver-
haltensmuster und Hierarchien in Unter-
nehmen verändern können.
„Am Beginn eines Prozesses, der ei-
nen Betrieb in die digitale Zukunft füh-
ren soll, steht die Entwicklung gemein-
samer Werte und Ziele“, sagt Christiane
Brandes-Visbeck, die mit ihrer Firma Ahoi
Consulting zu Digital Leadership berät
und Leiterin der DMW Hamburg ist. „Nur
wenn alle Mitarbeiter die Veränderungen
solidarisch mittragen, kann im Unterneh-
men die Kraft entstehen, die es braucht,
um sich am Markt in Zukunft behaupten
zu können.“
Da viele Firmenbereiche – beispiels-
weise Marketing, Vertrieb und Logistik –
zunehmend komplexer, technischer und
arbeitsteiliger werden, können Führungs-
kräfte unmöglich auf allen Feldern als al-
lein entscheidende Spezialisten agieren.
„Neues Arbeiten bedeutet, Kontrolle ab-
zugeben und Vertrauen aufzubauen“, be-
tont Brandes-Visbeck. „Einen entschlos-
senen Richtungswechsel können Mitar-
beiter deutlich besser mittragen, wenn er
auf dem fundierten Wissen eines Teams
aufbaut. Erfolgreiche Führung sollte daher
auf Partizipation und Dialog basieren.“
Neben der Notwendigkeit, die Macht
umzuverteilen, ist der betriebsinterne Um-
gang mit Veränderung ein Schlüssel zum
Erfolg, so Nadja Stavenhagen, Direktorin
der Akademie für Publizistik, die auch Di-
gitalisierungsworkshops anbietet. „Wenn
im Unternehmen die Entscheidung für
ein neues Verfahren gefallen ist, sollte zu-
nächst eine wertfreie Testphase folgen“,
rät sie. „Es ist keine Schande, ein Experi-
ment zu beenden, wenn sich kein Erfolg
einstellt. Meistens hat man etwas gelernt
und kann mit dem neuen Wissen eine
bessere Lösung finden.“
Bei Digital Leadership geht es also
nicht nur um technologische Fragen, bei-
spielsweise wie Prozesse digitalisiert und
Geschäftsmodelle entwickelt werden kön-
nen. Es geht auch um Veränderungen der
Unternehmenskultur. Für die Geschäfts-
führung bedeutet Digital Leadership des-
halb, den Fokus zusätzlich auf Soft Skills
zu legen. „Als Führungskraft im digitalen
Wandel ist es wichtiger denn je, den Mitar-
beitern gut zuzuhören, ihre Erfahrungen
und Bedürfnisse zu kennen und darauf zu
reagieren. Dazu gehört auch, die eigene
Komfortzone zu verlassen und sich selbst
mit neuen Themen, Tools und Techniken
auseinanderzusetzen“, so Stavenhagen.
Digitale Kommunikationsmittel kön-
nen den Veränderungsprozess unterstüt-
Nadja Zimmermann
nadja.zimmermann@hk24.deTelefon 36138-262
ILLUSTRATION: GUTENTAG-HAMBURG.DE
HAMBURGER WIRTSCHAFT 05 / 17
IM FOKUS
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zen. Interne Chat- und Kollaborationspro-
gramme sind eine gute Ergänzung zum
Offline-Austausch an zentralen Treffpunk-
ten im Unternehmen. Und in der Kom-
munikation nach außen sind soziale Me-
dien besonders wichtig.
„Die Grenze zwischen beruflich und
privat wird heute immer durchlässiger.
Daher setzen Social-Media-Auftritte vo-
raus, Nähe zu fremden Menschen zuzu-
lassen und Persönlichkeit zu zeigen. Wer
regelmäßig im Netz, in Fachmedien oder
auf Kongressen Infoangebote wahrnimmt
und Netzwerke aufbaut, kann diese Er-
fahrungen über soziale Medien teilen und
zum anerkannten Wissensträger aufstei-
gen“, erklärt Daniel Rehn, Digital Trend
Scout bei der Agentur achtung!. „Gleichzei-
tig lässt sich das halbprivate soziale Netz-
werk sehr gut nutzen, um schnell an Infor-
mationen und Kontakte zu kommen.“
Sichtbarkeit in sozialen Medien hat
noch mehr Vorteile, wie Rehn berichtet:
„Gut und sinnvoll aufgezogene Accounts
im Social Web sind natürlich weitere Be-
rührungspunkte für Kunden wie auch für
Nachwuchskräfte und Kollegen in spe, die
sich selbstverständlich auch auf Facebook,
Instagram, Twitter, YouTube und Co. be-
wegen. Wer gerade hier im Täglichen lie-
fert und überzeugt, punktet erst recht.“




