HAMBURGER WIRTSCHAFT 05 / 17
IM FOKUS
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DIGITALE WIRTSCHAFT
den Euro pro Jahr. Am häufigsten wer-
den Computer mit Schadprogrammen in-
fiziert oder Zugangsdaten ausspioniert.
„Die aktuell gängigen Angriffsmetho-
den sind CEO-Fraud, Kompromittierung
des Mailverkehrs, Schadsoftware und Dis-
tributed Denial of Service, also eine Über-
lastung des Unternehmensservers durch
Tausende gleichzeitige Anfragen“, berich-
tet Dondera.
Beliebt ist auch die Geschichte, dass
Lieferanten ihre Bankverbindung geän-
dert haben. In Wahrheit hat sich aber ein
„Man in the Middle“ mit Schadsoftware
oder Zugriff auf einen E-Mail-Server zwi-
schen Kunden und Lieferanten gehackt
und die Kontrolle über den Datenverkehr
zwischen beiden Parteien übernommen.
Sprich: Er kann Informationen nach Be-
lieben einsehen und manipulieren.
Da die Täter häufig aus dem Ausland
agieren, sind sie in den seltensten Fällen
zu fassen. Deshalb setzt die Hamburger
Polizei auf Sensibilisierung und Aufklä-
rung. „Wir stellen immer wieder fest, dass
viele Unternehmen das Thema IT-Sicher-
heit vernachlässigen“, so Dondera. Doch
auch wer ein IT-Sicherheitssystem nutzt,
sollte beachten, dass es durchaus techni-
sche Schwachstellen haben kann.
Ein großes Risiko ist zudem der Fak-
tor Mensch. Mittels sogenanntem Social
Engineering versuchen Betrüger zum Bei-
spiel, ihre Opfer durch E-Mails oder Tele-
fonate zu einer Handlung zu überreden,
die dazu führt, dass Schadsoftware in das
System gelangt oder eine unberechtigte
Überweisung ausgelöst wird.
„Leider melden sich die Unterneh-
men oft erst bei uns, wenn ein Schaden
eingetreten ist“, sagt der Leiter der Zen-
tralen Ansprechstelle Cybercrime und er-
gänzt: „Gerne beraten wir auch vor Ort,
wie Unternehmensprozesse gegen Cyber-
attacken abgesichert werden können –
und sei es, dass die Buchhaltung Zahlun-
gen anzweifeln und den Chef noch ein-
mal anrufen darf.“
Gerade weil die Strafverfolgung sich
als schwierig erweist, ist Prävention wich-
tig. Den absoluten Schutz gibt es aller-
dings nicht. Gegen Restrisiken können
sich Unternehmen aber mit einer Cyber-
Digital Voraus
Auf Digitalisierungskurs gebracht
Die Handelskammer wird ihre gesam-
ten Aktivitäten zu digitalen Themen
ab sofort in einem Projekt bündeln
und unter der Dachmarke „Digital
Voraus“ darüber kommunizieren. Für
die kommenden drei Jahre hat sich
die Kammer auf zwei Arbeitsfeldern
anspruchsvolle Ziele gesetzt: Unter
dem Motto „Digitale Transformation
begleiten“ wird sie Mitgliedsunterneh-
men Informationen und Beratungs-
angebote zur Ausrichtung des eige-
nen Geschäftsmodells auf die Effekte
und Chancen der Digitalisierung an-
bieten – etwa in Form von Informa-
tions- und Netzwerkveranstaltungen
sowie Branchenanalysen.
„Digitale Handelskammer schaffen“
ist der Leitgedanke des zweiten Teil-
projekts. Hier geht es darum, den Mit-
gliedern der Kammer überzeugende
digitale Kundenerlebnisse zu bieten.
„Ganz besonders erhoffen wir uns
davon, unsere Leistungen zu skalie-
ren und auf diese Weise stärker als
bisher die große Masse der Kammer-
mitglieder zu erreichen“, sagt Projekt-
leiter Ulrich Brehmer.
Unter anderem plant die Handels-
kammer ein digitales Kundenkonto für
jedes Mitglied, über das alle Dienst-
leistungen und Beteiligungsangebote
leichter nutzbar werden sollen. Außer-
dem startet eine neue Veranstaltungs-
reihe unter dem Motto „Digital Voraus“
und die Kammer will ihre Mitglieder
künftig in einer Unternehmer-Commu-
nity online nach ihrer Meinung fragen.
„Unser Leitgedanke ist dabei immer
der größtmögliche Kundennutzen –
also der Mehrwert für unsere Mitglie-
der“, so Brehmer.
WIR
BERATEN
UNTERNEHMEN
Sebastian Döll
sebastian.doell@hk24.deTelefon 36138-432
Internet
Weitere Informationen zur IT-Sicherheit finden
Sie unter
www.hk24.de/it-sicherheitversicherung schützen. In den USA besit-
zen bereits über die Hälfte der Firmen
eine solche Police. Und auch in Großbri-
tannien und Frankreich sind sie weitver-
breitet. In Deutschland hingegen ist laut
Bitkom erst jedes zehnte Unternehmen
gegen Cyberattacken versichert.
Die Versicherungen übernehmen im
Fall der Fälle die Kosten für die Wieder-
herstellung von Daten und decken die
Kosten ab, die durch eine Betriebsunter-
brechung entstanden sind. Sie zahlen zu-
dem für die Krisenkommunikation sowie
für die Ursachensuche durch IT-Spezia-
listen. Doch auch Kosten für die Abwehr
unberechtigter und das Begleichen be-
rechtigter Schadenersatzansprüche Drit-
ter sowie die Haftpflicht infolge von Ha-
ckerangriffen und der Verletzungen des
Datenschutzes sind meist im Versiche-
rungsschutz enthalten.
„Um ein Risiko zu quantifizieren,
muss vorab eine risikotechnische Ana-
lyse der IT-Sicherheit durchgeführt wer-
den“, sagt Wolf von Buchwaldt, Regional
Manager beim Versicherer Hiscox. Dabei
geht es um die Beantwortung von Fragen
wie: Was macht die Firma im Kern aus?
Oder: Was sind sie „Kronjuwelen“, die be-
sonders geschützt werden müssen? Die
größten Unternehmenswerte stellen häu-
fig technologisches Know-how dar. Doch
auch der Reputationsschaden bei gehack-
ten Kundendaten kann enorm sein.
Sinnvoll sei es, nach dieser Analyse
die entsprechenden Sicherheitsmaßnah-
men zu ergreifen, um das Risiko zu mini-
mieren. Eine Versicherung, so von Buch-
waldt, sei deshalb kein Ersatz für ein IT-
Security-Konzept, sondern als Ergänzung
für die Absicherung des Restrisikos ge-
eignet. Schließlich gilt auch bei den Ge-
fahren durch Cyberkriminalität die alte
Lebensweisheit „Vorsorge ist besser als
Nachsorge“.




