Innovativ und effizient
gegen die Krise
Acht Jahre dauert sie mittlerweile, die Krise in der Schifffahrt. Neue Umweltauflagen und
Kostendruck zwingen nun verstärkt zum Umdenken beim Schiffsantrieb und -management.
D
ie Containerschifffahrt leidet – und zwar insbesondere un-
ter der hohen Zahl großer Schiffe, die in den vergangenen
Jahren geordert wurden. Dementsprechend zeichnet die
meisten Schifffahrtsmärkte ein Überangebot an Ladungskapazität
aus. Zugleich verlangsamt allerdings die bisherige Wachstums-
lokomotive China ihr Tempo. Das führt zu einer weltweit geringe-
ren Nachfrage nach Gütern und Rohstoffen, wodurch die Fracht-
und Charterraten sinken. Zwar kommt der derzeit niedrige Bun
kerpreis für Schiffsdiesel vor allem den großen Reedereien zugute,
dennoch ist die Ertragslage vieler Firmen in
der Branche äußerst angespannt.
Bislang versuchen die großen Linien
reedereien über Fusionen und Übernahmen
ihre Marktposition zu festigen. Doch selbst
Maersk, mit einem Marktanteil von knapp
15 Prozent die größte Containerreederei der
Welt, spürte die Krise im letzten Jahr deut-
lich. Der Gewinn der Gruppe sank um 82
Prozent von rund 4,6 Milliarden Euro (2014)
auf circa 824 Millionen Euro.
Hapag-Lloyd konnte nach vier verlust
reichen Jahren laut vorläufigen Zahlen für
2015 wieder einen operativen Gewinn ver
buchen. Profitiert hat das Unternehmen von
der Fusion mit der chilenischen Reederei
CSAV sowie von Bemühungen zur Kosten
reduktion. Und schließlich erfolgte im No-
vember auch der Börsengang, um mit dem
so eingenommenen Kapital vor allem den
finanziellen Spielraum für Investitionen in
neue Schiffe zu vergrößern.
Der
5. Hamburger Schiff-
fahrtsdialog
findet am
19. April von 10 bis 15.30 Uhr
im Albert-Schäfer-Saal in
der Handelskammer statt.
Schwerpunktthemen der
Veranstaltung von Handels-
kammer, Wirtschaftsbehörde,
Bundeswirtschaftsministe-
rium, Verband Deutscher
Reeder und Zentralverband
Deutscher Schiffsmakler
sind die Digitalisierung und
alternative Antriebsformen.
Weitere Informationen zum
Programm sowie zur Anmel-
dung unter
www.hk24.de/schifffahrtsdialog
Veranstaltung
HAMBURGER WIRTSCHAFT 04 / 16
STANDORT
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Das Gros der norddeutschen Reedereien sind aber kleine und
mittlere Unternehmen, die ihre Schiffe an große Linienreedereien
verchartern. Eine Fusion oder gar ein Börsengang sind für sie in
der Regel kein Erfolg versprechendes Mittel, um Kapital zu gene
rieren. Sie haben ihre Schiffe häufig mit Unterstützung von pri-
vaten KG-Investoren und Bankkrediten finanziert. In der aktuellen
Lage mit niedrigen Fracht- und Charterraten wird es für sie aller-
dings immer schwieriger, die Kredite zu bedienen. Vielen Schiffs-
fonds droht die Insolvenz.
Zudem sehen sich die Reedereien mit
weiteren Umweltauflagen konfrontiert. Seit
Januar 2015 sind in der Nord- und Ostsee zum
Beispiel schwefelarme Treibstoffe beziehungs-
weise vergleichbare Lösungen zur Verringe-
rung der Emissionen vorgeschrieben. „Entwe-
der können die Schiffe mit hochwertigerem,
aber auch teurerem Marinediesel betrieben
werden oder die Reeder investieren in Abgas
reinigungsanlagen oder alternative Antriebs-
konzepte“, sagt Dr. Hans Jakob Gätjens, Vice
President Central Europe und Leiter der Ham-
burger Niederlassung von Bureau Veritas, einer
Inspektions-, Klassifikations- und Zertifizie-
rungsgesellschaft.
Als Beispiel für alternative Antriebskon-
zepte nennt er Dual-Fuel-Motoren mit LNG,
also Flüssigerdgas. Dieser Kraftstoff ist zur-
zeit günstiger als Marinediesel. Bei konventio-
nellen Anlagen könne der Schwefel auch mit
sogenannten Scrubbern den Abgasen entzo-
gen werden, so Gätjens.




