MOBILITÄT
G
olfschläger, Taucheranzüge mit
Bleigewichten, Flachbildfernseher
und sogar Ersatzteile für ein Atom
kraftwerk: All das hat Carsten Schlie in
seinem Taxi bereits durch Hamburg ge
fahren. „Als eine Kundinmal ihren gesam
ten Großeinkauf inklusive diverser Bier
kisten bei mir einladen wollte, musste ich
abwinken. Ich wollte keinen Achsenbruch
riskieren“, erzählt er schmunzelnd.
Alltäglich ist das aber nicht. Meist be
fördert der Inhaber der Taxibetrieb Bley &
Schlie GbR eben – ganz klassisch – Perso
nen mit „normalem“ Gepäck und manch
mal Haustieren. „Von der Bestellung des
Taxis bis zur Ankunft dauert es in der Re
gel drei bis sieben Minuten“, sagt Schlie
und betont, dass ein bestelltes Taxi nicht
mehr kostet als eines vom Taxistand. Bei
der Beförderung bleibt es aber nicht. Ein
nettes Gespräch und Informationen über
die Hansestadt gehören für ihn dazu.
„Ich glaube, es gibt fast keine Straße
in der Stadt, in der ich noch nicht war“,
so Schlie. Und das kann durchaus sein.
Denn er ist nicht nur gebürtiger Hambur
ger, sondern sitzt schon seit 1992 für die
Hansa Funktaxi eG hinter dem Steuer. Zu
nächst war er angestellt, seit fünf Jahren
ist er als Selbstständiger mit eigenem Auto
für die Genossenschaft tätig.
Begehrt ist der ortskundige Taxifahrer
auch bei orientierungslosen Touristen. Die
fragen mal nach der nächsten U-Bahnsta
tion, mal nach einem guten italienischen
Restaurant oder einem Augenarzt. Apro-
pos Touristen: Für sie bietet Hansa Funk
taxi individuelle Stadtrundfahrten an. Da
für werden die Fahrer in der firmeneige
nen Schulungsabteilung ausgebildet.
Die Betreuung von Wohngruppen ist
einer der Schwerpunkte von Das Taxi Funk
& Service eG. Für die 1986 gegründete Ge
nossenschaft sind etwa 170 Fahrer mit 70
Fahrzeugen im Einsatz. „Wenn behinderte
oder demente Menschen befördert werden
müssen, sind sie auf besondere Fürsorge
angewiesen“, sagt die Mitgründerin und
Geschäftsführerin Christiane Nolte. Dass
ihre Fahrer richtig mit Rollstühlen umge
hen können, ist für sie eine Grundvoraus
setzung.
Noltes Anspruch ist es, jede Vorbestel
lung eines Kunden zu bedienen. „Doch
ILLUSTRATION: ANJA STIEHLER /JUTTA FRICKE ILLUSTRATORS
HAMBURGER WIRTSCHAFT 04 / 16
IM FOKUS
70
Hamburgs Taxifahrer sind Chauffeure, Stadtführer, Entertainer und Seelsorger
in einem. Ohne sie entstünde im Nahverkehr zudem eine große Lücke.
Spontan mobil




