HAMBURGER WIRTSCHAFT 05 / 17
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Kreuzfahrtgeschichte
Das Hotel schwimmt mit
Auf Initiative des damals 33-jährigen Albert Ballin, Vorstands-
mitglied der Reederei HAPAG, fand im Winter 1891 die erste
Luxuskreuzfahrt statt. Mit dem seinerzeit größten deutschen
Passagierschiff „Augusta Victoria“ stachen 241 Reisende aus
zehn Ländern in See. Sie nahmen an einer „Vergnügungs-
und Bildungsreise ins Mittelmeer und in den Orient“ teil. Auf
der Reise, die zwei Monate dauerte, wurden 13 Häfen angelaufen. An Bord gab es erstklas-
sige Speisen, Galaempfänge, einen mitreisenden Arzt und eine tägliche Bordzeitung. Yvonne
und Oliver Schmidt schildern in diesem Buch, wie sich aus dieser einst kleinen und exklu-
siven Branche die boomende Kreuzfahrtindustrie von heute entwickelt hat. Immerhin ver-
bringen mittlerweile jährlich rund zwei Millionen Deutsche ihren Urlaub auf einem Schiff.
In einzelnen Kapiteln befassen sich die Autoren mit Schiffsreisen im Dritten Reich und für
Werktätige in der DDR, mit Fernseh-Traumschiff-Reisen und dem AIDA-Clubschiff.
Yvonne und Oliver Schmidt: „125 Jahre Kreuzfahrt“; Koehlers Verlagsgesellschaft; Hamburg
2016; 207 Seiten; 24,95 Euro
Historischer Krimi
Eine wahre
Begebenheit
Ein Kaufmann? Nein,
das will Ulrich Hese-
nius nicht sein. Seine
Leidenschaft ist die
Medizin. Umso frus-
trierter ist er, als sein Vater ihn vom Medi-
zinstudium abzieht, damit er im Kontor der
Familie mitarbeitet. Als Ablenkung von der
ungeliebten Arbeit kommt ihm der Tod des
Ratsherren Heinrich von Brempt im Februar
1670 gerade recht. Aufgrund seines medi-
zinischen Wissens wird Hesenius zur Lei-
chenbeschau hinzugezogen. Dabei fallen
ihm einige Dinge auf, die gegen einen Un-
fall und für den gewaltsamen Tod sprechen.
Deshalb beauftragen ihn die Stadtoberen
damit, Nachforschungen anzustellen. Der
Autor Ludger Bollen schickt Hesenius auf
eine Entdeckungstour durch das Hamburg
des 17. Jahrhunderts. Dabei trifft er unter
anderem auf Alchemisten, sephardische
Juden und zwielichtige Ratsherren.
Ludger Bollen: „Das kalte Licht“; Die Hanse/
CEP Europäische Verlagsanstalt; Hamburg
2017; 438 Seiten; 25 Euro
Wissen
Fragen über
Fragen
Was lebt alles in der
Elbe? Wurde der Ham-
burger in Hamburg
erfunden? Warum hat
der Dom ein Riesen-
rad und weshalb haben die Alsterschwäne
einen Vater? Seit wann müssen Hamburgs
Kinder in die Schule? Und warum ist die
Stadt eigentlich „frei“? Zur Hansestadt kann
man Tausende Fragen stellen. Und Kinder
tun das manchmal eben auch, um ihre Neu-
gierde zu befriedigen. Aber mal ehrlich,
liebe Eltern: Wüssten Sie spontan Antworten
auf die oben genannten Fragen? Wussten
sie, dass in Hamburg seit 1870 Schulpflicht
besteht? Und das die Stadt bereits seit dem
Mittelalter „frei“ ist, also keinem Reichsfürs-
ten, sondern direkt dem Kaiser unterstellt
war? Kindgerecht erklärt Silke Vry alles, was
es zur Hansestadt zu wissen gibt. Und da-
bei können auch Erwachsene definitiv noch
einiges lernen.
Silke Vry: „Mein Hamburg-Buch. Wissens-
spaß für schlaue Kinder“; Emons Verlag;
Köln 2017; 128 Seiten; 16,95 Euro
Architektur
Das Vierscheibenhaus
in der City Nord
Als die Mitarbeiter der Ham-
burgischen Electricitäts-Werke
(HEW) 1969 aus der Innenstadt
in die City Nord zogen, glich
das Areal dort noch einer Groß-
baustelle. Die Journalistin Sylvia
Soggia, die zu den besten Ken-
nern dieser Bürostadt in Winter-
hude gehört, stellt in ihrem
Buch die Geschichte der HEW
sowie die Entscheidungen, die
zum Neubau einer Unterneh-
menszentrale im Norden Ham-
burgs führten, ausführlich dar.
Sie schildert des Weiteren die
Rolle des damaligen Oberbau-
direktors Werner Hebebrand
und des dänischen Architekten
Arne Jacobsen, der das 153
Meter lange Gebäude entwarf.
Ausführlich beschreibt sie auch
das Innere des optisch aus vier
Scheiben bestehenden Baus –
vom Empfangstresen über das
Betriebsrestaurant bis hin zur
Vorstandsetage. Und obwohl
sich dieses Buch mit nur einem
einzigen Gebäude befasst, ist
es für alle, die sich für Architek-
tur und die Hamburger Stadt-
entwicklung interessieren, sehr
lesenswert.
Sylvia Soggia: „Form & Funk-
tion. Das Vattenfall-Haus in
Hamburg“; Hamburg 2016; 76
Seiten; 5 Euro (erhältlich in der
Vattenfall-Hauptverwaltung,
Überseering 12)




