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HAMBURGER WIRTSCHAFT 04 / 16
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Bildband
Hauptsache handlich
„Da lässt sich gut sitzen, und da saß ich gut, gar
manchen Sommernachmittag“, sagte Heinrich Heine
einst über den Jungfernstieg. Die Ufergegenden der
Elbe bezeichnete der Dichter als „wunderlieblich“.
Über Binnen- und Außenalster dachte der Journalist
Carl von Ossietzky wie folgt: „Jedem ist sie lieb und
wert – schon ihrer Lage halber.“ Und für den Schrift
steller Gerhardt Hauptmann zeichnete sich die
Speicherstadt vor allem dadurch aus, dass dort „die
Luft von fernen Erdteilen“ wehte. Es sind Zitate wie diese, die in diesem lütten Büchlein
neben den thematisch dazu passenden Bildern des Hamburg-Fotografen Michael Zapf
stehen. Entstanden ist so der vermutlich kleinste Bildband mit Fotos der Hansestadt. Ein
kleines Stück Hamburg zum Mitnehmen eben.
Michael Zapf: „Hamburg. Eine kleine Liebeserklärung“; Wachholtz Verlag; Kiel/Hamburg
2016; 48 Seiten; 4,95 Euro
Architektur
Typisch
hanseatisch
Hamburg ist die
Stadt der Kontor-
häuser. Gemeint
sind die Mietbüro-
häuser, die ab dem
Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn
des Zweiten Weltkriegs vor allem hafen-
und schifffahrtsabhängige Firmen nutzten.
243 dieser Gebäude von mehr als 100
Architekten sind noch erhalten. Als erstes
reines Kontorhaus entstand 1885 – kon
zipiert von Martin Haller – der Dovenhof.
Eine hochwertige Ausstattung, aufteilbare
Geschossflächen und repräsentative
Treppenhäuser zeichneten die Kontore
schon früh aus. Auffällig ist auch die
Stahlbetonskelettbauweise, in der sie seit
der Jahrhundertwende errichtet wurden.
Ralf Lange stellt in diesem reich bebilder-
ten Band die Charakteristika, Entwicklung
und Architekten dieses Gebäudetypus vor.
Ralf Lange: „Das Hamburger Kontorhaus.
Architektur, Geschichte, Denkmal“; Dölling
und Galitz Verlag; München/Hamburg
2015; 288 Seiten; 39,90 Euro
Biografie
Tragische
Geschichte
Es klingt absurd. Aber
eine Bombennacht im
Sommer 1943 hat
Marione Ingram wohl
das Leben gerettet.
Eigentlich sollte die damals Siebenjährige
kurz nach besagter Nacht in ein Konzen
trationslager gebracht werden. Denn ihre
Mutter Margarete Oestreicher war Jüdin.
Das wäre für Marione und ihre Schwestern
das Todesurteil gewesen. Theoretisch.
Doch nachdem die Bomben auf Hamburg
fielen, flüchtete sie mit ihrer Mutter aus
der Wohnung in der Hasselbrookstraße.
18 Monate lang versteckten sie sich auf
einem Rahlstedter Bauernhof. Bedroht,
ausgegrenzt, verfolgt, geflüchtet: So lässt
sich die Kindheit von Ingram, von der
sie selbst in diesem Buch berichtet, am
ehesten beschreiben. Es ist eine beklem-
mende und mahnende Geschichte.
Marione Ingram: „Kriegskind. Eine jüdische
Kindheit in Hamburg“; Dölling und Galitz
Verlag; München/Hamburg 2016; 208
Seiten; 19,90 Euro
Kochbuch
Was am Wegesrand
so alles wächst
Kräuter in einem Topf in der
eigenen Küche oder auf dem
Balkon anbauen – das kann
jeder. Aber haben Sie sich
schon mal in der Stadt nach
Essbarem umgeschaut? Und
damit meine ich nicht den
Super- oder Wochenmarkt.
Wie wäre es denn mit einer
Brennnesselsuppe, gekocht
aus frischen Brennnesseln aus
dem Park? Oder einem Salat
aus Linden-, Buchen-, Birken-
und Weißdornblättern? Dazu
schmeckt die eine oder andere
Scheibe Wildkräuter-Vollkorn-
brot mit Blütenbutter. Und zum
Trinken gibt es eine Schorle
aus Essigbaumbeeren oder
aber Melissen-Eistee. Diese
und viele andere Rezepte
haben Lore Otto und Katharina
Henne zusammengestellt. Die
Biologinnen wissen, was sie da
empfehlen: Seit 2009 zeigen
sie in Kochkursen, was man
aus Wildkräutern und -früch-
ten, die in und um Hamburg
am Wegesrand und Wasserlauf
wachsen, alles zaubern kann.
Katharina Henne, Lore Otto:
„Hamburgs wilde Küche. Was
wächst denn da & kann man
das essen?“; Klaas Jarchow
Media Buchverlag; Hamburg
2014; 128 Seiten; 16 Euro




