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Hande l s kamme r
E
in trister Sonntagvormittag: Während viele
Hamburger sich noch einmal im Bett umdre
hen, sortiert Nina Höfner in der Kleiderkammer
auf dem Gelände der Hamburg Messe bereits
Spielzeug. Gesellschaftsspiele sind unter den
zigtausend Spenden, die Hamburger hier abge
geben haben, aber auch Inlineskates, Roller,
Kuscheltiere, Kinderwagen, Stifte, Federmap
pen und Bücher. Sogar ein Globus und ein gro
ßes Puppenhaus sind dabei. Alles liegt nach
Kategorien sortiert in Regalen, Boxen und Tü
ten. Von Chaos ist keine Spur.
Höfner, Projektmanagerin im Geschäfts
bereich International bei der Handelskammer,
leitet – ehrenamtlich – die Spielzeugabteilung
der Kleiderkammer, deren Lager mittlerweile
eine Halle auf dem Otto-Gelände in Bramfeld
bezogen hat. Seit Ende August investiert sie
jede freie Minute zum Wohle der Flüchtlinge.
Weil sie die Welt ein bisschen besser machen,
ein Zeichen setzen und aktiv zur Willkommens
kultur beitragen wolle. „Es ist schön zu sehen,
dass die Hilfe da ankommt, wo sie benötigt
wird“, sagt Höfner. „Gerade die Kinder in den
Einrichtungen oder auf der Durchreise sind so
froh, wenn sie etwas Spaß haben und sich mit
dem Spielzeug die Zeit vertreiben können.“
Angefangen hat sie mit ihrer ehrenamt
lichen Tätigkeit, als ein Freund sie an einem
Freitagabend spontan bat, bei einem Transport
mit anzupacken. Sie ist dann einfach geblie
ben – so, wie viele andere auch, die täglich in
die Kleiderkammer kommen, um zu helfen.
Nina Höfner hat inzwischen ein festes Team
von etwa zehn Leuten, die sie in ihrem etwa
60 Quadratmeter großen Reich unterstützen.
Häufig kommen auch Schulklassen und andere
Freiwillige vorbei.
„Die Strukturen sind gewachsen und die
Logistik ist mittlerweile ausgefeilt. Und es ist
großartig, dass die Zusammenarbeit mit den
Hilfsorganisationen so gut läuft“, freut sie
sich. Etwas traurig macht sie hingegen, dass
Leitet ehrenamtlich die Spielzeugabteilung der
Kleiderkammer: Nina Höfner, Projektmanagerin
im Bereich International bei der Handelskammer
Chan Sidki-Lundius
redaktion@hamburger-wirtschaft.deTelefon 36138-305
die Zahl der freiwilligen Helfer in den letzten
Wochen deutlich abgenommen hat. „Es gibt
noch viel zu tun. Wer mag, kann einfach in die
Halle kommen und loslegen. Denn es werden
nach wie vor helfende Hände benötigt“, betont
die engagierte junge Frau. Ans Aufhören denkt
sie daher auch keine Minute. Im Gegenteil:
„Solange ich mir dieses Engagement neben
meinem Job in der Handelskammer leisten
kann, werde ich weitermachen.“
Auch Dr. Toufic El Masri, Mitarbeiter in der
Abteilung Migrantische Unternehmen, setzt
sich nach getaner Arbeit für Flüchtlinge ein.
Mit der Unterstützung von ehrenamtlichen
Paten und weiterer Handelskammer-Mitarbei
ter führt er Curriculum-Vitae-Sessions durch,
bei denen Asylsuchende Hilfe bei der Erstellung
ihres Lebenslaufs erhalten. Ein Fotograf hat
sich sogar dazu bereit erklärt, honorarfrei die
Bewerbungsfotos zu machen.
„Unser Angebot kommt super an und die
Nachfrage seitens der Flüchtlinge wird größer.
Aber es melden sich auch immer mehr Freiwil
lige, sodass wir unserem Ziel einer Eins-zu-
eins-Betreuung näherkommen“, berichtet der
gebürtige Libanese. Bei den Sessions im Han
delskammer City Campus am Alten Wall er
folgt die Beratung in Deutsch, Englisch und
Französisch, aber auch auf Arabisch, Dari und
Farsi. „Es kommt immer wieder vor, dass wir
Lebensläufe aus der Erinnerung rekonstruieren
müssen. Denn viele Zeugnisse sowie andere
wichtige Dokumente sind leider verloren ge
gangen“, erzählt El Masri.
Dennoch ist er davon überzeugt, dass ein
Großteil seiner „Klienten“ gute Chancen hat, in
Deutschland Arbeit zu finden. Immerhin seien
viele Flüchtlinge gut qualifiziert und teilweise
an Universitäten ausgebildet worden. Nach den
Sessions geht Toufic El Masri stets mit dem
Gefühl nach Hause, etwas Gutes getan zu ha
ben. Denn: „Jeder fertige Lebenslauf ist ein klei
ner Schritt mit womöglich großer Wirkung.“
Die Leiterin der Abteilung Beratungswirt
schaft, Dr. Claudia Sye, hat ebenfalls Erfah
rungen in der Flüchtlingshilfe gesammelt. Sie
hat von fünf bis zehn Uhr morgens in einer
Caritas-Notunterkunft am Hauptbahnhof ge
holfen, wo Reisende, die in Hamburg Halt ma
chen, für eine Nacht Unterschlupf finden. Dort
hat sie Schlafplätze hergerichtet, Essen vor
bereitet und ausgeteilt – und dabei trotz der
Sprachbarrieren ein Gefühl für die Ängste und
Nöte der Flüchtlinge entwickelt.
„Bei meinem Einsatz habe ich mir vorge
stellt, wie es wäre, wenn ich mich mit meiner
Familie auf den Weg machen müsste“, erzählt
Sye. „Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass
für die Asylsuchenden während ihres Aufent
halts bei uns menschenwürdige Bedingungen
geschaffen werden müssen. Dabei kann jeder
von uns mithelfen.“ Sie selbst plant weitere Ein
sätze in der Notunterkunft und nimmt dafür
gerne in Kauf, früh aufzustehen und anschlie
ßend einen langen Arbeitstag zu haben.
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