OKTOBER/NOVEMBER 2026
HINDIA YAGHI Vertrauen gewinnen Wie lassen sich internationale Fachkräfte binden? Eine persönliche Einschätzung der libanesischen Journalistin Hindia Yaghi, derzeit Volontärin bei der Handelskammer. Hindia Yaghi hat Journalismus im Libanon studiert und als Journalistin, Redakteurin und Nachrichtenmo- deratorin im Liba- non, in Zypern und Dubai gearbeitet. In Deutschland sam- melte sie Erfahrun- gen in der Medien- arbeit des Bundes- tags und bei der Deutschen Welle. Heute absolviert sie ein Volontariat im Bereich Strategi- sche Politische Kommunikation der Handelskammer. Eine längere Ver- sion des Artikels finden Sie unter www.hw-mag.de/ yaghi Als Volontärin im Kommunikationsbereich macht Hindia Yaghi auch Interviews. Aber ich habe bald gelernt: Sprache und Selbstver- trauen bilden sich nicht nur imUnterricht. Sie wach- sen im Arbeitsalltag, in Besprechungen, in Gesprä- chen, durch Missverständnisse, Fehler und die Be- reitschaft, es immer wieder zu versuchen. Fehlten mir die passenden Worte auf Deutsch, konnte ich Ideen auf Englisch einbringen. Mein Vorgesetzter meinte: „Wir kommen dahin. Wir arbeiten gemeinsam darauf hin.“ Dieser Satz ist mir bis heute imGedächtnis geblieben. Dennwasmir geholfen hat, war nicht Perfektion. Es war Vertrauen. Dinge, die erst wie Umwege erschienen, erwiesen sich später als wertvolle Erfahrungen. Schon bald wurden mir Aufgaben und Verantwortung übertragen. Das half mir, schneller zu lernen, mich anzupassen und immer sicherer zu werden. Gleichzeitig erhielt ich Raum, Fehler zumachen und aus ihnen zu lernen. Internationalität als Stärke Was also ist zu tun? Es gilt, die Anforderungen ge- meinsam zu bewältigen. Die Zugewanderten müssen die Sprache lernen und bereit sein, sich auf eine völ- lig neue Kultur und Arbeitskultur einzulassen. Denn die Normen, Kommunikationsstile, Entscheidungs- prozesse und unausgesprochenen Erwartungen sind von Land zu Land sehr unterschiedlich. Gleichzeitig sollten Arbeitgeber und Institutionen Potenzial er- kennen, Vielfalt annehmen und Orientierung sowie berufliche Entwicklungsmöglichkeiten bieten, also Integration Schritt für Schritt unterstützen. Die spannendsten Diskussionen entstehen oft, wenn Menschen Themen aus unterschiedlichen Per- spektiven betrachten – und das ist auch für Ham- burgs Wirtschaft eine große Chance. Wo man Sicht- weisen teilt, entstehen neue Ideen, Innovation und ein Arbeitsumfeld, in dem sich internationale Fach- kräfte langfristig eine Zukunft vorstellen können. Menschen bleiben dort, wo sie sich beruflich weiterentwickeln können, wo ihre Ideen geschätzt werden, wo sie Entwicklungschancen sehen und spüren, dass ihre Arbeit Sinn stiftet. Am wichtigsten ist: Sie bleiben dort, wo sie sichmit der Organisation, der Gemeinschaft und dem Ort, an dem sie leben, verbunden fühlen. A rbeitsplätze sindwichtig, dochebensowichtig sind Strukturen, die Newcomern dabei hel- fen, sich im Alltag, in Verwaltungsverfahren und auf dem Arbeitsmarkt zurechtzufinden. Als ich vor vier Jahren nach Deutschland kam, war ich voller Neugier und Motivation. Doch dann bestimmten plötzlichAufenthaltsfragen, Formulare undUnsicher- heit meinen Alltag. Statt mich auf meine beruflichen Ziele zu konzentrieren, war ich oft damit beschäftigt, herauszufinden, wie es überhauptweitergeht.Manch- mal war ich mir nicht sicher, ob ich meinen Platz hier finden würde – so wie viele Zugewanderte in meinem Umfeld, die teils jahrelang auf die Anerkennung ihrer Abschlüsse warten mussten, diskriminiert wurden oder sich imArbeitsalltag allein gelassen fühlten. Entscheidend für mich war die Unterstützung von Institutionen wie demHamburg Welcome Center (HWC), das mir half, mich hier besser zurechtzufin- den, der Arbeitsagentur und der Kammer. Sie gaben mir den Freiraum, mich auf meine persönliche und berufliche Entwicklung zu konzentrieren, statt von Unsicherheit undBürokratie aufgerieben zuwerden. Als Journalistin bin ich es gewohnt, mich über Sprache auszudrücken, doch in Deutschland ging zeitweilig etwas von meiner Sicherheit verloren. HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 50 FOTO: JENS SCHÖNLAU INTERNATIONALE FACHKRÄFTE Genuss-Tipp DIE BESTEN RESTAURANTS IMNORDEN REITSTALL KLÖVENSTEEN – Testsieger Umland Nord YOSHI IM ALSTERHAUS – Testsieger Sushi THEO‘S – Testsieger Fleisch ...UND VIELE WEITERE Im aktuellen Genuss-Guide gibt es alle Testsieger, Genuss-Michel-Gewinner und spannende Geschichten aus der Gastro-Branche NAU – Testsieger Portugal Anonym.Kritisch.Unabhängig www.genussguide-hamburg.com Top Neueröffnungen undmehrals 850Restaurants imTest Genuss-Michel2026 Getestet.Ausgezeichnet.Gefeiert. DergroßeKüstencheck SoschmecktderNorden WievielFisch is(s)t Hamburg? SPEZIALNR.39 2026/2027 |€22,00 ISBN978-3-911219-21-1 SZENEHAMBURGSPEZIAL ESSEN+TRINKEN2026/2027 22,00€ 4 194287 322002 39 ESSEN+TRINKEN
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