OKTOBER/NOVEMBER 2026
Hoch spezialisiert erfolgreich Dank Nischenportfolio spielen einige Hamburger Unternehmen international ganz vorne mit. Viele sind der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt – sie bleiben Hidden Champions. Mit modularen Küchensystemen, die komplette Mahlzeiten in großer Menge autonom zubereiten, punktet das Tech-Start-up goodBytz im internationalen Wettbewerb, etwa auf US-Militärstützpunkten. CEO Dr. Hendrik Susemihl (re.) war 2021 Mitgründer des Unternehmens. Dr. Thomas Oehmichen, Gesellschafter der LEHVOSS Group C hemische und minerali sche Spezialitäten, seltene Erden, Additive und Kunst stoff-Verbindungen für die Indus trie: Mit diesen hoch spezialisier ten Produkten handelt das 1894 gegründete Familienunternehmen Lehmann&Voss&Co. mittlerweile in Europa, den USA und Asien. Ge meinsam mit seinen internationa len Tochtergesellschaften bildet das Hamburger Stammhaus die LEHVOSS Group – ein echter Hid den Champion, dessen Kompo nenten und Rohstoffe in zahlrei chen alltäglichen Produkten ste cken, von Fahrzeugen bis zu Kos metik, ohne dass der Name allge mein geläufig ist. „Bis 1990 wurde der Hauptteil des Umsatzes im deutschsprachigen Raum gemacht“, erklärt Dr. Tho mas Oehmichen, persönlich haftender Gesellschafter der LEHVOSS Group. Da sich die Kundschaft zuneh mend internationaler aufstellte, folgte das Unternehmen dieser Ent wicklung und expandierte nach Ita lien, Großbritannien und Frank reich. Ab den 2000er-Jahrenwuchs zudem das Geschäft mit selbst entwickelten hochspezifizierten Kunststoff-Compounds; damit er schloss die LEHVOSS Group insbe sondere den US-amerikanischen und chinesischenMarkt. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei bis heute in der Präsenz vor Ort. „Da wir in der Region für die Region produzieren, schaffen wir eine erhöhte Supply-Chain-Resi lienz. BeimVertrieb sind wir davon überzeugt, dass Kunden es sehr schätzen, wenn sie von einem lokalen Fachvertrieb betreut werden, der die Sprache spricht und die Mentalität versteht“, erläutert Dr. Oehmichen. Die LEHVOSS Group hat neben der kontinuierli chen Stärkung der europäischen Präsenz besonders HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 42 FOTOS: LEHVOSS GROUP, GOODBYTZ GMBH (2), MATTHIAS FRIEL (1)/PRIVAT/NECT GMBH HIDDEN CHAMPIONS Reisen Unternehmen, die ihr internationales Geschäft ausbau en möchten, kön nen an Delega tionsreisen teil nehmen, die die deutschen AHKs (siehe Seite 52) organisieren. Vom 29. bis 31. Oktober 2026 reist eine Dele gation nach Süd korea zur 19. Asi en-Pazifik-Konfe renz der Deut schen Wirtschaft (APK) in Seoul. Vom 9. bis 13. November führt die Markterkun dungsreise „MER COSUR kom pakt“ nach Brasi lien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Eine Fact-Fin ding-Mission geht nach Ghana, um das Technologie- Ökosystem des westafrikanischen Staats kennenzu lernen und am German-African Business Summit (GABS) in Accra teilzunehmen (23.–25. 11. 26). BIRGIT REUTHER Carlo Ulbrich (u.), Mitgründer und CSO der Nect GmbH, und Pratheban Premjayanth (re.), Lead International Partner Management des Unternehmens ihre Aktivitäten in China ausgebaut – mit einem Headquarter in Shanghai und einer Produktions- stätte in Kunshan. „Wir haben uns in den vergangenen vier Jahr- zehnten in bestimmten, sehr hochtechnologischen Nischen eine weltweit führende Position erarbeitet“, erklärt Dr. Oehmichen. Allerdings steht die Rolle als Hidden Champion für die LEHVOSS Group nicht im Fokus. „Wichtig ist, als zuverlässiger und hochkom- petenter Geschäftspartner wahrgenommen zu wer- den, der die Probleme des Gegenübers versteht und entsprechende Lösungen anbietet.“ Küchenroboter und Digitalplattform Der Hidden-Champion-Status wird gewiss durch hanseatisches Understatement befördert. Zugleich würdigt die hiesige Wirtschaft besondere Leistun- gen. So wurde etwa die RITZ Instrument Transfor- mers GmbH beim Hamburger Gründerpreis 2025 in der Kategorie „Aufsteiger“ geehrt: Das 1945 gegrün- dete Unternehmen ist einer der führenden Herstel- ler von Messwandlern und Stromschienensystemen in Europa, Asien und den USA. Neben solchen Traditionsunternehmen wagen sich in der Hansestadt immer wieder neue Firmen mit einem innovativen Nischenprodukt in den inter- nationalen Wettbewerb. Das Food-Tech-Start-up goodBytz zum Beispiel entwickelt autonome modu- lare Küchensysteme und hat damit den Zukunfts- preis der Internorga 2026 gewonnen. Die Küchenro- boter kommen unter anderem in US-Militärbasen zum Einsatz, wo sie rund um die Uhr frische Mahl- zeiten zubereiten. Aktuell kooperiert goodBytz zu- dem mit der Kette Leonardo Hotels Central Europe. Für Dr. Hendrik Susemihl, Co-Founder und CEO von goodBytz, eine zeitgemäße Fokussierung: „Die Hotel- lerie entwickelt sich zunehmend zu intelligenten, di- gital vernetzten Orten. Dazu gehört aus unserer Sicht auch die gastronomische Versorgung.“ Auch die Nect GmbH treibt ihre globale Skalie- rung voran. Das Unternehmen am Großen Burstah hat eine hoch spezialisierte Technologie entwickelt, mit der man die eigene digitale Identität verifizieren, online Unterschriften leisten sowie rechtssicher Ver- träge zustellen kann. Mit dieser Vertrauensdienste- Plattform expandiert Nect in den europäischen Markt. „Unsere Internationalisierungsstrategie ba- siert darauf, regulatorische Veränderungen frühzei- tig alsWachstumschance zu verstehen“, erklärt Carlo Ulbrich, Mitgründer und CSO von Nect. Mit neuen EU-Vorgaben, etwa zur elektroni- schen Identifizierung (eIDAS 2.0) und Geldwäsche- bekämpfung (AMLR), wurde die Grundlage für einen europaweit interoperablen Markt für digitale Identi- täten geschaffen. Ab Ende 2026 sollen Bürgerinnen und Bürger bestimmte Nachweise sicher und digital über die neue EUDI-Wallet bereitstellen können. „Deshalb haben wir unsere Plattform von Beginn an so aufgebaut, dass sie länderübergreifend skalierbar ist und nationale Identitätslösungen integrieren kann“, sagt Ulbrich. Bisher war der europäische Markt stärker fragmentiert, da für Banken, Versiche- rungen und Telekommunikationsanbietende je nach Land unterschiedliche Anforderungen galten. Erfolgsfaktoren, um die internationale Skalie- rung zu befördern, sind ein starkes Netzwerk und ge- zielte Interessenvertretung. „Wir stehen im ständi- gen Austausch mit der Politik auf nationaler und eu- ropäischer Ebene, um regulatorische Rahmenbedin- gungen praxistauglich zu halten und unnötige deut- sche Sonderwege zu verhindern“, erläutert Prathe- ban Premjayanth, Lead International Partner Ma- nagement bei Nect. Das Unternehmen baut gezielt auf grenzüberschreitende Partnerschaften, um lo- kale Märkte zu erschließen. Zugleich ist Hamburg für Nect weit mehr als ein Unternehmenssitz. „Die Stadt ist ein wichtiger Innovationsstandort für digi- tale Technologien“, so Ulbrich. Eine Förderung der Stadt Hamburg gab damals den nötigen Anstoß für den Unternehmensaufbau. Damit die Champions weiter wachsen können – ob „hidden“ oder im hellen Rampenlicht. WWW.HANDELSKAMMER-HAMBURG.DE 43 HIDDEN CHAMPIONS
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