OKTOBER/NOVEMBER 2026
Die Folgen der Golfkrise Hamburg bezieht kaum Öl oder Gas aus dem Persischen Golf. Warum die Eskalation an der Straße von Hormus die Hamburger Wirtschaft trotzdem trifft. Die frühere Esso-Raffinerie in Moorburg übernahm die HOLBORN-Gruppe im Jahr 1987. Ölwerke Schindler); hinzu kommen Energieversorger mit großen Tanklagern wie MB Energy. Die Direktver- kehre mit Häfen im Persischen Golf machten 2025 aber nur 1,7 Prozent des Hafen-Gesamtumschlages aus. Und die HOLBORN Europa Raffinerie in Moor- burg bezieht ihre jährlich rund fünf Millionen Tonnen Rohöl per Pipeline ausWilhelmshaven – undnennt als Herkunftsgebiete vor allem West‑ und Nordafrika sowie dieNordseeregion. Die Krise erreicht Hamburg also nicht über den Seeweg, sondern über denWeltmarkt: Der Umschlag von Mineralölprodukten sank im ersten Halbjahr 2026 um 12,7 Prozent. Als Grund nennt die Hafen behörde HPA explizit den „durch den Iran-Krieg erzeugten Druck auf die globalen Energiemärkte", der auch den Biodiesel-Umschlag habe sinken lassen. Globale Preissteigerungen Auch bundesweit hat der Krieg Folgen: In einer Blitz- umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskam- mer (DIHK) im April gaben 83 Prozent der befragten Unternehmen an, die Krise wirke sich aktuell schäd- lich auf ihr Geschäft aus. Insbesondere wegen gestie- gener Kosten: für Fracht und Transport (so 73 Pro- zent der betroffenen Firmen), Energie (71 Prozent) V or Kriegsbeginn Ende Februar passierten rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Mi neralölprodukte täglich die Straße von Hor- mus, mehr als ein Viertel des globalen seegestütz- ten Ölhandels, außerdem rund ein Fünftel der weltweiten Transporte von Flüssigerdgas (LNG), vor allem aus Katar. Inzwischen kam der Schiffsverkehr fast zum Erliegen. Anfang September passierten laut dem Analysehaus Kpler im Schnitt nur noch rund zehn Frachter pro Tag die Meerenge, zeitweise sogar nur zwei. Eine Lage, die sich weltweit auswirkt – zumal inzwischen auch noch die Huthi-Miliz die Meerenge Bab al-Mandab kontrolliert und der Verkehr dort deutlich zurückgeht. „Die Internationale Energieagentur bewertet den Krieg und seine Folgen explizit als die größte an- gebotsseitige Störung des globalen Ölmarktes seit den 1970er-Jahren“, erklärt Alexander von Gersdorff, Pressesprecher beim Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) inBerlin. Welche Folgenhat das fürHamburg?DieMineral- ölverarbeitung ist hier definitiv ein wichtiger Indus- triebereich – ob klassische Raffinerie, Produktion von Schmierstoffen (Shell) oder Paraffinen (H&R Gruppe/ HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 32 FOTO: DANIEL REINHARDT/DPA ENERGIE HANDEL Umsatzplus Um 12,7 Prozent stieg im ersten Halbjahr 2026 der preisbereinigte Umsatz der Ham- burger Mineralöl- verarbeitung laut Statistikamt Nord – zufällig exakt der Wert, um den der Hafenumschlag von Mineralölpro- dukten sank. Ein Zusammenhang besteht nicht: Die eine Zahl misst die Tonnage im Hafen, die andere die Er- löse der Raffine- rien. Das Amt selbst verweist zu- dem auf Schwan- kungen durch Großaufträge. No- minal, also vor Ab- zug der Inflation, legte die Hambur- ger Industrie ins- gesamt sogar um 22,5 Prozent zu. CLAUDIA BEHREND sowie für Rohstoffe und Material (58 Prozent). Eine wesentliche Folge der Krise sind die teils extremen Steigerungen der Öl-, aber auch der Gaspreise. Nach- dem Israel den iranischen Teil des weltgrößten Gas- feldes South Pars im März angriff und der Iran mit Raketen auf die katarische LNG-Infrastruktur in Ras Laffan antwortete, verschärfte sich die ohnehin an- gespannte Versorgungslage. Weil die aus Katar und den Vereinigten Ara bischen Emiraten exportierten Mengen nun auf dem Weltmarkt fehlen, sind die Auswirkungen in- direkt über die Gaspreise im Großhandel deutlich zu spüren, erläutert Dr. Dirk Lau, stellvertretender Geschäftsführer und Leiter der Abteilung Klima- wende, Energie und Industrie in der Handelskam- mer. Die dadurch entstehende Unsicherheit treibe die Preise weiter in die Höhe. Und das wirkt sich wiederum auf den Strom- markt aus. Denn dort gilt das „Merit-Order-Prinzip“: Der Strompreis des teuersten Kraftwerkes, oft ein Gaskraftwerk, bestimmt den allgemeinen Strom- preis. Hohe Gaspreise bedeuten also hohe Strom- preise – selbst wenn nur ein Bruchteil des tagesaktu- ellen Strombedarfs aus der Gasverbrennung stammt. Stimmen aus den Unternehmen Die höheren Preise spürt etwa der Stahlhersteller ArcelorMittal. „Die hohen Strompreise inDeutschland sind ein erheblicher Standortnachteil und belastendie Wettbewerbsfähigkeit unseres Werkes in Hamburg“, unterstreicht Arne Langner, Sprecher von Arcelor Mittal Deutschland in Hamburg. Und er ergänzt: „Bezahlbare Energiepreise sind ein wichtiger Faktor. Entscheidend ist aus unserer Sicht, dass die Politik die Voraussetzungen für international wettbewerbsfähige Energiepreise schafft, damit industrielle Wertschöp- fung und Investitionen in Deutschland erhalten blei- benkönnen.“ „Steigende Energiepreise sind für uns ein Thema, mit dem wir uns nicht erst seit einigen Monaten sehr intensiv beschäftigen“, heißt es auch beim Flugzeug- bauer Airbus. „Am Standort Hamburg nutzen wir bereits einen Mix aus verschiedenen Energieträgern und bauen beispielsweise den Anteil der Photovoltaik weiter aus.“ Zudem sei es für den Konzern wichtig, bei den technischen Systemenund ProzessenEnergie ein- zusparenunddieEffizienz zu steigern. 3 5 JAHRE 35JAHRE NORDLITE Dreieinhalb Jahrzehnte Veranstaltungstechnik aus Hamburg – Tradition im Rücken, Zukunft im Blick 1991 – 2026 NORDLITE ENERGIE HANDEL
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