OKTOBER/NOVEMBER 2026

Carsten Schryver ist seit 2009 CEO des Hamburger Logistikunternehmens H.J. Schryver. EU- Abkommen Seit dem 1. Mai wird das Abkom- men mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argenti- nien, Uruguay und Paraguay vorläufig angewendet. Boli- vien ist seit 2024 Mercosur-Vollmit- glied, bleibt von den Zollvorteilen aber bisher ausge- schlossen. Das Ab- kommen senkt unter anderem die Zölle auf Agrar- produkte und alko- holische Getränke. Mit Indien ist das Abkommen aus- gehandelt und wird derzeit recht- lich geprüft. In Kraft treten könnte es im Frühjahr 2027. Mit Thailand und den Philip- pinen laufen Verhandlungen. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete der Hafen einen Umschlagrückgang – auch aufgrund von Modernisierungs- arbeiten an Terminals. Das Umschlagsvolumen mit Indien stieg um 49,2 Prozent auf 290 000 TEU, mit Sri Lanka um 22,4 Pro- zent (172 000 TEU). Doch Lagen ändern sich schnell: So legten die Hamburg-Exporte in die USA im ersten Halbjahr 2026 wertmäßig bereits wieder um 57 Pro- zent zu (China: minus 40 Prozent). Für Produkte der Hamburger Wirtschaft bleibt Europa zudem weiterhin der größte Absatzmarkt: Mit 19,1 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2026 la- gen die Ausfuhren dorthin deutlich vor Asien (5,2 Mrd. Euro) und Amerika (2,9 Mrd. Euro). Allein nach Österreich stiegen sie von Januar bis Juni um 187 Prozent auf rund 2,4Milliarden EuroWarenwert. Perspektiven Wie geht es weiter? Gefordert sind jedenfalls Verläss- lichkeit, Resilienz und eine weitere Diversifizierung der Märkte. Das hat auch die EU erkannt, deren 2021 verabschiedete neue Handelspolitik unter anderem eine „Stärkung des Multilateralismus“ anstrebt. Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses imEuropäischen Parlament, sieht heute „eine geopo- litische und geoökonomische Situation, wo zwei ganz große Handelspartner sich auf unterschiedliche Art nicht mehr an das regelbasierte Handelssystem hal- ten“. Schon im Februar kam er im Gespräch mit dem TV-Sender phoenix zu demSchluss, China sei derzeit „ein verlässlicherer Handelspartner als die USA“, 3,85 Milliarden Euro zurück (USA: minus 60,7 Pro- zent, von 5,6 auf 2,2 Mrd. Euro). Die Ausfuhren nach Asien stiegen derweil um 18,3 Prozent; allein in die Volksrepublik China legten sie um 50,5 Prozent zu (von 3,2 auf 4,8 Mrd. Euro). Die Einfuhren aus den USA (10,75 Mrd. Euro) und der VR China (8,8 Mrd. Euro) blieben dagegen fast gleich. Auch der Containerumschlag mit China wuchs 2025, so die HPA: insgesamt um 6,2 Prozent auf 2,3 Millionen TEU, weit vor den USA (2025: 510 000 TEU) – die auch viele Güter auf dem Luftweg erreichen. HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 30 ILLUSTRATION: HPA; FOTOS: ANJA PAAP, EUROPEAN PARLIAMENT AUSSEN HANDEL Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im EU-Parlament CLAUDIA BEHREND / FELIX SCHOEN ohne Probleme wie die „sehr aggressive“ chinesische Industriepolitik zu verschweigen. Zur Diversifizierung tragen die zahlreichenHan- delsabkommen bei, die die EU in den letzten Jahren geschlossen hat, etwa mit Vietnam (in Kraft: August 2020), Kenia (Juli 2024), Chile (Februar 2025) oder den Mercosur-Staaten (siehe Randspalte). Das ge- plante Abkommen mit Indien dürfte nach Einschät- zung Langes im Frühjahr 2027 in Kraft treten; Poten- zial sieht er insbesondere mit Indien, Vietnam, Mer- cosur und Australien. Für Hamburg ist dabei vor allem der weitere Ausbau der Beziehungen zu Indien interessant. Das Land gehört bereits zu den zehn wichtigsten Han- delspartnern der Stadt (bilaterales Handelsvolumen 2025: 3,6 Milliarden Euro), im ersten Halbjahr 2026 legte der Containerumschlag mit Indien um weitere 7,2 Prozent zu. Logistiker Schryver sieht die Chancen hingegen anderswo: „Wir sehenAfrika und Lateinamerika als die Regionen, die immermehr in denBlick geraten, weil sie sich in den globalen Handelsdiskussionen eher neutral verhalten und gleichzeitig viel aufzuholen haben.“ Zu- demböten sie große Rohstoffvorkommen. Doch unabhängig davon, wie die Entwicklung in den kommenden Jahren verläuft – eines ist über die Jahrhunderte gleich geblieben: Hamburg ist interna- tional ausgerichtet und geprägt, profitiert von Ein- wanderung (siehe Seite 36) und weltweiter Präsenz (Seite 52) – und treibt Handel mit der ganzen Welt. Möge es so bleiben. AUSSEN HANDEL Ihre Fracht, unsere Mission: Am Flughafen Kuala Lumpur macht Reuben Sevathiar mit einem engagierten Team komplexe Luftfracht einfach: mit persönlicher Beratung und flexiblen Lösungen in einem weltweiten Netzwerk. Anzeige DE – IHK A/S Hamburg – 210 × 140 (+5 mm) – Sujet 2

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