OKTOBER/NOVEMBER 2026

Neue Wege in die Welt Hamburgs Ausfuhren nach Asien gingen zuletzt wieder zurück, während der US-Handel zulegte. Doch generell orientiert sich der Außenhandel neu – und hofft auf weitere Freihandelsverträge. Rund 8,3 Millionen Standardcontainer (TEU) wurden 2025 im Hamburger Hafen umgeschlagen – ein Plus von 7,3 Prozent. BORN Europa Raffinerie oder Aurubis tragen maß- geblich zur Hamburger Außenwirtschaft bei. Rund 19.000 Unternehmen mit über 170.000 Be- schäftigten sind in der Hansestadt am Außenhandel beteiligt, schätzt die Handelskammer. Neben den zahlreichen Hafen- und Logistikbetrieben, die rund um den Warentransport aktiv sind, sitzt in der In- dustriestadt Hamburg zudemeine Fülle exportorien- tierter Unternehmen unterschiedlichster Branchen, darunter „Hidden Champions“ wie der Küchenrobo- ter-Hersteller goodBytz oder der Chemie- und Kunst- stoffexperte LEHVOSS (Seite 42). Von Hamburger Firmen erzeugte Waren im Ge- samtwert von rund 56,76 Mrd. Euro gingen 2025 ins Ausland – so der Ausfuhrbericht von Statistik Nord, der nur inHamburg produzierte oder hier wesentlich veränderte Waren verzeichnet. Im gleichen Zeitraum gelangten Güter im Wert von 76,6 Mrd. Euro in die E inst galt Hamburg als „Brauhaus der Hanse“, im Jahr 1540 zählte die Stadt allein 527 Braue- reien. Neben Getreide und Holz war das dort erzeugte Fassbier jahrhundertelang eine der Haupt- exportwaren der Elbstadt; es ging in die Niederlande, nach Frankreich, England, Dänemark und bis nach Island. Doch mit den Zeiten ändern sich Produktion, Handelsgüter und -wege. Heute dominieren bei Wei- tem Luftfahrzeuge den Hamburger Exportmarkt: Mit 24,82 Milliarden (Mrd.) Euro betrug ihr Wertan- teil 2025 rund 43 Prozent an den hiesigen Ausfuhren – ein Beleg für die Bedeutung von Airbus, zum Teil aber sicher auch eine Folge der „Flugzeugrotation“ zwischen Hamburg und Toulouse. In der statisti- schen „Rangliste“ folgen Mineralölerzeugnisse (3,9 Mrd. Euro, siehe Seite 32) und Gold für gewerbliche Zwecke (3,7 Mrd. Euro): Konzerne wie Shell, HOL- HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 28 FOTOS: MF-GUDDYX/ ISTOCKPHOTO, KATI JURISCHKA Dr. Doris Hillger, stellvertretende Geschäftsführerin und Leiterin der Abteilung Inter- nationale Märkte und Außenwirt- schaftsförderung in der Handels- kammer Hansestadt – allerdings ohne unbedingt hier zu ver- bleiben. Denn die Einfuhrberichte von Statistik Nord erfassen sämtliche Waren, die aus dem Ausland nach Hamburg kommen – egal, wo sie amEnde landen. „Dass die USA und China in der Importstatistik als wichtigste Handelspartner Hamburgs erschei- nen, sagt nichts darüber aus, wie viele dieser Waren tatsächlich hier genutzt oder verarbeitet werden, aber viel über Hamburgs Funktion als Logistikdreh- scheibe und die Abhängigkeit des Hamburger Logis- tiksektors von diesen Warenströmen“, erklärt Dr. Doris Hillger, stellvertretende Geschäftsführerin und Leiterin der Abteilung Internationale Märkte und Außenwirtschaftsförderung in der Handels- kammer. Handel im Plus, Rückgang im Hafen Wie entwickelt sich der Hamburger Außenhandel in den unruhigen heutigen Zeiten? Generell positiv, wenn man den Anfang September veröffentlichten Zahlen von Statistik Nord folgt: Der Export erhöhte sich im ersten Halbjahr 2026 um 9,3 Prozent auf 29,2 Mrd. Euro, mit einem besonders deutlichen Plus (315,1 Prozent) bei pharmazeutischen Produkten. Gleichzeitig nahm die Einfuhr nach Hamburg um 15 Prozent auf 43,8 Mrd. Euro zu, größtenteils wiede- rumdank Luftfahrzeugen. Etwas anders fallen die Zahlen der Hamburg Port Authority (HPA) aus. Diese ermittelt regelmäßig die Anzahl aller imHafen umgeschlagenen Standard- container (TEU) und das Gewicht der als Massen- oder Stückgut transportierten Güter (siehe Grafik Seite 30) – dokumentiert also die seeseitigen Um- schlagvolumina und Hauptfahrgebiete, aber natur- gemäß keine Einzelwaren und -werte. Demnach ging der Gesamtumschlag im Hafen von Januar bis Juni um 3,1 Prozent auf 56,1 Millio- nen Tonnen zurück, der Containerumschlag sogar um 3,9 Prozent. Als Gründe nennt die HPA unter an- derem rückläufige Importe von Mineralölprodukten → aufgrund des Iran-Kriegs sowie Kapazitätsein- schränkungen durch die Terminal-Modernisierun- gen der HHLA. Tatsächlich fährt Hapag-Lloyd im AL4-Dienst (Route nach Miami und Mexiko) aktuell Bremerhaven statt Hamburg an, ab Mitte September wechselt auch die Reederei ONE imAL5-Dienst (Miami, Los Angeles) nach Bremerhaven. Weitere Umstellungen sind der- zeit allerdings nicht geplant, erklärt Hapag-Lloyd auf Nachfrage: Das vorgesehene Investment in das EURO- GATE Container Terminal Hamburg (CTH) zeige viel- mehr die hohe Relevanz, die Hamburg für die Reederei besitze. Absatzmärkte im Wandel Die USA und China gehör- ten 2025 neben Frankreich zu den Hauptpartnerlän- dern des Hamburger Au- ßenhandels – doch die Ge- wichte verändern sich, wie Carsten Schryver beobach- tet: „Seit geraumer Zeit nimmt der Asienanteil für alle unsere Gesellschaften zu“, unterstreicht der CEO des international tätigen Logistikdienstleisters H.J. Schryver. So würden deutsche Hersteller heute Pro- jekte im großen Stil an ihre Tochterfirmen oder Standorte in Asien untervergeben, Anlagen und Gü- ter kämen eher aus Auslandsstandorten als aus Deutschland. Zugleich brächen die Ausfuhren in die USA in Volumen und Wert ein. „Die Produkte sind durch die Zölle und den starken Euro in den USA kaum mehr wettbewerbsfähig“, erklärt Schryver; nicht betroffen seien dabei allerdings Branchen wie Energieinfrastruktur und Rechenzentren. Tatsächlich gingen die Exporte Hamburger Produkte nach Amerika 2025 um 55,2 Prozent auf AUSSEN HANDEL Bei dringenden Sendungen wie Ersatzteilen, Medikamenten oder Prototypen ist Luftfracht ideal. Zollvorschriften und Dokumentationspflichten verlangen Erfahrung und Planung. Mit 180 eigenen Standorten bietet Gebrüder Weiss Express-, Direkt- und Sammeltransporte, Hand-Carry-Services, Charterflüge sowie Kombinationen mit See- oder Landtransport. Ein Ansprechpartner steuert den Transport vom Angebot bis zur Zustellung. Hinzu kommen Zollabwicklung, Versicherung, Tracking über myGW und nachhaltige Luftfahrttreibstoffe. „Bei zeitkritischen Transporten zählen Flexibilität, Sicherheit und persönliche Betreuung“, sagt Robert Stahlschmidt, Landesleiter Air & Sea Deutschland bei Gebrüder Weiss. Schnell, persönlich und sicher: Luftfracht mit Gebrüder Weiss Mehr Infos unter: www.gw-world.com

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