AUGUST/SEPTEMBER 2026

Unter www. handelskammer- hamburg.de/ digitalisierung informiert die Kammer zu KI & Cybersicherheit und listet Veran- staltungen zum Thema auf. In Kooperation mit dem BSI führt sie etwa den Cyber- sicherheitstag am 29. September durch. Ansprech- partnerin ist Pina Morgenstern: Te- lefon 040 36138- 443, E-Mail pina. morgenstern@ handelskammer- hamburg.de Zu KI-Transforma- tion und Sicher- heit beraten auch das ARIC, die offi- zielle KI-Initiative der Stadt Ham- burg, sowie der European Digital Innovation Hub Hamburg (EDIH). In dessen zweiter Förderphase (EDIH 2.0) wer- den KMU und öf- fentliche Organi- sationen drei Jah- re von der EU und der IFB Hamburg bei der digitalen Transformation unterstützt. Alois Krtil, CEO des KI-Kompetenz- zentrums ARIC e. V. ERIC LEIMANN gar Geschäftsgeheimnisse? Was dür- fen Mitarbeitende mit ihr anstel- len? Können sich frühere Ange- stellte immer noch einloggen? Wie sind sensible Bereiche geschützt? Welche „Verantwortung“ wird der KI übertragen? Im Februar löschte zum Bei- spiel ein interner KI-Agent bei Meta („Facebook“) trotz etlicher Absiche- rungen und vergeblichen Versu- chen, ihn zu stoppen, fast das kom- plette E-Mail-Postfach einer Sicherheitsforscherin. Später „entschuldigte“ er sich dafür. Im März be- folgte ein Meta-Mitarbeiter falsche Anweisungen ei- nes weiteren Bots: Prompt lagen sensible Daten zwei Stunden lang ungeschützt offen. Gefahren eindämmen Auch um Compliance-Verstöße zu vermeiden (siehe Seite 52), sollten Betriebe eine Reihe von Sicherheits- regeln befolgen. So wie imChocover- sum, Hamburgs interaktiver Erleb- niswelt für Schokolade in der Alt- stadt, wo sich 110 Mitarbeitende um rund 220 000 Gäste pro Jahr küm- mern. KI-Anwendungen laufen hier vor allem imBackoffice, beimErstel- len von Werbeinhalten und dem Ticketverkauf. Kommunikations- chefinUlrikeAlbrecht hat sich schon früh ums Thema gekümmert: „Das Chocoversum hat ein vierköpfiges KI-Kompetenz-Teametabliert.Wirwissen, welcheAb- teilung gerade an welchen KI-Themen arbeitet. Jede Woche gibt es ein Meeting. Da geht es um neue Pro- jekte, Gefahrenabwehr und auch darum, welche Ge- setze kommen und was man dafür tun muss. Ein ver- nünftiger Umgang mit KI im Unternehmen bedeutet: regelmäßiger Austausch, Vertrauen und klare Abspra- chendarüber, was passiert, wenn etwas passiert.“ Wichtigste Regel für ein sicheres Implementie- ren von KI ist für Albrecht eine klar kommunizierte Vorgabe für die Nutzung der Technik: „Man sollte den Mitarbeitenden nicht sagen: Hier ist euer Zu- gang, und jetzt macht mal. Denn entweder trauen sich die Leute dann nicht ran, oder sie geben dort Sa- chen ein und verknüpfen interne Daten mit KI-An- wendungen, wo es dann eben gefährlich wird. Wich- tig ist eine gute Einführung und Schulung.“ Bei Nabil el Berr läuft KI nicht imBackoffice, son- dern steht im Zentrum des Geschäfts. Der Jurist ist Geschäftsführer der Indicium Technologies GmbH in Hamburg, deren KI-basierte Software Pre-Em- ployment-Checks durchführt – also Job-Interessierte etwa im Hinblick auf Qualifikatio- nen, das Geldwäschegesetz, Sank- tionsbestimmungen oder Terror- gefahren auf Herz und Nieren prüft. El Berr und sein Team haben es also mit hochsensiblen Daten zu tun, die sie mit größter Sorgfalt behandeln und maximal verschlüsseln. Und er ist überzeugt, dass KI-Tools genauer hinschauen und Menschen neutra- ler beurteilen, da sie nicht nach Sympathie entscheiden. Die größte Gefahr im Umgang mit sensiblen Da- ten sieht er nicht in der Technik: „Viel kritischer ist der Mensch selbst. Oft sind Dienstleister und Sub- Dienstleister das Problem. Du hast einen IT-Fach- mann in Polen, und der hat einen freien Mitarbeiter, der vorgibt, in Polen zu sein, aber tatsächlich in Weißrussland ansässig ist.“ Nach einem Hack seien dann alle Daten verfügbar „und ich werde von Ran- somware erpresst“. Das Problemsei selten die Haupt- firma: „Das Risiko nimmt mit jeder Subunternehmer-Stufe zu, die Si- cherheitsstandards hingegen ab. Wenn alle Ebenen die gleichen Zu- griffsrechte haben, ist das Risiko vorprogrammiert.“ Cyberattacken und KI-Gefahren werdenwohl auch in Zukunft die Ge- schäftsrisiko-Rankings anführen. In der Gefahrenabwehr liegt aber auch eine Chance. Dirk Mayer ist Head of Anti-Fraud Consultants bei Risk. Ident, einer Hamburger Firma, die sich auf Online-Be- trugsprävention spezialisiert hat. ImWettrennen von Datenkriminalität und -sicherheit glaubt Mayer mit- telfristig an eine deutliche Verbesserung der Situa- tion, etwa durch die voraussichtlich ab Anfang/Mitte 2028 geltende Payment Services Regulation (PSR) der EU: „Sie bietet für Finanzdienstleister viele Verbesse- rungen zur Prüfung und zum Datenaustausch. Das wird mittelfristig auf andere Branchen ausstrahlen“, so der Spezialist. Er betont, Betrugsprävention habe bereits imEUAI Act eine Sonderstellung: „Wir dürfen mehr und einfacher mit KIs arbeiten als andere Berei- che. Die EU-ID kommt, elektronische Identifizierung wird immer besser angenommen.“ Dennoch, so Mayer, werden noch „risikoreiche“ Jahre vergehen, bis sich eine stabile Sicherheits- architektur im Netz unter KI-Bedingungen etabliert hat. Firmen wie Risk.Ident, die in der HafenCity mit derzeit 80 Mitarbeitenden Kunden beraten, dürften also noch eine ganzeWeile gefragt sein. Ulrike Albrecht, Kommunikations- che n bei Chocoversum WWW.HANDELSKAMMER-HAMBURG.DE 57 DATEN SICHERHEIT . - .

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI2ODAz