AUGUST/SEPTEMBER 2026

Mark Klein, Chief Digital O cer der ERGO Group Johannes Rath, Vorstand im Ressort Kunde, Service und Transformation bei SIGNAL IDUNA TORSTEN MEISE Mitarbeit: KYRA MEISE Kundschaft. Vor dem Gespräch mit einer Versiche- rung wenden sich immer mehr KI-affine Interessierte an einen Chatbot mit der Bitte, Angebote zu verglei- chen und Dossiers zu erstellen. Und immer mehr Per- sonen versuchen leider auch, sich etwa mit KI-gene- rierten Bildern von defekten Gegenständen Versiche- rungsleistungen zu ergaunern. „Wir erleben in demBereich gerade ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel“, berichtet Linus Kameni. Der 27-Jährige ist einer von drei Gründern des Hambur- ger Start-ups VAARHAFT. Die KI-basierte Technolo- gie des Unternehmens bewahrt Versicherungen oder Medien davor, auf gefälschte Bilder hereinzufallen. Die Software ist bereits bei vielen Unternehmen di- rekt in die automatisierten Prozesse eingebunden. Ohne einen solchen Schutz, so Kameni, würde man Betrügern Tür und Tor öffnen. Schließlich seien foto- realistische KI-Bilder mittlerweile ohne viel Auf- wand herzustellen. Trotz dieser Gefahr wird der Siegeszug der Auto- matisierung weitergehen. So wickelt die in Hamburg beheimatete HanseMerkur nach eigenen Angaben bereits 80 Prozent der Schadensfälle in der Kranken- versicherung dank KI vollautomatisch ab – eine Zahl, die deutlich über dem Branchendurchschnitt von etwa einem Drittel liegt. Auch in anderen Bereichen setzt HanseMerkur auf KI – bei Tierversicherungen etwa sortiert und prüft sie die sehr komplexen und heterogenen Angaben in den Arztrechnungen. Personalabbau und neue Jobs Die Effizienzgewinne, die die Versicherungsbranche durch Künstliche Intelligenz erzielen wird, schlagen sich bereits heute im Abbau von Arbeitsplätzen nie- der. AllianzPartners, eine Tochter des Branchenpri- mus Allianz, kündigte schon im vergangenen Jahr an, 1500 Jobs zu streichen und durch KI zu ersetzen. ERGO und zahlreiche andere Unternehmen der Branche gehen einen ähnlichenWeg. Dabei lösen sie auch ein gemeinsames Problem: Ihre Belegschaften sind im Schnitt überaltert. Rund 40 Prozent der Beschäftigten in der Versicherungs- industrie sind heute über 50 Jahre alt, viele werden in den kommenden Jahren in Rente gehen. Neuein- stellungen gibt es dann kaum noch, allenfalls in den Technik-Ressorts. Ausgedient haben Fachkräfte in den Versiche- rungen damit allerdings nicht – zumal einige Versi- cherungsprodukte bis heute nicht wirklich im On- line-Vertrieb angekommen sind. Während einfache Produkte wie Hausrat oder Haftpflicht oft per Maus- klick abgeschlossen werden, zählt bei anderen im- mer noch die individuelle persönliche Beratung. Rund 80 Prozent aller Versicherungsverträge in Deutschland werden mit persönlicher Unterstüt- zung abgeschlossen, sagen die Zahlen, die der Ge- samtverband der Deutschen Versicherungswirt- schaft (GDV) zuletzt veröffentlichte. Vor allem be- ratungsintensive Produkte wie Lebens- und Kran- kenvollversicherungen werden fast ausschließlich im persönlichen Gespräch vermittelt. Hier liegt der digitale Anteil nur bei rund drei Prozent. In einer Studie aus dem Jahr 2025 prognostizierte die Beratungsgesellschaft McKin- sey eine Entwicklung der klas- sischen Vertriebsmitarbeiter zu „hybriden Beratern“: eine neue Rolle, die menschliche Kompetenz mit der analyti- schen Kraft der KI kombiniert. Agentische KI übernimmt zeit- aufwendige Routineaufgaben, Vertrieblerinnen und Ver- triebler können sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. KI-Plattform mit Experimentier-Potenzial Wie die Zusammenarbeit mit dem „Kollegen KI“ in der Praxis funktioniert, testen bereits vieleMitarbei- tende des Hamburg-Dortmunder Versicherungs- und Finanzdienstleistungskonzerns SIGNAL IDUNA. Bereits im Herbst 2025 wurde der gesamten Beleg- schaft –mehr als 10 000 Personen – eine KI-Plattform zur Verfügung gestellt. „Künst- liche Intelligenz ist für uns kein isoliertes Technologie- projekt, sondern ein fester Be- standteil des Arbeitsalltags. Mehr als 70 Prozent nutzen sie schon regelmäßig“, erläutert Johannes Rath, Vorstand für Kunde, Service und Transfor- mation der Gruppe. 87 Prozent der Angestell- ten von SIGNAL IDUNA geben an, frei mit KI im Rahmen ih- rer Arbeit zu experimentieren. „Deshalb haben wir nun im vergangenen Mai in der zweiten Phase unseren ‚Agent Designer‘ für alle Mitarbeitenden freigeschal- tet“, so Rath. Mit diesemWerkzeug können sie eigene Ideen umsetzen. Mehr als 1000 Agenten haben die Mitarbeitenden bereits entworfen, davon werden derzeit über 300 aktiv im Alltag genutzt und profes- sionell weiterentwickelt. WWW.HANDELSKAMMER-HAMBURG.DE 41 VERSICHERUNGS BRANCHE . - .

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