AUGUST/SEPTEMBER 2026
Kunden, die sich darauf einlassen, technisch oft experimentier- freudiger sind. Das alles empfinde ich als so ermutigend, dass wir den KI-Assistenten unbedingt weiterentwickeln wollen. So viel zur Kundschaft. Wie reagiert Ihre Belegschaft auf die KI-Offensive? Wir haben sehr viele Menschen bei uns, die sich sehr begeis- tert mit den Möglichkeiten beschäftigen. Auch weil wir einen sehr breiten, möglichst niederschwelligen Zugang ermög- lichen. Schon als vor gut drei Jahren ChatGPT aufkam, haben wir eine konzerneigene Variante davon gelauncht, damit jeder bei uns im sicheren Umfeld prompten kann. Außerdem bieten wir umfassende Fort- und Weiterbildungen auf Personal- oder Führungsebene an. Unsere sogenannten AI-Ninjas, ein inter- nes Team aus engagierten Azubis, bringen KI-Know-how in die Organisation und unterstützen bei konkreten Fragen und Use Cases. Ein struktureller Erfahrungsaustausch sorgt mit dafür, dass alle Ebenen gesprächsfähig bleiben und das Thema ge- meinsam treiben. Natürlich sind nicht alle begeistert von KI, aber Angst davor spüre ich keine. Auch nicht bei Unternehmen, die eher aus der analogen Versandhaus-Ära kommen? Weil wir technologisch gerade wirklich einen Sprung machen, gibt es vor allemwahnsinnig viel Bedarf, gemeinsam zu lernen. Das betrifft uns alle gleichermaßen. Otto als eines unserer pro- gressivsten Konzepte ist hier sicher einer der Vorreiter und hat naturgemäß Forschungs- und Entwicklungskraft. Mit unserer eigenständigen Tech-Einheit One.O. können wir Tech-Themen nicht nur entwickeln und treiben, sondern haben auch Multi- plikatoren, dieWissen innerhalb des Konzerns verbreitern. Ich spüre positive Lernbereitschaft in diesem ungeheuer dynami- schen Prozess. Ein Prozess, der tief in der DNA des Distanzhandels steckt. Als Otto-Versand hat das Unternehmen ja schon 1949 den direkten Kundenkontakt technisch überbrückt. Das stimmt. Weil wir von Beginn an datengetriebenwaren, fällt die kulturelle Transformation zur KI bei uns womöglich leich- ter als bei stationären Händlern, wo IT eher ein Kassen- oder Warenwirtschaftssystem ist. Über EDV-gestützte Schnittstel- len haben wir praktisch schon immer mit unseren Kunden kommuniziert und wussten, wo sie wohnen, was sie brauchen, wie sie kaufen. Hat der Generationswechsel von Michael zu Benjamin Otto als Vorsitzender des Stiftungs- und Gesellschaftsrats nochmals einen Schub gebracht? Weil Dr. Michael Otto die Transformation zum E-Commerce frühzeitig vorangetrieben hat, ist die Organisation mit Wandel vertraut. Der von Michael und Benjamin Otto vor etwa zehn Jahren ins Leben gerufene Kulturwandel hat unsere Wand- lungsfähigkeit weiter gestärkt. Benjamin wird dies nun als Di- gital Mindmit seiner eigenenHandschrift weiter vorantreiben. Als Familienunternehmen denkt die Otto Group weiter in Ge- nerationen, also langfristig. Und das wird entlang der Vision Menschliche Aspekte von Führung lassen sich nicht durch KI ersetzen. HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 28
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