JUNI/JULI 2026
Krisen, Attacken, Blackouts: Hamburg übt Resilienz Wir leben in Zeiten des hybriden Krieges. Doch sind Hamburgs Unter- nehmen überhaupt auf Angriffe vorbereitet? Mit „Red Storm Business“ können sie ihre Handlungsfähigkeit prüfen. Privat- initiative Die Bundesregie- rung geht davon aus, dass Deutschland und die NATO spätes- tens 2029 ange- griffen werden könnten. Damit alle Menschen im Land wissen, was im Krisenfall zu tun ist, bündelt die im Herbst ver- gangenen Jahres gegründete Privatinitiative DEUTSCHLAND MACHT ALARM unter www. deutschland- macht-alarm.de staatliche Infor- mationsangebote und Checklisten zum Verhalten im Krisen-, Span- nungs- oder Kriegsfall sowie zu Warnsystemen an einem Ort. Beispiel für eine simulierte zivil- militärische Krisenübung: Während des Hafengeburtstages vor zwei Jahren wurde gezeigt, wie nach einer Havarie auf See die Zusam- menarbeit von Polizei, Bundeswehr, Feuerwehr, Wasser- schutzpolizei, THW, ADAC und DGzRS ablaufen kann. Storm Business“ (siehe Randspalte) findet im Kon- text der zivilmilitärischen Übung „Red Storm Charlie“ (24. bis 26. September) statt. Resilient gegen Krisen zu sein, bedeutet, in kon- kreten Szenarien zu denken. Im November 2024 sagte Oberstleutnant Jörn Plischke im Plenum der Handels- kammer: „70Prozent allerLastwagenaufDeutschlands Straßen werden von Osteuropäern bewegt. Wenn dort Krieg ist, wowerdendanndiese Leute sein?“ Der dama- lige Chef des Stabes des Landeskommandos Hamburg der Bundeswehr empfahl, pro 100 Mitarbeitende min- destens fünf zusätzliche Personen auszubilden, damit diese in der Lage sind, einen Lkw zu steuern. Plischkes Vortragwar einAufrüttler, demTaten folgten. Die Handelskammer entwickelte mit dem Bun- desamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophen- hilfe (BBK) einen strategischen Krisenvorsorgeplan für Unternehmen und schuf eine spezialisierte Stelle für Resilienz (siehe Randspalte). Regelmäßig fördert sie den Austausch zwischen Bundeswehr, Wirtschaft und Zivilgesellschaft durch Info-Veranstaltungen. Dr. Malte Heyne, Hauptgeschäftsführer der Han- delskammer, führte die Hamburger Finnland-Reise im April an. Er ist überzeugt davon, dass Resilienz nicht nur Vorbereitung auf den Ernstfall ist, sondern W as tun, wenn Drohnen auf dem Werks- gelände auftauchen?Wie reagiert die Logis- tik, wenn das Schienennetz angegriffen wird?MitSzenarieneiner fragilenSicherheitslagesetzt sichdiedeutscheBevölkerungseitzweibisdreiGenera- tionen kaum noch auseinander. Es herrschte ja Frie- den. Doch längst nehmen vermutlich von Russland ge- steuerte Attacken auf Infrastruktur und gesellschaft- licheStabilität des europäischenWestens stetig zu. Hamburg ist als Ziel doppelt interessant. Zum ei- nen ist die Hansestadt einer der bedeutendsten Logis- tik-Hubs Europas. Zumanderenwäre sie imFalle eines bewaffneten Konfliktes zentrale Drehscheibe für die Verlegung und Versorgung von NATO-Streitkräften. Damit wir uns als Gesellschaft schützen können, muss sich unser Mindset ändern. Die Reise einer Delegation der Handelskammer nach Finnland zeigte kürzlich, wie imnordöstlichstenNATO-Landmit insgesamt 1340 Kilometern Grenze zu Russland Politik, Militär, Wirt- schaft undBevölkerung aneinemStrang ziehen. Die Handelskammer bietet am 24. September Unternehmen die Möglichkeit, ihre Widerstands- fähigkeit gegen ein realistisches Krisen-Szenario zu testen. Die teilnehmenden Firmen werden Teil einer hamburgweiten Übung zur Krisenvorsorge. „Red HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 12 FOTOS: GEORG WENDT/DPA, GINA KÜHN, PRIVAT
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