Juni 2020

HAMBURGER WIRTSCHAFT 24 FOTO ISTOCK.COM PEKIC BRANCHEN REPORT EXISTENZGRÜNDUNG Jungunternehmer erhielten die Hamburger Corona Soforthilfe (HCS) meist zügig, häufig aber keine Kredite. Doch sie behelfen sich mit kreativen Ideen – und hoffen auf neue Hilfen. Gründer in Not – aber oft flexibel S eit Anfang 2018 wuchs der Online- Händler R&K Verpackungswelt GmbH sehr schnell, sagt Gründer Holger Kehr. Doch imApril brach der Um- satz mit Tragetaschen und Geschenkbo- xen um zwei Drittel ein. Das Start-up er- hielt 20000 Euro Soforthilfe, das half aber nur fürs Erste. Mit Unterstützung der Handelskammer versuchte Kehr, für In- vestitionen und Betriebsmittel den ERP- Gründerkredit bei der KfWzu beantragen – ohne Erfolg: „Wir hatten 2018 und 2019 keinen positiven Jahresabschluss.“ HILFE FÜR GRÜNDER Für Gründer fordert die Handelskammer: • Zugang zu Corona-Krediten. • Corona-Soforthilfe auch für Gründer, die nach dem 11. März 2020 starten wollten und denen Kredite bewilligt wurden. • Automatische Verlängerung der ersten Förderphase des Gründungszuschusses um drei Monate über die Arbeitsagentur. • „Kultur des Scheiterns“: Anpassung der Ra- tings/Scorings bei der Schufa/Kreditreform. HCS war „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt die Speditionskauffrau, die je- den Monat hohe Mautgebühren bezahlen muss. Zudem bekommt sie keine Corona- Kredite, „weil ich nicht mehr als zehnMit- arbeiter beschäftige und noch keine zwei Jahre amMarkt bin“. Als die Gastronomie geschlossen blieb, fielen bis zu 40 Prozent Umsatz weg. Trotzdem schickte sie ihre Fahrer nicht in Kurzarbeit: „Ihnen fehlt es eh schon hinten und vorne, weil sie weni- ger Spesen abrechnen können.“ Auf die Straße hat sich auch Lene Jür- gens gewagt, die seit Ende 2016 hausge- machte Leckereien in ihremUhlenhorster Café Avi anbietet. Ende März richtete sie einen Liefer- und Abholservice ein: „Wir haben viel Werbung auf Instagram und Facebook gemacht“, berichtet die Gründe- rin. In die umliegenden Stadtteile wird gratis geliefert, meist zu Fußoder per Rad. „Die Routenplanung war sehr auf- wendig“, sagt Jürgens. Doch es funktio- niere „ganz gut“, und für die HCS sei sie „sehr dankbar“. Heute bietet sie den Lie- ferservice weiter an – als Ausgleich für Umsatzrückgänge von 50Prozent imMärz und April. Denn derzeit darf sie drinnen nur ein Drittel und auf der Terrasse weni- ger als die Hälfte der Plätze belegen. „Um die Hygiene-Auflagen umzusetzen, haben wir geringere Einnahmen bei höheren Kosten, etwa für Desinfektionsmittel.“ Der Lieferservice-Boom durch Co- rona hat übrigens auch Kehr auf eine weitere Geschäftsidee gebracht: „In eini- gen Wochen wollen wir mit Lebensmit- tel-Verpackungen auf denMarkt.“ KERSTIN KLOSS redaktion@hamburger-wirtschaft.de Also erweiterte der pfiffige Gründer sein Angebot und entwickelte die Marke Stoff-Maske.com. Trotz des Erfolgs des Maskenverkaufs hofft er auf das Ende Ap- ril erlassene „Zwei-Milliarden-Euro-Maß- nahmenpaket“, das gezielt Start-ups mit zukunftsfähigem Geschäftsmodell för- dern soll – etwa mit Wagniskapitalfonds und zusätzlichen öffentlichenMitteln. Denn die Lage ist für viele Start-ups katastrophal: Ende März sahen mehr als 80 Prozent von über 1000 Befragten ihre Existenz durch Corona bedroht, so eine Umfrage des Bundesverbands Deutscher Startups e.V. „Leider erreichen die zuge- sagten Fördermittel bislang nur in einge- schränktemMaße Gründer und Jungun- ternehmen“, sagt Doreen Hotze, Leiterin des Gründungszentrums der Handels- kammer. Außerdem fallen viele Gründer durchs Raster der Hilfsprogramme. Auch für Karen Röpstorff ist die Lage sehr schwierig. Seit 2018 bietet sie mit in- zwischen sechs eigenen Lkw etwa Kühl- transporte für die Gastronomie an. Die zuletzt: 39,1 Geschäftsklima bei kleinen Unternehmen Indexwerte (Punktezwischen0und200) 150 100 50 0 I /2009 I /2010 I /2011 I /2012 I /2013 I /2014 I /2015 I /2016 I /2017 I /2018 I /2019 I /2020

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