Juni 2020

WWW.HK24.DE 23 FOTO BÖAG BÖRSEN AG FINANZWIRTSCHAFT Das Virus hat auch die Finanz- welt aufgewirbelt. Die Branche hält dagegen und bündelt ihre Kräfte, um die Wirtschaft zu stabilisieren. BRANCHEN REPORT Finanzbranche im Corona-Modus F inanzmärkte werden als Fieber- thermometer der Wirtschaft be- zeichnet: Krisen und Unsicherhei- ten zeigen sich hier mit besonderer Dramatik. Und dramatisch waren die Börsenbewegungen infolge des Lock- downs allemal: Der Deutsche Aktienin- dex (DAX) stürzte mit 32 Prozent in nur dreiWochen so rasant abwie noch nie seit seiner Auflage 1987. In Hamburg schnell- ten die Handelsvolumina zeitweise bis auf das Zehnfache normaler Tage. „Das brachte die Systeme dicht an ihre Gren- zen und uns außerordentlich lange und intensive Schichten“, sagt Oliver Wete- kamp, Leiter Fondshandel bei der mwb fairtradeWertpapierhandelsbank AG. Zur allgemeinen Beruhigung tragen heftige Kursentwicklungen nicht bei. Doch gerade in Finanzfragen ist Panik kein guter Ratgeber und sollte auf jeden Fall vermieden werden. Dafür ist eine sta- bile Finanzbranche essenziell. „Ein funk- tionsfähiger Zahlungsverkehr und die Si- cherung von Liquidität gehören zu den absolut unverzichtbaren Leistungen einer Volkswirtschaft, auch und gerade in Kri- senzeiten“, erläutert Dr. Harald Vogelsang, Chef der Hamburger Sparkasse und Vor- sitzender des Finanzplatz Hamburg e.V. TREIBENDE KRAFT Mit rund 50000 Beschäftigten ist die Fi- nanzwirtschaft eine treibende Kraft in der Metropolregion Hamburg. Von Banken über Versicherer und Versicherungsmakler bis zu hoch spezialisierten Dienstleistern und Fintechs finden hier alle eine gute Infrastruktur, qualifizierte Fachkräfte, ein ausgezeichnetes Umfeld für ihre Mitarbeiter sowie ein großes Kundenpotenzial. Mehr Informationen finden Sie unter www.hk24.de/finanzwirtschaft und www.finanzplatz-hamburg.com „Die Kundenfrequenz ist enorm zurück- gegangen“, berichtet Jan-C. Garmatz, Vor- sitzender des Bundesverbandes Deut- scher Versicherungskaufleute (BVK) in Hamburg und Inhaber einer AXA-Gene- ralagentur. „Etliche Vermittler haben ihre Büros freiwillig geschlossen und temporär ganz auf digitalen Vertrieb und Beratung umgestellt.“Wie in vielen Bran- chen wirkt die Krise hier als Digitalisie- rungs-Turbo. Das Einhalten der Hygienemaßnah- men stellte die Vermittlerbüros zu der Zeit, als Desinfektionsmittel oder „Spuckschutzwände“ nicht oder nur extrem teuer lieferbar waren, vor große Herausforderungen. Auch die Marktlage änderte sich schnell: „Während Privat- kunden eine abwartende Haltung haben“, sagt Garmatz, „dominiert bei Gewerbe- kunden kurzfristiger Beratungsbedarf zu konkreten Anliegen: Sind Online-Aktivi- täten abgesichert? Oder gibt es ein Entge- genkommen der Kfz-Versicherung bei stehender Dienstwagenflotte?“ An der Börse hat sich das Geschäft erst einmal normalisiert. „Man fragt sich jetzt, wie es weitergeht, und hält sich zu- rück“, so Wetekamp. Ihn freut, dass gerade in der Krise auch Privatanlegermit teils sehr kleinen Orders Positionen auf- bauen und auf den Aufschwung setzen. JÖRN LE CERF joern.lecerf@hk24.de Daher sind damit betraute Bankmitarbei- ter vom strengen Lockdown ausgenom- men, weil sie als systemrelevant gelten. Als neue Herausforderung kommt die Durchleitung öffentlicher Hilfspro- gramme in Zusammenarbeit mit der Hamburgischen Investitions- und För- derbank (IFB) und der KfW an Zehntau- sende von Unternehmenskunden hinzu. Gemeinsam mit Finanzsenator Dr. An- dreas Dressel haben sich Harald Vogel- sang und andere Spitzenvertreter der Hamburger Finanzwirtschaft auf einen Schulterschluss verständigt, um die Unternehmen und Selbstständigen best- möglich zu unterstützen, etwa durch Anpassen von Kreditlimits, Aussetzung von Ratenzahlungen oder Unterstützung bei der Beantragung von Soforthilfe. Bis Mitte Mai hat die IFB rund 400Millionen Euro Soforthilfe ausbezahlt. Mit ganz anderen Herausforderun- gen konfrontiert waren die rund 3800 Versicherungsvermittler in Hamburg. zuletzt: 51,5 Geschäftsklima bei Kreditinstituten Indexwerte (Punkte zwischen 0 und 200) I /2008 I /2009 I /2010 I /2011 I /2012 I /2013 I /2014 I /2015 I /2016 I /2017 I /2018 I /2019 I /2020 150 100 50 0

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