Juni 2020

HAMBURGER WIRTSCHAFT 22 FOTO ISTOCK.COM PEOPLEIMAGES GESUNDHEITSWIRTSCHAFT Fußpflege ist wieder möglich, aber Gesundheits- beratung für Senioren geht derzeit nur telefonisch – und Krankenhäuser zahlen drauf. Auch für Menschen im Homeoffice ist die Lage sehr belastend. stationäre Covid-19-Fälle, davon 34 auf Intensivstationen. Wegen verschobener Operationen brechen Asklepios Erlöse weg. Zwar gibt es pro Tag und Bett eine Freihaltepauschale von 560 Euro, aber „in Summe zahlen die Krankenhäuser drauf“, so Knopp. Das Hilfspaket habe schnell ge- holfen, sei mittelfristig aber nicht tragfä- hig: „Wir brauchen klare Regelungen zum Wiederhochfahren des Betriebs.“ Schwierig ist die Lage auch für Ange- stellte im Homeoffice. Dorothee Giffey, Geschäftsführerin beimBeratungsunter- nehmen BGM konkret, das psychische Belastungen beurteilt, beobachtet „eine leichte Verwahrlosung“ und „depressive Tendenzen“: „Menschen brauchen Kon- takt, um gesund und motiviert zu sein.“ Aus Corona könne man aber lernen, dass vieles auch anders funktioniert. So sieht sich etwa Fußpflegerin Freßdorf darin be- stärkt, stärker auf Kosmetik zu setzen – undweiter online Produkte zu verkaufen. BRANCHEN REPORT Kampf gegen das Virus KERSTIN KLOSS redaktion@hamburger-wirtschaft.de barschaftsfrühstücken – „im Schnitt mit 10 bis 15 Senioren“. Die Pause dieses Angebotes bedauert Thomas Flotow, Sprecher der Geschäftsführung bei Pflegen & Wohnen Hamburg. Statt- dessen wurde die telefonische Erreich- barkeit flexibel ausgeweitet. „Die Senio- ren imQuartier wissen, dass wir da sind“, so Jürgensen. Auch über digitale Info- Cafés werde nachgedacht. „Im Sommer vielleicht draußen mit Abstand und Mundschutz auchwieder persönlich.“ Die Gesundheitswirtschaft in Ham- burg umfasst über 6000 Betriebe mit fast 76000 Beschäftigten. Birgit Schweeberg, Leiterin des Gesundheitsclusters der Handelskammer, freut die Solidarität: „Beiersdorf hat in einem Tag 1000 Liter Desinfektionsmittel bereitgestellt.“ Die Beschaffung dieser Mittel und von Schutzausrüstung beschäftigt auch den Klinikkonzern Asklepios seit Wo- chen. Laut Dr. Ulrich Knopp, Geschäfts- führender Direktor bei Asklepios Klinik Nord, mussten die Kliniken „extrem haus- halten“. In der Hochphase verzeichneten die sieben Akutkliniken in Hamburg 100 F ür Nicole Freßdorf war es ein Schock, als sie ihr Kosmetikinsti- tut in Bergedorf wegen Corona schließen musste. Die Fußpflegerin hilft bei Hühneraugen und eingewachsenen Nägeln – das kann nicht wochenlang war- ten. Kunden fuhren zwischenzeitlich so- gar nach Reinbek, wo Pediküre seit An- fang Mai wieder erlaubt war. Entspre- chend groß war die Freude, als sie ihr Studio am 13. Mai wieder öffnen durfte. Die Kosmetikerin berücksichtigt ohnehin Hygienestandards, die, wie sie sagt, „höher als bei Friseuren“ sind. Sie arbeite niemals ohne Mundschutz oder Gesichtsschutzschild und Handschuhe. Behandlungsstuhl und Instrumente würden selbstverständlich jedes Mal desinfiziert. Freßdorfs Corona-Hygiene- konzept inklusive Spuckschutz am Tre- senwar frühzeitig startklar. Auch Ivonne-Nadine Jürgensenmuss- te ihr Beratungsangebot umstellen. Zuvor war die wissenschaftliche Mitarbeiterin der HAWHamburg imForschungsprojekt „Aktive undGesundeQuartiere“ (AGQua) jeden Dienstag im Uhlenhorster Quar- tiersbüro beim Projektpartner Pflegen & WohnenHamburg vor Ort, etwa bei Nach- IDEENPLATTFORM Das eHealth-Netzwerk Hamburg der Gesund- heitswirtschaft Hamburg GmbH hat eine Covid- 19-Ideenplattform eingerichtet und lädt Akteure der Hamburger Gesundheitswirtschaft dazu ein, Teil dieser Gruppe zu werden. Stephan Rohde, Projekt- und Clustermanager bei Gesundheitswirtschaft Hamburg, erklärt: „Diese Gruppe bietet ein Forum zumAustausch von Ideen zur Bewältigung der aktuellen Situa- tion. Hier können Sie Ihre Ideen präsentieren, Kooperationspartner suchen/finden und Lösun- gen gemeinsam umsetzen.“ Das Projekt eHealth-Netzwerk Hamburg wird gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und die Stadt Hamburg. Registrierung: gwhh-intranet.de/ user/register zuletzt: 53,3 Geschäftsklima in der Gesundheitswirtschaft Indexwerte (Punktezwischen0und200) 150 100 50 0 I/2009 I/2010 I/2011 I/2012 I/2013 I/2014 I/2015 I/2016 I/2017 I/2018 I/2019 I/2020

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