AUGUST/SEPTEMBER 2026
Kennzahlen Gut 100 000 Menschen arbei ten in der Ham burger Kreativ wirtschaft, davon rund 31 000 als Selbstständige. Das Ökosystem gliedert sich in elf Teilbranchen: Mu sikund Filmwirt schaft, Presse und Rundfunk, Buch markt, Design, Ar chitektur, Kunst und darstellende Künste, Werbung sowie Software und GamesIndus trie. Gemeinsam erwirtschafteten sie in Hamburg im Jahr 2023 rund 11,9 Milliarden Euro Umsatz. Mit 3,1 Milliarden Euro ist dabei der Bereich Software und Games der um satzstärkste Teil markt. Jedes siebte Unterneh men in Hamburg gehört zur Kreativ wirtschaft. Synthesizer, PC, KI – und viele Ideen: Eike Swoboda (li.) realisierte „Blurred Horizon“ in seiner Wohnung in Ottensen. Die Stimmen der Haupt gur und des Roboters kommen aber von realen Menschen. Auf dem German Creative Economy Summit tri t sich seit 2024 jährlich die Kreativbranche in Hamburg. Werbespots in ihr Portfolio aufgenommen. Auch wenn er zum Beispiel mit NeoCinema in Los Angeles komplett ortsunabhängig arbeitet, ist ihm der Aus- tausch mit der Kreativbranche in Hamburg zur In- spirationweiterhinwichtig. Einen solchen Austausch bot Anfang Juni auch der Mediendialog Hamburg 2026, der dem Thema KI gewidmet war. 400 Gäste aus dem Kreativsektor dis- kutierten Fragen um Ethik, Regulierung und die Ge- staltungsmacht in Europa. „Die Entwicklung der KI stellt nicht nur die Medien- und Kreativwirtschaft, sondern die Gesellschaft insgesamt und das politi- sche System rechtsstaatlicher Demokratien vor neue Aufgaben, die wir mit Verantwortungsbewusstsein und Handlungsbereit- schaft angehen müssen“, erklärte Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher, der mit Mediensenator Dr. Carsten Brosda zu dem Event geladen hatte. Wie Egbert Rühl aus- führt, kann die Hamburger Kreativwirtschaft in Sa- chen KI aber auch wichtige Impulse für andere Bran- chen liefern – und eine Reihe von Botschaften ver- mitteln. Etwa: Sich möglichst früh und schnell mit neuer Technologie befassen und Geschäftsmodelle permanent anpassen. Kooperativ auch mit Mitbe- werbenden zusammenarbeiten, weil viele Unterneh- men zu klein sind, um individuelle Lösungen zu schaffen. Und vor allem: „Über den Tellerrand hin- ausschauen, umsich davon inspirieren zu lassen, wie andere Unternehmen, Akteurinnen und Akteure mit KI umgehen.“ Bereits 2025 bot die Interessenvertretung Hamburg Music Business, die rund 160 Unternehmen vertritt, ein umfassendes KI-Training für die Branche an – von Multimediaproduktion bis Datenanalyse. Vom 16. bis 19. September wird das Branchen- treffen Reeperbahn Festival Conference Tech- und KI-Expertise nach Hamburg bringen – auch über eine Kooperation mit der Innovationskonferenz Mu- sic Frontiers. Im Fokus liegen hier Fragen wie: Wel- chen Einfluss hat KI auf Musik? Welche Möglichkei- ten lassen sich in angeschlossenen Medienmärkten wie Games und Filmerschließen, aber auch in Indus- trienwie Automotive undHealthcare? Große Chancen Das neue Potenzial von KI nutzt etwa der Hamburger Regisseur Eike Swoboda. Für das Hollywood-Studio NeoCinema hat er mit KI den Kurzfilm „Blurred Ho- rizon – Expiration Day“ als erste Folge einer Science- Fiction-Serie produziert. Statt an einem personal- und preisintensiven Film- set arbeitet er zu Hause in Altona am Rechner. Swo- boda besitzt langjährige Expertise im Film sowie als Cutter und Musiker. „Mein Vorsprung ist nicht das Tool-Wissen allein, sondern vor allem die Regie-Er- fahrung dahinter: Ich bin ein Regisseur, der mit KI arbeitet – nicht umgekehrt.“ Seine KI-Spezialisierung macht ihn für Auftrag- gebende interessant. „Ich arbeite gerade an meinem ersten größeren Filmprojekt mit einer Produktion aus Berlin.“ Und die internationale Filmproduktion CZAR, die unter anderem Büros in Brüssel, Berlin und Hamburg betreibt, hat ihn als Regisseur für KI- BIRGIT REUTHER HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 44 FOTOS: KATJA RUGE, WWW.ESFILM.NET, BRUNA GUERRA/HAMBURG KREATIV GESELLSCHAFT KREATIV WIRTSCHAFT
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MjI2ODAz