AUGUST/SEPTEMBER 2026

Kaum ein Handelsgewerbe ist für die Nutzung künstlicher Intelligenz besser geeignet als der Online-Handel. Petra Scharner-Wolff, CEO der Otto Group, über Chancen und Verantwortung in Bezug auf KI. PETRA SCHARNER- WOLFF, Jahrgang 1971, ist seit 27 Jahren bei der Otto Group tätig, elf davon im Vorstand. An des- sen Spitze folgte die Diplom-Kauf- frau im März 2025 auf Alexander Bir- ken, der nach acht Jahren zum Auf- sichtsrat wechsel- te, wo er Dr. Mi- chael Otto als Vor- sitzenden ablöste. Bis 2015 war Petra Scharner-Wolff im Konzern unter an- derem für Perso- nal, Steuerung und IT verantwortlich. Unter ihrer Leitung stabilisierte die Otto Group den Erlös in einer kom- plizierten Markt- situation. Im Ge- schäftsjahr 2025/ 26 sank der Um- satz leicht (von 14,9 auf 13,8 Mil- liarden Euro), der Gewinn vor Steu- ern und Zinsen erhöhte sich aber von 276 auf 641 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss betrug 312 Millio- nen Euro (Vorjahr: 165 Millionen Euro). Die OTTO GROUP wurde 1949 als Werner Otto Ver- sandhandel in Schnelsen gegrün- det. Mit mehr als 30 000 Mitarbei- tenden – fast ein Drittel davon im Ausland – zählt die Gruppe mit Sitz in Bramfeld zu den größten Online- Händlern der Welt. Nach erfolgrei- cher Umstellung auf E-Commerce will sie mithilfe ih- res strategischen Partners Google zum Vorreiter des KI-gesteuerten Agentic Com- merce werden. Frau Scharner-Wolff, was wollten Sie zuletzt von einem Chatbot wissen? Petra Scharner-Wolff : Allein heute bereits einiges. Besonders interessant war der Prompt einer Kolle- gin, in dem ich vorige Woche anhand von schriftli- cher Kommunikation zehn Handlungsempfehlun- gen abgefragt habe, wie sich Führungsverhalten und Selbstwirksamkeit bei mir verbessern ließen. Wir haben das imgesamtenVorstandsteamgemacht und waren beeindruckt, weil die Vorschläge zwar nicht perfekt, aber auch nicht völlig verquer waren. Wessen Alltag bestimmt die KI mehr: Ihren oder den der Otto Group? Den der Otto Group. Weil es sowohl in den Kunden- kontakten als auch in Arbeitsprozessen viele Berei- che gibt, in denen künstliche Intelligenz wirklich wirksam, also nutzbar ist. Kürzlich haben wir bei der Otto-Plattform und bei unserem sehr erfolgrei- chen US-Einrichtungsunternehmen Crate and Bar- rel KI-Assistenten gelauncht. Dieser Anwendungs- fall hat uns mit Blick auf unsere Kunden gezeigt, dass KI nachweislich ein anderes Level der Bera- tungsleistung ermöglicht, die es so bislang nur im Fachhandel gab. Ebenso schaffen wir ein neues Ni- veau der Bildgenerierung, Artikelbeschreibung und Qualitätssicherung. Bemerkenswert ist, wie stark sich auch die internen Prozesse verändert haben. Ein ungewöhnliches Experiment betrifft Sie und die Group gemeinsam: Im März haben Sie eine digitale Doppelgängerin von sich installiert. Welche Aufgaben übernimmt die? Sie verbessert meinen Blick auf die Wettbewerbs- arena. Meine Doppelgängerin screent den Markt aus Technologieperspektive, filtert dessen Signa- le und übersetzt beides in Handlungsempfehlun- gen für einzelne Firmen. Die ersten zwei Punkte funktionieren bereits super. Letzteres ist noch nicht da, wo ich gerne schon wäre. Wir befinden uns noch in der Experimentierphase, aber schon jetzt könnte ich mithilfe dieses Agenten Meetings vorbereiten oder als nächsten Schritt auch Hin- tergrundinformationen analysieren lassen. Das versetzt uns in die Lage, Daten besser zu kuratie- ren und noch schneller in die Entscheidungsfin- dung einzusteigen. Die menschlichen Aspekte Ihrer Führung blei- ben mittelfristig von KI unangetastet? PERSÖNLICH PETRA SCHARNER-WOLFF

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