JUNI/JULI 2026

BIRGIT REUTHER Kicken mit Augenbinde: UmWahrnehmung und Zusammenhalt von Teams zu ver- bessern, bietet PLAN MENSCH mit dem FC St. Pauli ein Blindenfußballtraining an. Den Rahmen bilden verschiedene Workshops, etwa zu Inklusion. mittelhandel, etwa Rewe und Edeka, übernimmt so- ziale Verantwortung, indem er überschüssige Ware zur Verfügung stellt. Der Prozess spart zudem Res- sourcen, da das Essen nicht imMüll landet. Soziale Verantwortung als Wirtschaftsfaktor Bei zahlreichen Firmen sind soziale Nachhaltigkeits- aspekte zum direkten Teil des Geschäftsmodells ge- worden. So etwa beimRidepooling-ServiceMOIA. Die Volkswagen-Tochter setzt auf Inklusion und hat 2023 in Hamburg 15 barrierefreie Fahrzeuge in ihre Flotte integriert. „Gesellschaftliche Teilhabe für alle Men- schen ist eng mit den Mobilitätsoptionen verknüpft“, sagt MOIA-CEO Sascha Meyer. „Wir freuen uns, mit unserem Angebot Menschen mit Behinderung auf ihren täglichenWegen zu unterstützen.“ Wer als Unternehmen handlungsfähig bleiben möchte, muss sich nach Ansicht von Daniela Gronau sozial und nachhaltig aufstellen. Die Marketing-Ex- pertin hat 2017 ihre Firma PLANMENSCH gegründet und sich auf Schulungen zu Diversity sowie interkul- turelle Kompetenz spezialisiert – für Unternehmen wie die OTTOGroup, aber auch für kleinere Betriebe. In ihren Trainings zu Organisations- und Team- entwicklung liegt der Fokus zwar häufig auf Mitar- beitenden unterschiedlicher Landesherkunft. Doch letztlich richtet sie ihre Coachings daran aus, dass sich Belegschaften immer durch Vielfalt auszeich- nen. Dass also Menschen zusammenkommen, die sich etwa in Alter, geschlechtlicher Identität oder gesellschaftlichemBackground unterscheiden. „Fakt ist: Unsere Gesellschaft wird immer diverser“, sagt Gronau. „Es geht darum, dass die Mitarbeitenden möglichst klar und konstruktiv miteinander kom- munizieren. Sonst können sie nicht effizient zusam- menarbeiten.“ Um das Miteinander in Teams zu verbessern, bietet sie Blindenfußballtraining für Unternehmen an – in Kooperationmit dem FC St. Pauli Blindenfuß- ball. „Mit der Dunkelbrille um einen Sinn beraubt, funktioniert Zusammenarbeit nur noch über klare Kommunikation und Vertrauen“, erklärt Gronau. Ge- wohnte Rollen und Sicherheiten greifen nicht mehr. „Diese unmittelbare Erfahrung zeigt sehr deutlich, was Teams brauchen, um auch in komplexen Situa- tionen handlungsfähig zu bleiben.“ Gleichzeitig sensibilisiert das Erleben für Teil- habe und Gleichberechtigung. So beginnt soziale Nachhaltigkeit im Kleinen. Gronau betont, wie wich- tig dabei die Einstellung der Führungskräfte ist: „Wird Vielfalt zur Ressource oder zur Belastung? Darüber entscheidet die Unternehmenskultur.“ Engagement fürs Gemeinwohl KMU können in Hamburg eine breit aufgestellte In- frastruktur nutzen, um sich sozial zu engagieren. Ein niedrigschwelliger Start sind „Social Days“, bei denen die Belegschaft gemeinnützige Arbeit verrichtet. Die- ses „Corporate Volunteering“ („Freiwilligen-“ oder „Mitarbeiterengagement“) sensibilisiert für soziale Themen und bestärkt zugleich das Teambuilding. Bei Hanseatic Help zum Beispiel, dem Verein für Kleider- und Sachspenden, können Unternehmens- teams beim Sortieren und Verpacken helfen. Der Ar- beiter-Samariter-Bund (ASB) hingegen bietet unter anderem an, einsame ältere Menschen zu Hause und in Pflegeheimen zu besuchen und so Alterseinsam- keit entgegenzuwirken. Organisationen wie die Hamburger Tafel zeigen, wie wichtig die Verbindung von Gemeinnützigkeit undWirtschaft ist, umdie Stadtgesellschaft zu stabi- lisieren. Bei einer Armutsgefährdungsquote von rund 20 Prozent in Hamburg ist die Tafel ein wichti- ges Instrument zur Grundversorgung. Der Lebens- Im Hochschulwettbewerb „Hamburg! Handelt! Fair!“ ent- wickeln Studierende Nachhaltigkeitskonzepte für Firmen. HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 50 FOTOS: KATI JURISCHKA, PLAN MENSCH SOZIALE VERANTWORTUNG

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