Juni 2020

BLINDE ZEILE HAMBURGER WIRTSCHAFT 20 FOTO: ISTOCK.COM/VADIM VOLODIN Düstere Aussichten Das Corona-Virus bringt zahlreiche Branchen in massive Schwierigkeiten – das zeigt auch das aktuelle Konjunkturbarometer. Doch es gibt Hoffnung. D ie letzten Monate haben unseren Alltag wie selten zuvor verändert. Lange Wochen lag das öffentliche Leben brach, viele Unterneh- men mussten ihre Produktion herunterfahren oder ihre Aktivitäten zeitweilig ganz einstellen, für Büro- arbeiter wurde Homeoffice die neue Regel – und die Arbeitslosigkeit in Hamburg ist im April mit 7,3 Pro- zent auf den höchsten Stand seit zehn Jahren gestie- gen. Die Corona-Pandemie bremst die Hamburger Wirtschaft weit stärker aus als die Finanzkrise vor zwölf Jahren, und trotz der allmählichen Lockerun- gen bleiben die Aussichten in vielen Branchen düs- ter: Zahlreiche Betriebe fragen sich, wie sie die Umsatz- und Gewinneinbrüche der letzten Wochen wettmachen können – und neben der globalen Un- sicherheit zur Entwicklung der Pandemie bereitet auchdie schwindende Konsumfreude Sorgen. Stärkerer Einbruch als in der Finanzkrise Die Folgen von Corona zeigen sich auch deutlich im aktuellen Hamburger Konjunkturbarometer, das die Stimmung der einzelnen Branchen wiedergibt: www.hk24.de/konjunkturbarometer . In den ersten drei Aprilwochen – also nach Beginn des Lockdowns und dem Start der Corona-Soforthilfen – schätzten darin 711 Hamburger Unternehmen ihre aktuelle und zukünftige Lage ein. Und diese ist dramatisch: Fast jedes zweite der antwortenden Unternehmen (48,5 Prozent) bewertete seine Geschäftslage als „schlecht“, nur jedes achte (12,6 Prozent) als „gut“ – im letzten Quartal 2019 waren es noch 36 Prozent. Da ein Ende der weltweiten Pandemie nicht abseh- bar ist, sind auch die Geschäftserwartungen für die Zeit bis zum April 2021 düster: 81 Prozent der Betriebe gehen von einer „eher ungünstigeren“ Geschäftslage aus (Vorquartal: 22,4 Prozent). Der Geschäftsklimaindikator, der die Einschätzung der aktuellen und zukünftigen Lage auf einer Skala von 0 bis 200 widerspiegelt, fiel damit von 108,3 auf 38,6 Punkte – der niedrigste Wert seit Beginn der Kon- junkturbefragungen im Jahr 1971. Selbst in der Finanzkrise 2008/09 lag er noch bei 72,3 Punkten (erstes Quartal 2009). Als größte Risiken nannten die Unternehmen das Absinken der Inlandsnachfrage (71,9 Prozent), ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen (59,1 Prozent) und eine nachlassende Auslandsnach- frage (34,1 Prozent). Der noch Ende 2019 erwartete Beschäftigungszuwachs ist ebenfalls in weite Ferne gerückt. Nur noch 5,2Prozent derUnternehmen stre- ben eine höhere Beschäftigung in den nächsten Mo- natenan, 40,2Prozent rechnenmitwenigerMitarbei- tern. Auch die Investitionen im Inland gehen zurück: 59,2 Prozent der Betriebe werden voraussichtlich ihre Ausgaben dafür reduzieren. Trotz der Corona- Hilfen haben zudem 17,1 Prozent der Unternehmen Finanzschwierigkeiten (Vorquartal: 6,7 Prozent). Weitere Infos: www.hk24.de/kreditbarometer zuletzt: 38,6 Geschäftsklima in der Hamburger Wirtschaft Indexwerte (Punkte zwischen 0 und 200) I /2008 I /2009 I /2010 I /2011 I /2012 I /2013 I /2014 I /2015 I /2016 I /2017 I /2018 I /2019 I /2020 150 100 50 0

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