Juni 2020
HAMBURGER WIRTSCHAFT 14 PERSÖNLICH AUST & NISSEN-SCHMIDT Kaum hatte die neue Doppelspitze der Handelskammer ihr Amt angetreten, brach die Corona-Pandemie über sie herein. Im Gespräch mit der HW erklären Präses Norbert Aust und Vizepräses Astrid Nissen-Schmidt, wie sie die Herausforderungen meistern wollen – und welche Chancen sie in der Krise sehen. Die Corona-Krise hat die HamburgerWirtschaft im Griff. Können Sie sich in dieser ereignisrei- chen Zeit daran erinnern, wie Ihre ersten Tage aussahen? Astrid Nissen-Schmidt: Die ersten Tage haben wir genutzt, um die Menschen und die Abläufe in der Handelskammer kennenzulernen. Das war eigent- lich dasWichtigste, um ein Gespür für die Organisa- tion zu bekommen. Wie läuft das hier eigentlich? Wie sind die Prozesse?Wer macht was?Wir wollten uns zunächst reinfinden. Aber dann wurden wir ja sofort mit Corona konfrontiert. Wir hatten keine Chance, uns warmzulaufen, sondern mussten di- rekt loslegen. So war es ganz gut, dass wir hier den einen oder anderen schon kannten. NorbertAust :Wirwarensofortmittendrin. Ichkann ichmich andie erstenTage deshalb ehrlich gesagt gar nicht mehr so deutlich erinnern. Die Bereitschaft des neuen Plenums und des Hauptamtes, gemeinsam et- was zu bewirken, hat mich aber von Anfang an beein- druckt und sehr positiv bestärkt. Daraus ziehe ich auch jetzt die Freude anderArbeit inderKammer. Sie arbeiten als Doppelspitze. In welchen Punk- ten ergänzen Sie beide sich? Nissen-Schmidt: Nach den ersten Wochen würde ich sagen: Ich bin ungeduldiger als Norbert. Es geht mir vieles nicht schnell genug. Ich muss mich manchmal bremsen, weil einfach so viel auf den Weg zu bringen ist und ichmir auch viel vorgenom- men habe. Aust : Hier sitzen eine Wirtschaftsprüferin und ein Jurist. Einer, der schon deutlich älter ist und viel- leicht auch mehr Erfahrung mit eigenen Unterneh- men in verschiedenen Branchen hat. Astrid hat na- türlich eine ganz andere Sicht auf Unternehmen. Das ist ein großer Vorteil, wenn wir uns der Analyse dieses Hauses widmen, also vor allem dem Kassen- sturz. Wir ergänzen uns also sehr gut. In der Tat ist sehr schnell sehr viel über uns her- eingebrochen: die Krise nämlich. Wir waren ei- gentlich angetreten, die Kammer neu aufzubauen und uns vor allemmit inhaltlichen Themen zu be- schäftigen. ImMoment geht es aber immer primär um Troubleshooting – nicht intern, sondern we- gen der Situation in den Hamburger Unterneh- men. Es gibt ja diesen schönen, richtigen Spruch: „Krisenzeit ist Kammerzeit“. Die Handelskammer ist jetzt in besonderer Weise gefordert. Ich beob- achte, dass alle engagiert dabei sind, die Sorgen und Probleme der kleinen wie großen Unterneh- men in gleicher Weise aufzunehmen und sie rich- tig und gut zu betreuen. Das ist momentan unser Hauptziel, wenn auch ein anderes als das, was wir am Anfang hatten. Nur in der Offensive kann man Tore schießen.
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