Mai 2018
HAMBURGER WIRTSCHAFT 05 / 18 MACHER 22 E iskalte Schnauze“: Das steht nicht dafür, dass jemand beim Versuch zu gründen, „eiskalt auf die Schnauze gefallen ist“. Nein, ganz im Gegenteil. Es steht für eine vorbildliche Lösung eines bislang nach wie vor unterschätz- ten Problems: die spezifischen Hürden, mit denen grün- dungswillige Migranten konfrontiert sind. In diesem Fall ist es Fadi Friek, ein syrischer Christ, der bis 2010 für das Unternehmen des Scheichs von Dubai Eis- manufakturen und Eiscafés in den großen Shoppingmalls der Stadt betreute. Danach gründete er in seiner Heimat- stadt Aleppo zusammen mit seinem Bruder drei Eiscafés, zwei Restaurants und eine Bäckerei. Als der Bürgerkrieg nach Aleppo kam, wurden seine Betriebe geplündert und zerstört. Als Christ musste er sich verstecken. Er sah keinen anderen Ausweg als die Flucht und kam im Oktober 2014 nach einer kleinen Odyssee in Hamburg an. „Für mich war von vornherein klar, dass ich hier so schnell wie möglich weitermachen und in der Gesellschaft ankommen wollte. In Aleppo hatte ich schließlich alles ver- loren“, so Friek. Für ihn stand fest, dass er auch in Hamburg als Unternehmer sein Geld verdienen möchte. Er stieß je- doch schnell an seine Grenzen. „Ich sprach nicht ein Wort Deutsch. Behörden- und Bankgespräche alleine durchzufüh- ren, kam für mich daher nicht in Frage. Ich hatte eine Idee, wusste aber schlichtweg nicht, wie es losgehen sollte.“ Bei Friek kam der Hamburger Kulturmanager Ingo Ha- gemann ins Spiel, den er aus Dubai kannte. Die beiden taten sich kurzerhand zusammen und gründeten gemeinsam die Eismanufaktur „Eiskalte Schnauze“ imHamburger Stadtteil Geflüchtete, die auch in Deutschland wieder selbstständig sein wollen, haben in der Regel mit Hürden zu kämpfen. Ein Duo aus Hamburg hat eine kreative Lösung gefunden und mit dieser einen Maßstab gesetzt. FOTOS:STEFAN MALKORN Eiskalte Schnauze Menschen, die Hamburg bewegen MACHER Im Rahmen des Projekts „Yalla Business!“ unterstützt die Abteilung „Migrantische Unternehmen“ der Handels- kammer Hamburg im zweiten Halbjahr 2018 ganz gezielt migrantische Gründer. Das Projekt sieht vor, Migranten (inklusive geflüchteter Menschen), die ersten Schritte in Richtung Selbstständigkeit zu erleichtern. Was ist am Anfang zu tun? Wo und wie melde ich mein Unternehmen an? Wie schreibe ich einen Business-Plan? Was ist recht- lich zu beachten? Und wie blicke ich bei den Themen „Steuern“ und „Buchhaltung“ durch? Neben der Beant- wortung dieser zentralen Fragen simulieren die Teilneh- mer auch die ersten Schritte im Rahmen von Workshops. Interessierte können sich an Bahram Habib wenden: bahram.habib@hk24.de , Telefon 36138-689 Projekt Yalla Business! Fadi Friek aus Syrien (l.) und Ingo Hagemann aus Hamburg gründe- ten gemeinsam
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