APRIL/MAI 2025
Ist der Hamburger Hafen zukunftsfähig? Der Hafen ist effizient und modern Axel Mattern (59), Vorstand Hafen Hamburg Marketing e. V. Professionell, effizient, modern und ständig imWan- del – mit diesen Eigenschaften lässt sich der Ham- burger Hafen kurz und knapp beschreiben. Sie sind es auch, die ihn zukunftsfähig machen, und zwar in allen Bereichen des Universalhafens. Das Fundament, auf demder Hafen aufbaut, sind seine Unternehmen. Mit ihrer Innovationskraft und ihremTatendrang sind sie dabei, sich zumodernisie- ren. Damit einhergehen eine umfassende Digitalisie- rung und Automatisierung vieler Prozesse, was letzt- endlich auch der Nachhaltigkeit zugutekommt. Parallel dazu sind auch auf der politischen Ebene mit dem Hafenentwicklungsplan 2040 feste Eck- punkte für die Zukunftsfähigkeit des Hafens definiert worden, welche gleichzeitig ausreichend Spielraum für eineAnpassung innerhalbdieses Zeitraums bieten. Einer der Schwerpunkte ist hierbei die Transfor- mation des Hafens hin zu einem Energie-Hub. Damit wird der Hafen zu einem Motor der Energiewende werden. Mit dem Bau eines Elektrolyseurs ist man zudem in der Lage, Wasserstoff innerhalb der Hafen- flächen zu produzieren. Die Mengen werden dazu dienen, die Hansestadt, die Metropolregion und wei- tere Regionen zu versorgen. Hamburg und sein Hafen gelten als das größte zu- sammenhängende Industriegebiet Nordeuropas. Für dieses spielen funktionierende und kurze Logistik ketten eine entscheidende Rolle. Dass die Ladung „über Hamburg gehenwill“, zeigt der hohe Umschlags- anteil von fast 90 Prozent beladener Container. Insbe- sondere dieser wertschöpfende Bereich wächst seit Jahrenund sorgt hier für zunehmendeMarktanteile. Zukunftsfähig machen den Hamburger Hafen auch die exzellentenAnbindungen an das Hinterland. Denn Europas größter Eisenbahnhafen setzt auf den umweltfreundlichen Schienenverkehr, ein Aspekt, der in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnenwird. Der Hafen ist zu teuer Axel Kröger (60), Geschäftsführender Gesellschafter Konrad Zippel Spediteur GmbH & Co. KG Sofern die Politik nichts unternimmt, ist die Zukunft des Hamburger Hafens gefährdet. Seit Jahrenwächst der Containerumschlag in Rotterdam und Antwer- pen schneller als hier bei uns. Wir verlieren zuneh- mend an Wettbewerbsfähigkeit. Der Hafen ist inzwi- schen viel zu teuer geworden, was vor allem auf ge- stiegene Lohnkosten zurückzuführen ist. Wir brauchen daher mehr Automatisierung. Das wird auch kommen, das Personal wird weniger wer- den, nur dauert dieser Prozess sehr lange. Allerdings wartet in der Zwischenzeit niemand auf den Ham- burger Hafen. Hapag-Lloyd beispielsweise verlagert sich in großen Teilen nachWilhelmshaven. Der Zug ist das Verkehrsmittel der Zukunft, und unsere Stadt verfügt über den größten Eisenbahn hafen Europas. Ein einziger Zug ersetzt 40 Lkw. Doch bei steigenden Preisen wird es zunehmend schwieri- ger, die Schiene als Produkt zu verkaufen. Die Kun- den ziehen den günstigeren Lkw vor. Hamburg müsste mehr Flexibilität zeigen. Vor allem, was die Bürokratie und das Verkürzen von Wartezeiten betrifft. Zudem arbeitet der Hafen mit einem Slot-System. Zum Be- und Entladen verfügen wir über ein Zeitfenster von nur einer Stunde. Steht ein Lkw im Stau, ist der Slot anderweitig vergeben. Dieses Verfahrenmuss dringend geändert werden. Die Speditionen sollen dem Hafen Planungs sicherheit geben, indem sie Frachtmengen imVoraus schätzen – das können wir überhaupt nicht leisten. Zuweilen entsteht der Eindruck, die Politik habe den Hamburger Hafen nicht mehr richtig im Fokus. Für Speditionen und viele andere Dienstleister hängt da- von allerdings die Existenz ab. Doch bei aller Kritik: Unser Hafen hat großes Potenzial. Er könnte die Kurve noch kriegen, sofern er schnell und umfäng- lich reagiert und seine Aufmerksamkeit wieder stär- ker auf seine Kunden richtet. Als größter See hafen Deutsch lands ist der Ham burger Hafen eine tragende Säule sowohl der hiesi gen als auch der gesamten außen handelsorientier ten deutschen Wirtschaft. Die Sicherung seiner Zukunftsfähigkeit ist für die unmit telbar betroffenen Logistikunterneh men und den gesamten Wirt schaftsstandort Hamburg von he rausragender Be deutung. Die Han delskammer hat daher in einem breiten Beteili gungsprozess der betroffenen Wirt schaftsakteure und Gremien die dazu erforderli chen Rahmenbe dingungen disku tiert. Darauf auf bauend entstand das Standpunkte papier „Zukunfts plan Hafen“ im Rahmen der Standortstrategie „Hamburg 2040“. Mehr Infos unter www.hk24.de/ zukunftsplan- hafen HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 60 FOTOS: HHM/JOHANNA WÜRKE, SPEDITION KONRAD ZIPPEL PRO & KONTRA
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