Februar/März 2022

Herr Wöhlke, vom Ausbildungsmarkt kommen derzeit diffuse Signale. Einige Branchen bilden immer weniger aus, andere finden keine Bewer- ber. Wie sieht es bei Budnikowsky aus? Haben Sie genug Auszubildende? Cord Wöhlke: Ich war im vergangenen Jahr skep- tisch, ob wir alle Ausbildungsplätze besetzen können. Die Nachfrage war zunächst eher gering. Erst zum August, September konnten wir alle 45 offenen Lehrstellen vergeben. Würden Sie bestätigen, dass die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen generell nachlässt? Ja, die Nachfrage ist geringer geworden. Die Märkte sind leer. Früher haben wir in Hamburg noch Be- werber aus den neuen Bundesländern und aus den Randgebieten bekommen. Diese erreichen wir nur noch selten. Was hinzukommt: Durch Corona feh- len besonders die Praktika von Schülern. Vielleicht sind sich viele Schulabgänger aber auch durch Co- rona generell nicht klar darüber, was sie machen und welchen Weg sie gehen wollen. Ich glaube, dass es da bei den Schülerinnen und Schülern durch Co- rona auch eine sehr starke Verunsicherung gibt. Wie sehen Sie die Generation Z, die Sie derzeit ausbilden? Wie würden Sie sie charakterisieren? Ich glaube, dass Jugendliche heute mit einer ande- ren Vorstellung in den Beruf gehen. Auch bei den Auszubildenden ist die Work-Life-Balance ein The- ma. Es ist für mich manchmal schwer nachzuvoll- ziehen, dass manche, die jetzt ihre Lehre beendet haben, sagen: Ich will keine Vollzeitstelle, sondern erst einmal nur 30 Stunden in der Woche arbeiten. Die Jugendlichen erwarten mehr denn je Sinnhaf- tigkeit in der Aufgabenstellung, wie auch eine be- sondere Wertschätzung. Wir haben es ja mit einer Generation zu tun, die in der Erziehung sehr viel Aufmerksamkeit bekommt, und diese Aufmerk- Budni-Chef Cord Wöhlke kennt den Hamburger Ausbildungs- markt wie kaum ein Zweiter. Sein Unternehmen gilt als Top- Adresse für Azubis – und hat trotzdem zunehmend Probleme, Lehrstellen zu besetzen. Im HW- Gespräch analysiert er die Lage. HAMBURGER WIRTSCHAFT 24

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