Februar 2018

FOTOS: JÉROME GERULL Die erste Mitwohnzentrale Hamburgs begann 1987 mit Studentenbuden. Als City-Wohnen vermittelt das einstige Start-up jetzt möblierte Wohnungen auch an Firmenkunden aus aller Welt. Wohnen auf Zeit D ie Wohnung ist sehr schön. Heller Altbau, gut geschnitten, Lage und Ausstattung ebenfalls top. Doch Frederick Wencke gibt sich noch nicht zu- frieden. „Der Fernseher ist schon etwas äl- ter, oder?“, fragt er den Wohnungseigentü- mer. Der nickt und schiebt ein „Läuft aber noch prima“ hinterher. Wencke nickt freundlich zurück. „Ein Flachbildschirm sollte es schon sein“, sagt er. Der künftige Mieter möchte sich ja wohlfühlen, da ist ein modernes TV-Gerät Standard heutzu- tage. Wencke vermietet nicht direkt, er ist Vermittler. Die Agentur City-Wohnen Hamburg, die er mit seiner Frau Ingrid Markusse 1987 gegründet hat und seither gemeinsam führt, bietet ausschließlich komplett eingerichtete Wohnungen an. Das Motto lautet: „Ein Zuhause auf Zeit“. Und gerade weil viele der Mieter nicht für lange in Hamburg wohnen, muss alles passen. „Unsere Kunden brauchen für die persönliche Zufriedenheit etwas Eigenes und kein 08/15-Hotelzimmer“, hat Mar- kusse festgestellt. Hamburg ist seit jeher eine Stadt, die viele internationale Gäste beherbergt. Hafen und Handel waren traditionell die treibenden Faktoren. Nun ist die Globali- sierung dazugekommen. Wirtschaftsun- ternehmen sowie Institutionen aus der Wissenschaft lassen für temporäre Pro- jekte Spitzenkräfte einfliegen, Medizintou- risten reisen nach Hamburg. Weltweit ha- ben sich deshalb in vielen Großstädten Firmen entwickelt, die für diese an- spruchsvolle Klientel den angemessenen Wohnraum organisieren. Neben City-Wohnen berät in Ham- burg auch noch HomeCompany die Kun- den bei der Suche nach einer besonderen Bleibe. Doch Markusses und Wenckes Agentur ist deutlich größer. Rund 20 Mit- arbeiter sind es inzwischen, alle mehrspra- chig – die Hälfte der Kundschaft, Firmen oder Privatpersonen stammt aus dem Aus- land. Im vergangenen Jahr wurden fast 1300 Mietverträge vermittelt, die Provi- sion übernimmt der Vermieter. „Zu Beginn war alles viel kleiner“, erinnert sich Mar- kusse. Damals, Ende der 1980er-Jahre, hat- ten sie Studentenbuden im Angebot. Die Idee der Mitwohnzentrale haben die bei- den von Berlin nach Hamburg gebracht. „Wir waren keine Idealisten, sondern ha- ben einfach gemacht“, sagt Markusse. „Uns trieb der Gedanke an, dass es etwas Gutes ist, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.“ Start-up in der Share Economy heißt der Ansatz von damals heute. Anfangs arbeiteten sie mit Karteikar- ten und Telefon, viele Kunden schauten einfach im Kellerbüro in der Altonaer Lo- buschstraße herein. Später kam das Fax, jetzt sind es Computer. Doch geblieben ist eines: Gefragt sind vor allem die klassi- schen Stadtteile wie Eppendorf, Winter- hude oder Eimsbüttel. „Wir müssen den Leuten zuweilen zureden, auch mal andere Viertel in Erwägung zu ziehen, dann geht HAMBURGER WIRTSCHAFT 02 / 18  MACHER 22 Frederick Wencke und seine Frau Ingrid Markusse

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