Dezember 2019
HAMBURGER WIRTSCHAFT 62 Surfen in der Schanze Internetcafé, PC-Reparaturwerkstatt, Heimat für die Kunst: Das Unternehmen von Henryk Klajna und Reiner Weichelt ist einzigartig. Jetzt suchen die beiden einen Nachfolger. V on den unzähligen Cafés im belebten Schanzenviertel ist dieses eines der außer- gewöhnlichsten: das Internetcafé 3x 23. Denn schräg gegenüber von Erika’s Eck in der Sternstraße bieten Henryk Klajna und sein Ge- schäftspartner Reiner Weichelt ihren Kunden nicht nur heiße Getränke und Snacks, sondern auch zehn Computermit Internetanschluss, Drucker, Scanner und Faxgerät – einen netten Schnack und techni- schen Support gibt es gratis dazu. „Wir sind so ziemlich das einzige Internetcafé, das es in Ham- burg noch gibt“, sagt Klajna, der den rund 115 Qua- dratmeter großen Laden 2005 gemeinsam mit Wei- chelt eröffnet hat und jetzt einen Nachfolger sucht. Das lokale Monopol kommt nicht von ungefähr, denn in Zeiten von Smartphone und mobilem In- ALEXANDER SIEBERT redaktion@hamburger-wirtschaft.de FOTO ARIANE GRAMELSPACHER ternet stellt sich durchaus die Frage: Wer braucht überhaupt noch ein Internetcafé? „Zu uns kommen Kunden, um Bewerbungen zu schreiben, Dokumente einzuscannen oder mal eben ihre Zugtickets auszudrucken. Zudem haben wir viele Businesskunden, die ihre Buchhaltung oder Steuererklärung bei uns machen“, erklärt der Inhaber. Die meisten seiner Gäste sind Stammkun- den, rund 200 davon hat er in seiner Kartei. Die schätzen auch, dass Reiner Weichelt als ge- lernter Netzwerktechniker PC-Reparaturen anbie- tet. Zahlreiche Kunden nutzen diesen Service, brin- gen ihre kaputten Computer vorbei – und 3x 23 setzt sie wieder instand. „Viele kommen aber auch einfach nur, um ei- nen Kaffee zu trinken und sich mit uns zu unterhal- ten“, sagt Klajna. Der gelernte Schiffsmotoren- schlosser ist früher zur See gefahren. Nach einer Umschulung arbeitete er zehn Jahre lang als Infor- mationselektroniker bei Panasonic. Dann kam die Selbstständigkeit mit 3x 23. Und noch etwas zeichnet diesenOrt aus: An den Wänden hängen auffällig viele Gemälde. Sie stam- men aus einer Zeit, als das 3x 23 neben Internetcafé und PC-Reparaturwerkstatt auch noch eine Kunst- galerie beherbergte. „Wir hatten hier alle zwei Mo- nate eine Vernissage, bei der Künstler aus der gan- zenWelt ausgestellt haben“, erklärt Klajna. „Das hat es in ganz Hamburg zuvor nie gegeben.“ Diese Akti- vitäten musste der 68-Jährige allerdings schon vor fünf Jahren aufgeben. Damals lag er wegen einer schweren Lungenentzündung zwei Wochen lang im UKE. Danach musste er kürzertreten und opferte als Erstes seine künstlerischen Ambitionen. Jetzt will er sich schweren Herzens auch vom Rest des Unternehmens trennen – und sich seinem Garten und Spaziergängen durch seine geliebte Schanze widmen. „Typische Rentner-Dinge eben“, sagt er und lacht. UNTERNEHMENS ANGEBOTE Henryk Klajna (r.) und Reiner Weichelt
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