Dezember 2019

HAMBURGER WIRTSCHAFT 34 KONJUNKTUR BAROMETER Doch „grüneres“ Wirtschaften ist auch eine Chance: Es wertet das Firmenimage auf, und Res- sourceneffizienz spart langfristig Kosten. „Massive strengere Klimaschutzauflagen sind kurzfristig nö- tig und unumgänglich. Bei jeder, wirklich jeder un- ternehmerischen Entscheidung sollte die Umwelt mit am Tisch sitzen“, so Nick Zippel, Geschäftsfüh- rer des Handwerksunternehmens Sager & Deus. „Aus meiner Sicht ergibt ‚grüneres‘ Wirtschaften geschäftlich Sinn, wie wir mit unseren Unterneh- men nun schon im 15. Geschäftsjahr zeigen.“ Auch andere Firmen handeln umweltbewusst: So setzt etwa das Boutique Hotel 020 auf ein neues Reinigungsverfahren ohne Chemie. Hagenbecks Tierpark nutzt einen Kälte- und Wärmetauscher von Hamburg Wasser zur Kühlung seines Eismeers. Und das Wildwuchs Brauwerk in Wilhelmsburg be- zieht nicht nur sämtliche Zutaten regional und aus biologischem Anbau, sondern hat auch in eine ei- gene Hopfenplantage investiert. „Ich mache das aus persönlicher Überzeugung“, meint Braumeister Friedrich Carl Richard Matthies. „Wenn man sich über Probleme wie Bodenbelastung und mangelnde Artenvielfalt informiert, kann man gar nicht an- ders, als sich zu engagieren.“ Sicher ist: Umwelt und Klimawandel bleiben eine schwierige Herausforderung – auch für die Hansestadt, die im Dezember einen überarbeiteten Klimaplan beschließen will. Um näher zu beleuch- ten, was die globalen und lokalen klimapolitischen Entwicklungen für die Hamburger Wirtschaft be- deuten, veranstaltet die Handelskammer deshalb am 10. Dezember eine Vortrags- und Diskussions- veranstaltung (Infos links). ELISABETHWEISSBECKER elisabeth.weissbecker@hk24.de VERAN- STALTUNG Zum Thema „Zwischen 25. UN-Klimakonfe- renz und Hambur- ger Klimaplan – Konsequenzen für die Hamburger Wirtschaft“ lädt die Handelskam- mer am Dienstag, 10. Dezember, von 17 bis 20 Uhr in den Albert-Schä- fer-Saal ein. Was derzeitige klima- politische Vorha- ben auf globaler und lokaler Ebene für Hamburger Unternehmen bedeuten, disku- tiert Moderator Michel Abdollahi mit Vertretern der Hamburger Wirt- schaft. Zudem hält Prof. Dr. Ernst-Ulrich von Weizsäcker einen Vortrag. Eine Anmeldung ist erforderlich: www.hk24.de/ event/131129948 VOR-ORT- BERATUNG Die Umweltberater der Handelskam- mer kommen gern kostenlos in Ihr Unternehmen. Sie helfen Ihnen per Vor-Ort-Beratung dabei, Umwelt-, Energie- oder Ressourceneffizi- enzmaßnahmen umzusetzen und so Betriebskosten zu reduzieren. Wei- tere Informationen finden Sie auf www.hk24.de unter dem Stich- wort Umweltbera- ter oder vereinba- ren Sie gleich einen Termin unter 36138-979 oder umweltberater@ hk24.de. FOTOS: PRIVAT (2) Die Kosten des Emissionshandels drohen, am Ende den CO 2 -Aus- stoß zu erhöhen. LUTZ BANDUSCH Aus meiner Sicht ergibt ‚grüneres‘ Wirt- schaften ge- schäftlich Sinn. NICK ZIPPEL Investitionen (Vorjahresquartal: knapp 8 Prozent). „Es gibt sicher mehrere Gründe – Überzeugung, ge- sellschaftliche Entwicklungen, aber auch gesetzliche Vorgaben“, sagt Handelskammer-Vizepräses André Mücke. Derzeit lässt sich noch nicht sagen, ob die Um- weltinvestitionen im nächsten Quartal möglicher- weise wieder rückläufig sind. Sicher ist aber: Der Schulstreik, den Greta Thunberg am 20. August 2018 begann, hat den Klimawandel massiv ins Be- wusstsein gerückt. Am 20. September sollen welt- weit rund vierMillionenMenschen für Klimaschutz auf die Straße gegangen sein, drei Tage später sprach die junge schwedische Aktivistin auf der UN-Generalversammlung. So mancher Verbrau- cher überprüft deswegen inzwischen seine politi- schen und Konsum-Entscheidungen, und die Bun- desregierung will bis zum Jahresende eine Reihe von Regelungen zur Umsetzung des Klimaschutz- programms 2030 verabschieden. Das zwingt auch die Unternehmen zu reagieren. Risiken und Chancen So wichtig sie auch sind: Strengere Umweltauflagen sind für die Betriebe oft nur aufwendig und kostspie- lig umzusetzen. Und manche Regelungen könnten sich sogar als kontraproduktiv erweisen. So gibt etwa Lutz Bandusch, Geschäftsführer des Stahlherstellers ArcelorMittal Hamburg, zu bedenken: „Die europä­ ische ‚energieintensive Industrie‘ konkurriert auf dem Weltmarkt mit Wettbewerbern, die den Kosten durch den Emissionshandel nicht ausgesetzt sind. Ein fehlender Ausgleich wird daher zwangsläufig zum ‚Carbon leakage‘, also der Erzeugung außerhalb des Emissionshandels führen. Für den Klimaschutz würde dies am Ende zu einer Erhöhung der CO 2 - Emissionen führen, da die energieeffizientesten An- lagen in Europa aus demMarkt genommenwürden.“

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI2ODAz