Dezember 2017

EXISTENZGRÜNDER & START-UPS ILLUSTRATION: CARINA CRENSHAW W er vom eigenen Unternehmen träumt, muss nicht immer bei null anfangen. Denn die Über- nahme eines bestehenden Betriebs ist eine attraktive Alternative zur Neugründung. Laut „DHIK-Report zur Unternehmens- nachfolge 2016“ gaben 45 Prozent der Alt- Inhaber an, noch keinen Nachfolger zu ha- ben – ein Thema, das in Deutschland jähr- lich bei zehntausenden Unternehmen an- steht. Laut der Kreditanstalt für Wiederauf- bau (KfW) sind allein zwischen 2016 und 2018 über vier Millionen Arbeitsplätze da- von betroffen. . Was bedeutet das konkret? Bei einer Übernahme startet man mit einem erprob- ten Geschäftskonzept. Produkte oder Dienstleistungen sind bereits eingeführt. Es bestehen gute Beziehungen zu Lieferanten, man kann auf erfahrene Mitarbeiter zurück- greifen und die Ausstattung entspricht oft schon dem neuesten Stand der Technik. Neugründer dagegen müssen ganz von vorn anfangen. Selbst wenn die Geschäfts- idee überzeugend ist, muss sich der Betrieb erst einen Namen machen. Viele Gründer scheitern hier, weil sie sich nicht gegen die bekannten Unternehmen am Markt durch- setzen können. Kurzum: Bei Neugründung gibt es zwar volle Gestaltungsfreiheit, dafür stehen aber nur wenige Erfahrungswerte zur Verfügung. Neugründer sind auf ihre Re- cherchen und gute Prognosen angewiesen, um eine realistische Planung zu entwerfen. Nachfolger gesucht Schon mal an Übernahme statt Neugründung gedacht? Der Trend zur Secondhand- Kultur ist zwar bei vielen Gründern noch unbekannt, doch der Schritt kann sich lohnen. Anders bei der Geschäftsübernahme. Hier kann man auf bereits bestehende Da- ten zurückgreifen. Darüber hinaus stehen dem Firmennachfolger das Wissen der Mit- arbeiter und des bisherigen Inhabers zur Verfügung. Auch wenn das eine gute Aus- gangslage ist, bleibt eine sorgfältige Pla- nung unerlässlich. Am besten überzeugt man sich mit eigenen Augen und überprüft alle Angaben, die man erhält. Auch externe Quellen sollten genutzt werden. Was denkt die Hausbank über das Engagement, das Unternehmen und die Mitarbeiter? Ein weiterer wichtiger Faktor: Zeit. Vom ersten Kontakt bis zur Vertragsunterschrift können sechs bis zwölf Monate oder mehr vergehen. So auch bei Martin Schellmann, der auf der Internetplattform und Nach- folgebörse nexxt-change das Unternehmen GerroMed Pflege- und Medizintechnik GmbH gefunden hat. „Man darf Kompo- nenten wie Urlaubszeiten von beteiligten Personen nicht unterschätzen. Sonst ist der Anwalt oder der Bankberater ausgerechnet dann nicht ansprechbar, wenn man eine dringende Rückmeldung braucht“, warnt er. „Auch die Verhandlung konkreter Formulie- rungen im Kaufvertrag können sich sehr lange hinziehen.“ Über entsprechende För- derprogramme sollte man sich ebenfalls in- formieren und diese dann aktiv mit in die Gespräche bei Banken einbringen. „Planen Sie Beratungskosten durch Anwälte und Steuerberater mit ein. Die Erstellung von Kaufverträgen ist ohne Fachleute schwer möglich“, weiß Schellmann. Wenn Sie sich für eine Übernahme ent- scheiden, informieren Sie sich über unsere Webseite www.hk24.de . Entsprechende An- gebote von Unternehmen gibt es über www.nexxt-change.org . Hier können auch Gründer einGesuch schalten. Aktuelle Ange- bote und Gesuche finden Sie auf Seite 50. HAMBURGER WIRTSCHAFT 12 / 17 IM FOKUS 62 René Grothkopp rene.grothkopp@hk24.de Telefon 36138-370

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