Dezember 2017

HAMBURGER WIRTSCHAFT 12 / 17 IM FOKUS 58 EXISTENZGRÜNDER & START-UPS Hamburg, meine Gründerperle Während der deutschlandweite Trend an Gründungen seit Jahren rückläufig ist, sind die Vorausetzungen für Start-ups in der Hansestadt besser denn je. ILLUSTRATION: CARINA CRENSHAW Mit einer durchschnittlichen Grün- derquote von 2,53 Prozent (Anteil von Gründern an der Bevölkerung im Alter von 18 bis 64 Jahren in Prozent) hat Hamburg sogar Berlin überholt und ist das Bundes- land mit der höchsten Gründungsaktivität in Deutschland. Viele haben sich ganz bewusst für den Standort an der Elbe entschieden. So auch Kathrin Kistner, Gründerin und Geschäfts- führerin der Qualitize GmbH. „Wir haben uns aus drei Gründen für Hamburg ent- schieden. Erstens natürlich, weil wir hier sehr gerne leben. Zweitens bietet uns als IT-Unternehmen die Stadt Hamburg mit den zahlreichen und hervorragenden Uni- versitäten tolle Rekrutierungsmöglichkei- ten. Drittens schätzen unsere traditionel- len Kunden aus dem Handel auch die Seriosität des Wirtschaftsstandorts Ham- burgs“, schwärmt Kistner. Ebru Erkunt hingegen ist in der Food- Start-up-Szene unterwegs. Mit Haselherz, einem veganen Haselnussmus, bringt sie eine etwas andere türkische Tradition nach Deutschland. Auch Erkunt hat sich bewusst für Hamburg entschieden. „Mit der in Hamburg vorhandenen hohen Kaufkraft – Hamburg nimmt hier in Deutschland die Spitzenposition ein – ist das für mich der ideale Standort. Es gibt eine Vielzahl an inhabergeführ- ten Lebensmittelläden und Einkaufszent- ren, die Potenzial haben, meine Produkte zu listen. Auch Messen gibt es, bei denen ich mich präsentieren kann, wie das Food Innovation Camp von ‚Hamburg Startups‘, das in der Handelskammer stattfand.“ Hier hatte sie nicht nur die Möglichkeit, ihr Produkt vorzustellen, sondern konnte auch im Rahmen von Matchmakings Ge- spräche mit Einkäufern, Pressevertretern, Investoren und Bloggern führen. „Es war großartig“, sagt Erkunt. „Das Netzwerk aus Kunden, Partnern, Multiplikatoren, Dienstleistern und Veranstaltungsforma- ten ist riesig. Das ist für einen Gründer un- abdingbar.“ Von 672000 Existenzgründern waren laut KfW-Gründungsmonitor 2017 rund 46 Prozent Chancengründer. Das sind Gründer, die sich selbstständig machen, weil sie sich gute Chancen für eine lang- fristige, erfolgreiche Etablierung am Markt versprechen. 17 Prozent gehören zu den Wachstumsgründern. Sie gelten als innovativer und kapitalintensiver als klas- sische Gründungen und versuchen alle Chancen zu nutzen, die der digitale Wan- del bietet. Nur rund 25 Prozent zählten zu den Notgründungen, also solche, die mit Z wischen Traditionsunternehmen und der hierzulande einmaligen In- frastruktur aus Hafen, Transport- und Handelswegen, ist in Hamburg still und leise ein spannender und agiler Le- bensraum für Existenzgründer entstanden. Die Hansestadt wird nach Einschät- zung von Gründern junger Technologieun- ternehmen an Bedeutung gewinnen, wie aus einer Studie des Wirtschaftsprüfungs- unternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC) hervorgeht. In der Rangliste von neun Städten schneidet Hamburg mit 74 Prozent am besten ab. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Berlin und Frankfurt.

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