Dezember 2017
N ach demRealschulabschluss wusste ich nicht so richtig, wie es weiter- gehen sollte“, erinnert sich Mandy Gollian, Inhaberin und Geschäftsführerin der Catering-Firma LOKALGOLD feine kost GmbH. „Ich habe dann angefangen, mich auf Ausbildungsplätze zu bewerben, aber nur Absagen bekommen.“ So wie es Gollian vor neun Jahren erlebte, geht es vielen Ju- gendlichen und jungen Erwachsenen, die vor der Berufswahl stehen. Bei einigen kom- men noch schlechte Zeugnisse oder man- gelnde Deutschkenntnisse erschwerend hinzu. Wenn es beim ersten Kontakt mit dem Berufsleben dann nur Absagen hagelt, führt das natürlich zu Demotivation. Daher wurde im Jahr 2006 die Maß- nahme der Einstiegsqualifizierung (EQ) bundesweit ins Leben gerufen. Das Pro- gramm richtet sich an junge Leute mit Be- rufswunsch, aber ohne Ausbildungsplatz. „Im Rahmen dieser Maßnahme absolvieren junge Menschen für einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten eine Art Vorausbil- dung“, so Bildungsbegleiterin Beate Walter, die für den Verein zur Ausbildungsförde- rung der Hamburger Wirtschaft Einstiegs- Mit der Einstiegsqualifizierung können Ausbildungssuchende und Betriebe langfristig voneinander profitieren. FOTOS: ANNEGRET HULTSCH, STOCK.ADOBE.COM/MAKSIM KABAKOU Starthilfe Mandy Gollian (M.) ist Inhaberin des Catering-Dienstes LOKALGOLD Annabell Diebel annabell.diebel@hk24.de Telefon 36138-795 HAMBURGER WIRTSCHAFT 12 / 17 KARRIERE 36 qualifizierungen vermittelt und betreut. „Die Lehrinhalte der EQ sind in Modulen festgeschrieben, die sich an den Inhalten des ersten Lehrjahres orientieren.“ Die Teil- nehmer arbeiten in dieser Zeit wie Azubis im Betrieb mit und können auch schon die Berufsschule besuchen. Sie erhalten eine feste Ausbildungsvergütung, die von der Agentur für Arbeit übernommen wird. Ziel der EQ ist es, dass die Absolventen nach der Maßnahme übergangslos in die Ausbildung imgleichen Betrieb starten kön- nen. Diesen Weg ging auch Gollian, und ihr Beispiel zeigt den Erfolg des Modells: „Ich war zu Beginn sehr schüchtern und zurück- haltend. Doch während der EQ konnte ich schon die Inhalte lernen, die für die Ausbil- dung wichtig waren. So bin ich mit großem Vorwissen in die Ausbildung gestartet. Und das hat mir die Sicherheit gegeben, meine Schüchternheit zu überwinden.“ Nach ihrer abgeschlossenen Ausbil- dung zur Fachkraft für Systemgastronomie wurde Gollian direkt übernommen und schon bald mit der Küchenleitung betraut. Nach einiger Zeit als Betriebsleiterin ist Gol- lian heute Inhaberin ihres ehemaligen Aus- bildungsbetriebes LOKALGOLD. Und in die- sem Jahr hat bereits ihr zweiter Auszubil- dender nach absolvierter EQ seine Lehre erfolgreich abgeschlossen. Sie kann die Maßnahme also auch aus Arbeitgebersicht bewerten: „Für mich ist der große Vorteil, dass ich die zukünftigen Auszubildenden erst einmal richtig kennenlernen kann. Wir haben in Bezug auf Wissen oder Noten keine Ansprüche, aber Motivation und Zu- verlässigkeit sind für uns unabdingbar.“ In Hinblick auf die Integration von Ge- flüchteten wurde die EQ nun weiterentwi- ckelt: Seit 2017 läuft die EQ-M für Menschen mit Migrationshintergrund, die neben dem Programm zusätzlich Sprachkurse zweimal wöchentlich vorsieht. Sie soll helfen, mehr Geflüchtete zur Ausbildungsreife zu qualifi- zieren. Es wurden bereits knapp 120 neue EQ-Verträge geschlossen, 53 Prozent davon mit Geflüchteten. Mehr Infos für interes- sierte Unternehmen gibt es per E-Mail an einstiegsqualifizierung@hk24.de
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