Dezember 2017
Eine Art Fort Knox des Tees? „So könnte man es nennen“, sagt Scheffler und lacht. Seine Mitarbeiter veredeln den Rohstoff Tee. Das ist zuweilen wie in der Parfüm- herstellung: Kleinste Anteile haben große Auswirkungen. Doch am Ende steht oft- mals eine betörende Komposition. „Tee hat auch etwas Mystisches und Meditati- ves“, sagt Scheffler. „Es ist ein gigantisches Entdeckungsfeld.“ Das sieht Esin Rager nicht anders. Sie gab vor 15 Jahren ihren Job in der Medien- branche auf und gründete samova. „Ich wurde mit wachsendem Wissen zum Hardcore-Öko“, sagt sie. Deshalb verkaufte sie immer Biotee und legte von Beginn an großen Wert auf Nachhaltigkeit in der Pro- duktion. Selbstverständlich achten auch die großen Unternehmen verstärkt auf ei- nen schonenden Umgang mit der Natur, fairen Handel und vernünftige Arbeitsbe- dingungen in den Teeanbauländern. Re- gelmäßig gibt es unangekündigte In- spektionen auf den Teegärten und in den Verarbeitungsbetrieben. „Wir sind häufig vor Ort, weil wir nur so sicher sein können, dass die vereinbarten Standards eingehal- ten werden“, betont Rager. „Bei Prüfungen auf Rückstände sind wir ebenfalls kompro- misslos und lassen Ware im Zweifel zu- rückgehen.“ Sie zelebriert eine moderne Teekultur mit „poppigem Hintergrund“. Tee-Cock- tails gehören dazu, ein Tea-Jay für die Eis- teezubereitung oder stylishe Dosen. „Schön aussehen und Namen, die Spaß machen“, sagt Rager. Mit hoher Teequali- tät und zertifiziertem Handel will sie zur „Planetengesundheit“ beitragen. „Ich sehe meine Berufung auch darin, Kunden zu zeigen, wie viel politische Macht sie ha- ben.“ Ihre Firma ist gerade umgezogen – von der HafenCity nach Billstedt in die Stiftung Kultur Palast Hamburg. Rager möchte so „Grenzen aufbrechen“ und en- gagiert sich vor Ort gemeinnützig, zum Beispiel in einem Restaurantprojekt der Stiftung. Wie samova ist Lemonaid/ChariTea ein kleiner Player auf dem Hamburger Markt, aber ebenfalls ein sehr wichtiger. ImWinter 2008 fingen sie an, ein paar Mo- nate später folgte dann die Firmengrün- dung. „Wir möchten diejenigen unterstüt- zen, die den Tee wirklich anbauen, und eben keine Großgrundbesitzer, die für sich arbeiten lassen“, sagt Paul Bethke, einer der drei Gründer. Auch ihre Produkte sind bio. Der Clou: Mit jedem verkauften Kalt- oder Heißgetränk wird der gemeinnüt- HAMBURGER WIRTSCHAFT 12 / 17 TITEL 15 PAUL BETHKE Lemonaid/ChariTea „Wir unterstützen diejeni- gen, die den Tee anbauen.“
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