November 2018
HAMBURGER WIRTSCHAFT 11 / 18 IM FOKUS 61 HANDEL Mit dem Roboter zur Rendite? Beim Handeln auf dem Kapitalmarkt versprechen „Robo-Advisors“ schnelle Hilfe. Was bieten die Roboter, und für wen sind sie geeignet? A ktuell sind in Deutschland rund 30 Robo-Advisors am Markt. Meist handelt es sich dabei um durch die Finanzdienstleistungsaufsicht lizenzierte Vermögensverwalter, für die der Kunde ei- nen Vermögensverwaltungsvertrag mit Transaktionsvollmacht abschließt. Oft kommen die Angebote von Start-ups, aber auch von traditionellen Banken. Im Gegensatz zu herkömmlichen Ver- mögensverwaltern, deren Betreuung meist erst bei sechsstelligen Vermögen beginnt, starten Robo-Advisors bei deutlich geringe- ren Beträgen von beispielsweise 5000 Euro und bieten zudem die Möglichkeit zum Abschluss regelmäßiger Sparpläne. Ge- meinsames Kennzeichen ist ein digitaler Eröffnungsprozess für das Konto und den Vermögensverwaltungsvertrag im reinen Klickverfahren, auf Wunsch mit Legitima- tion über ein Video-Ident-Verfahren. Auch wenn die Unterlagen nicht weniger um- fangreich als in Papierform sein müssen, kann der Umgang mit PDF-Dokumenten eine Vereinfachung bieten. Eine zentrale Frage ist, was sich genau hinter dem modernen Angebot verbirgt: „Oft stehen hinter einem ausgefeilten On- boarding-Prozess noch recht einfache Anla- gestrategien, denen ein Kunde zugeteilt wird“, sagt Eric Wiese, Geschäftsführer der NFS Hamburger Vermögen GmbH. Eine individuelle Beratung findet nicht statt, wobei diese in umfassender Formnatürlich auch ihren Preis hat. Abgesehen von kur- zen Track-Records, also Erfolgsbilanzen individueller Angebote in der Vermögens- verwaltung, gibt es noch keine zuverlässige Bewertung der Robo-Advisors. Die ersten Ergebnisse zeigen aller- dings, dass digital nicht automatisch über- legen bedeutet. Während bestimmte Ange- bote bislang gut laufen, liegt die Rendite anderer unter der eines Mischfonds. Den- noch haben Robo-Advisors einen enormen Vorteil: „Digitale Programme können rie- sige Datenmengen viel schneller darstellen und für individuelle Nutzer auf den Punkt bringen als ein Berater“, sagt Nicholas Zie- gert, Geschäftsführer der W&Z FinTech Jörn Le Cerf joern.lecerf@hk24.de Telefon 36138-360 GmbH. Die Tochter der Warburg Bank hat mit „Ownly“ eine ausgefeilte Info-App ent- wickelt, die mit Schnittstellen zumehreren Konten und einer Einbeziehung illiquider Vermögenswerte wie beispielsweise Immo- bilien eine möglichst umfassende Vermö- gensdarstellung und -analyse ihrer Nutzer anstrebt. Perspektivisch ist die Integration einer „digitalen Erwerbsstrecke“ an- gedacht, sodass sich das aktuelle Informa- tionsangebot zu einem automatisierten Robo-Advisor beziehungsweise einer neuen „Homebank“ entwickeln soll. Die Arbeit an und mit Robo-Advisors schreitet also zügig voran. Kann der Kunde damit seine Geldanlage guten Ge- wissens auf einen Roboter delegieren, ohne sich darum zu kümmern? „Nein“, meint Eric Wiese. „Auch mit der Entschei- dung für einen Robo-Advisor kauft man schließlich ein spezifisches Angebot einer Finanzdienstleistung. Um zu beurteilen, was sie bietet und ob sie zu einem passt, sollte man sich mit Finanzanlage beschäf- tigen und auch über Alternativen Bescheid wissen.“ Der Hamburger Börsentag am Samstag, 3. November, in der Handelskammer bietet eine hervorragende Möglichkeit, sich kostenlos und unverbindlich über die vielfältigen Möglichkeiten der Geldanlage zu informieren. www.boersentag.de Veranstaltung
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