November 2018
HANDEL ILLUSTRATION: TANJA MEYER, JUTTA FRICKE ILLUSTRATORS Onlinehandel – Bedrohung oder Chance? Wie gehen Einzelhandel und Großhandel mit der voranschreitenden Digitalisierung um? Und wo sieht die Branche noch Handlungsbedarf? Die Ergebnisse einer Handelskammer-Umfrage geben einen Überblick. Z ur Lage und Entwicklung in der Hamburger Wirtschaft erhebt die Handelskammer Hamburg auf der Basis von Mitgliederbefragungen viertel- jährlich das „Hamburger Konjunkturbaro- meter“. Zusätzlich wurde für das zweite Quartal 2018 in der Branche Handel (Groß- handel, Einzelhandel, Handelsvermittlun- gen) eine Sonderbefragung zum Online- handel durchgeführt. Die Ergebnisse: Rund 20 Prozent der Einzelhändler empfinden denOnlinehandel als existenz- gefährdend. Im Großhandel teilen diese Einschätzung lediglich zwei Prozent der antwortenden Unternehmen. Über alle Handelsbranchen hinweg zeigt sich zudem eine Patt-Situation, in der rund 50 Prozent den Konkurrenzdruck durch den Online- handel spüren und rund 50 Prozent keine Auswirkungen auf ihr Geschäft feststellen konnten. Die Frage nach denNutzungsmöglich- keiten des Internets zeigt ein wesentlich differenzierteres Bild. Über 80 Prozent aller Handelsunternehmen besitzen eine eigene Homepage. Diese gehört dahermit Abstand zur häufigstenNutzung des Internets. Von den Homepage-Betreibern verfügen rund 26 Prozent über einen angegliederten On- lineshop. Im Segment „Einzelhandel“ be- stätigten rund 42 Prozent der Antworten- d e n d e n B e t r i eb e i n e s e i g e n e n Verkaufsportals. Besonders sticht die Präsenz des Ein- zelhandels auf Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram oder Twitter hervor. Hier unterhalten rund 62 Prozent der Einzelhändler einen eigenen Auftritt. Handelsbranchenübergreifend nutzen le- diglich rund neun Prozent der Unterneh- men Einträge bei „Google My Business“ und verwalten ihr Unternehmensprofil in der Suchmaschine selbst. Bereits über die Hälfte der Einzelhänd- ler generieren zwischen zehn und 20 Pro- zent ihres Umsatzes über die Online-Ver- triebswege. In der Gesamtbetrachtung des Wirtschaftszweiges Handel ergibt sich so- mit ein Anteil von circa 30 Prozent, die in dieser Größenordnung Produkte vertrei- Axel Hoops axel.hoops@hk24.de Telefon 36138-984 ben. Stationäre Händler, die keinenOnline- shop betreiben, wollen den Herausforde- rungen durch eine gesteigerte Beratungs- kompetenz begegnen (60 Prozent), die Warenpräsentation optimieren sowie mit Events und Sonderaktionen bei den Kon- sumenten punkten. Chancen sehen sie auch in zusätzlichen Services wie beispiels- weise Bonussystemen, Kundenkarten oder Kulanzleistungen. Bei eigenen zukünftige Online-Aktivi- täten zeigt sich eine klare Tendenz: Mit 76 Prozent entscheiden sich die befragten Handelsunternehmen für eine stärkere Nutzung und Einbindung vonOnline-Akti- vitäten in den Geschäftsalltag. Insbeson- dere wollen sie sich der stärkeren Ver- schmelzung von Online und Offline widmen. Die größtenHemmnisse bei der digita- len Transformation sehen die Händler überwiegend im Aufwand durch hohe Bü- rokratieanforderungen und Rechtsvor- schriften. Hierbei beeinflussen Themenwie die Datenschutz-Grundverordnung, Ab- mahnanwälte und hohe Kosten für die Er- stellung vonGesetzestexten die Ausweitung der Online-Aktivitäten. Nach Auffassung der antwortenden Großhändler steht der On- line-Expansionen das Sortiment entgegen, das nach Einschätzung der Befragten nicht für den Online-Verkauf geeignet sei. Unter www.hk24.de/sonderbefragung finden Sie alle Ergebnisse online. Umfrage HAMBURGER WIRTSCHAFT 11 / 18 IM FOKUS 60
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