November 2018
HAMBURGER WIRTSCHAFT 11 / 18 STANDORT 32 FOTOS: MICHAEL ZAPF Vor dem Eingang der Handelskammer Hamburg liegen nun Stolpersteine für Verfolgte während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. „Jeder möge stolpern“ S eit dem24. September 2018 gibt es einen sichtbaren Anlass, beim Betreten der Handelskammer innezuhalten. Vor den Eingangsstufen des Kammergebäudes erinnern seit diesem Tag Stolpersteine an die Opfer aus der Zeit der nationalsozialisti- schen Gewaltherrschaft: Valentin Burchard, Leopold Cohn, Otto Friedeberg, JohnHausmann, LudwigMoritzMainz, HeinrichMayer, Ivan Philip, FranzMax Rappolt, Paul Salomon, Max Stein, Dr. Hein- richWohlwill, Cäsar Wolf und LeoWolfsohn. Sie alle waren zumZeitpunkt der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten Ehrenamtsträger der Handelskammer Ham- burg oder ihrer Vorgängerinstitutionen. Sie wurden aus ihren Ämtern gedrängt, gesellschaftlich ausgegrenzt, entrechtet und wirtschaftlich eingeschränkt. Sie waren weiteren Repressalien bis hin zur Deportation ausgesetzt. Diese 13 Hamburger Kaufleute wurden ermordet, nahmen sich das Leben oder starben durch die Verfolgung. Für jeden von ihnen wurde ein bronzener Stolperstein vom Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt, der dieses Projekt europaweit durchführt. Die Steine führen Namen sowie Angaben zu den Umständen, unter denen die vomNS-Regime Verfolgten bis Kriegsende 1945 ums Leben kamen. Ein weiterer Stein erinnert an die Verfolgten aus der Handelskammer Hamburg, die das Kriegs- ende überlebten oder die unbekannt geblieben sind. Wichtiges für die Stadt und die Metropolregion STANDORT Die Verlegung fand imRahmen eines Gedenkaktes statt. 200 Personen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nahmen daran teil, darunter 15 Angehörige der Opfer, diemitunter aus demAus- land angereist waren. Handelskammer-Präses Tobias Bergmann bekannte sich in seiner Ansprache zur geschichtlichen Verantwor- tung: „Wir gedenken der Opfer in Trauer, weil mit diesenMenschen ihre Tradition, ihre Kultur und ihr Kaufmannsgeist verloren gegan- gen sind.“ Die Stolpersteine vor der Handelskammer seien wichtig, um sich der eigenen Geschichte imDritten Reich zu stellen. „Jeder und jede, der künftig dieses Haus der HamburgerWirtschaft betritt, möge stolpern, für einen kleinen Augenblick innehalten und dieser Menschen und des großen Verlustes gedenken“, sagte Bergmann. Er stellte fest: Die Handelskammer Hamburg habe ihreMitglieder nicht geschützt und sich als einflussreiche Institution auch nicht gegen das Regime gestellt. Er mahnte zur Pflege einer kritischen Erinnerungskultur: „Uns ist aber auch bewusst, dass wir hier nicht haltmachen dürfen, sondern uns weiter mit der eigenen Vergan- genheit und unserer Rolle während des NS-Unrechtsregimes be- fassenmüssen.“ Die Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Carola Veit, sowie Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank befürworteten in Grußworten die selbstkritische Geschichtsauf- 13 Stolpersteine erin- nern vor der Handels- kammer am Adolphs- platz an Verfolgte des Naziregimes M. Brandis, T. Bergmann, C. Veith, K. Fegebank (v. l.n.r.) Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte die bronze- nen Stolpersteine
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