November 2018
FOTOS: HENDRIK LÜDERS, PKF FASSELT SCHLAGE, RENATE BROKELMANN, BEATRICE HERRMANN HAMBURGER WIRTSCHAFT 11 / 18 FRAGE DES MONATS 26 Der Preisdruck aus dem Internet nimmt zu, während Kunden Dienstleistungen, Produkte oder auch Gastrono- miebetriebe öffentlich bewerten können. Die HW hat bei Unternehmern nach ihren Erfahrungen gefragt. Wie geil ist Geiz? Schwindet bei Kunden das Bewusstsein für Qualität? „Qualität wird von den meis- ten Kunden immer mehr eingefordert. Und das tun sie offensiv kund: Schließlich geben ihnen die Social- Media-Kanäle ein reichweitenstarkes Forum. Fordernd sind Konsumenten aber auch beim Preis. Hier klafft dann häufig eine Lücke zwischen Qualitätsbe- wusstsein und dem, was man bereit ist, dafür zu zahlen. Für Unternehmen heißt das: Macht eure Marke nachhaltig stärker und verkauft nicht nur ein Produkt, sondern eine Welt. Aber vor allem: Verkauft euch nicht unter Wert!“ Lars Heymann (48), Partner bei PKF Fasselt Schlage: „Im Wettbewerb der Beratungsge- sellschaften ist Qualität ein zentraler Faktor, der den Unter- schied ausmacht. Auch wenn der Preis und die Effizienz eine Rolle spielen, für die Mandanten ist Qualität ein wichtiges Argument. Fehler werden weniger verziehen als früher. Schlechte Qualität führt also zu spürbaren Mehrkosten für die Nacharbeit. Die Digitalisierung kann dabei helfen, den Qualitätsanspruch aufrechtzuerhalten. Effizienzsteigerun- gen sind dabei natürlich ein willkommener Nebeneffekt.“ Julia Staron (48), Geschäftsführerin kukuun: „Das eigene Konsumverhalten gestaltet die Welt. So wie der Einzelhandel verschwindet, weil für ein paar Cent günstiger im Internet gekauft wird, so verschwinden Kneipen und Kulturangebote, weil das Bier besonders günstig sein soll. Der Zusammenhang zwischen Preis und Angebot wird oft nicht mehr hergestellt. Sogar die fehlende Logik zwischen Globalisierungskritik und des Konsums der Produkte weltweiter Konzerne fällt nicht auf. Insgesamt werden zu viele Krokodilstränen vergossen und zu wenig reflektiert.“ Tilo Maria Pfefferkorn (65), Inhaber ecos office center hamburg: „Ja und nein: Wir stellen allgemein ein gestiegenes Qualitätsbewusstsein fest. Die Qualität vieler Produkte ist austauschbar. In den meisten Fällen macht der Service den Unterschied, und den möchte mancher Kunde als Draufgabe. In einer Zeit der Käufer- märkte ist das kurzfristig gesund, langfristig ziemlich kurz sichtig. Wir stellen fest, dass wir oft erst im zweiten Anlauf zum Zug kommen. Der Kunde macht schlechte Erfahrungen und besinnt sich dann, dass es zu teuer ist, billig einzukaufen.“ DANIEL HOFFMANN (48), GESCHÄFTSFÜHRER KREATION ZUM GOLDENEN HIRSCHEN ALSTER GMBH FRAGE DES MONATS Die veröffentlichten Aussagen sind privater Natur und ihre Auswahl Ergebnis einer nicht repräsentativen Umfrage.
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