OKTOBER/NOVEMBER 2026

Liebe Leserinnen und Leser, Hamburg lebt vom Handel. Und Handel lebt von Vertrauen – in offene Märkte, verlässliche Regeln und stabile internationale Be­ ziehungen. Doch dieses Vertrauen wird zunehmend auf die Probe gestellt. Zölle, geopolitische Spannungen und militärische Kon­ flikte verändern die Weltwirtschaft – und treffen einen internatio­ nal vernetzten Standort wie Hamburg besonders. Rund 19 000Hamburger Unternehmen sind außenwirtschaft­ lich aktiv. Unser Hafen verbindet Deutschlandmit denMärkten der Welt. WerdenHandelsrouten länger, Rohstoffe knapp, Export­ kontrollen verschärft oder neue Zölle verhängt, spüren unsere Un­ ternehmen die Folgen daher häufig früher und stärker als andere. Dabei erlebenwir keine vorübergehende Krise, sondern eine Neuordnung derWeltwirtschaft. Wirtschaftspolitik wird zuneh­ mend zum Instrument geopolitischer Interessen. Technologien, Rohstoffe, Daten und Energie bestimmen über wirtschaftliche und politische Handlungsspielräume. Zugleich geraten kritische Infra­ strukturen verstärkt ins Visier von Cyberangriffen und Sabotage. Für eine weltoffene Stadt wie Hamburg bedeutet das: Freier Handel ist keine Selbstverständlichkeit mehr, und die Risiken im internationalen Geschäft nehmen zu. Resilienz darf allerdings nicht mit Abschottung verwechselt werden. Hamburg ist stark, weil unsere Unternehmen seit Jahrhunderten über Grenzen hin­ weg denken und handeln. Neue Partnerschaften in Indien, Südost­ asien, Lateinamerika und Afrika bieten die Chance, Risiken breiter zu verteilen, neue Absatzmärkte zu erschließen und zusätzliche Wertschöpfungsnetze aufzubauen. Die Politikmuss dafür Freihandelsabkommen voranbringen und den EU-Binnenmarkt als Grundlage für Europas wirtschaft­ liche Kraft stärken. Gleichzeitig darf sie dieWettbewerbsfähigkeit nicht durch unverhältnismäßige Bürokratie zusätzlich schwächen – etwa bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsvorgaben. Auch der Hamburger Hafen spielt eine Schlüsselrolle. Als zen­ traler Bestandteil unserer wirtschaftlichen und strategischen Infrastruktur braucht er Investitionen in leistungsfähige Verkehrs­ wege, Digitalisierung und Automatisierung sowie schnellere Pla­ nungs- und Genehmigungsverfahren. Unsere Antwort auf die globalen Umbrüche lautet: mehrWett­ bewerbsfähigkeit, mehr Diversifizierung undmehr wirtschaftliche Widerstandskraft – ohne unsereWeltoffenheit aufzugeben. Damit kannHamburg auch in einer rauerenWelt weiterhin das Tor zur Welt bleiben. Ihr Stephan Schnabel Vizepräses der Handelskammer Hamburg WWW.HANDELSKAMMER-HAMBURG.DE 3 FOTOS: MIKE SCHAEFER (TITEL), HELM AG (EDITORIAL) AUF EIN WORT

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI2ODAz