OKTOBER/NOVEMBER 2026

Erfolg mit GreenTech München liegt weiter vorn, aber Hamburgs Gründerszene ist dynamisch und innovativ, erklärt der „Hamburg Startup Monitor 2026“. Mit Firmenbesuchen erkundete die Handelskammer Erfolgsfaktoren und Vernetzungsmöglichkeiten vor Ort. Monitor Sechs Thesen des „Hamburg Startup Monitor 2026“: • Hamburgs Start- up-Ökosystem wächst wieder. • GreenTech liegt im Fokus. • Bei (großen) In- vestments muss Hamburg aufholen. • Internationalität kann USP werden. • Die Nachfrage nach Events ist hoch. • Rückstand zu München wächst. Sie finden den Mo- nitor unter www. handelskammer- hamburg.de/ startupmonitor Zahlen Nach 161 Grün- dungen im Jahr 2024 hat Ham- burg 2025 sein Allzeithoch aus der Pandemie (205) mit 203 Gründun- gen fast wieder erreicht. Bezogen auf die Bevölke- rungszahl stehen die Hamburger 1540 Start-ups im Länderranking bundesweit nach Berlin an zweiter Stelle. Mit 1KOM- MA5° sitzt hier aber nur eines der 34 deutschen Unicorns (mehr als eine Milliarde Euro wert). Dafür ist der Anteil ausländi- scher Gründenden mit 21 Prozent fast doppelt so hoch wie bundesweit (siehe Seite 36). Besuch beim Start-up Planeteers (v. li.): Co-Founder und Geschäftsführer Florian Birner, Andreas Kitzing (Impossible Founders), Kammer-Hauptgeschäftsführer Dr. Malte Heyne, Leonard Keck (IFB) und Dr. Matthias Kellermann (Science & MRV-Planeteers) ren Städten zurück, so der aktuelle „StartupMonitor“. So sind in den vergangenen zehn Jahren zwar rund drei Milliarden Euro auswärtiges Startkapital Rich- tung Alster und Elbe geflossen. Die Marktneulinge in Berlin haben aber gut das Zwölffache akquiriert – und die in der bayerischenMetropole München immerhin viermal so viel wie dieHamburger. Ist Norddeutschlands Start-up-Glas also doch eher halb leer? Mitnichten! Meint jedenfalls Jenny Kersten. Tatsächlich bietet das Hamburger Öko­ systemGründenden eine Reihe von Vorteilen. Ein starker Standort Welche Standortfaktoren sind für erfolgreiche Start- ups in Hamburg wichtig? Und was muss sich ändern oder vorangetrieben werden? Das erkundete Dr. Malte Heyne im Sommer vor Ort. Um die Vernetzung mit der hiesigen Gründerszene voranzutreiben, be- suchte der Hauptgeschäftsführer der Handelskam- mer eine Reihe markanter Start-ups. Darunter auch Planeteers. Das 2022 in einer Garage in der Eimsbüt- S tart-ups kann man normalerweise nicht in Ge- fäße füllen. Jenny Kersten versucht es – bild- lich gesprochen – trotzdem. Und bleibt dabei hoffnungsfroh, wie immer eigentlich. „Für mich“, sagt die Referentin „Start-ups und Innovation“ bei der Handelskammer, „ist das Hamburger Start-up- Glas halbvoll.“ Für innovative Jungunternehmen sei die Stadt ein fruchtbares, vielfältiges, lebenswertes, gut vernetztes und gemeinschaftliches Biotop, vor allem in der Gründungsphase. Die Zahlen geben ihr recht: So wurden allein im vergangenen Jahr 203 neue Start-ups in der Hanse- stadt gegründet, 26 Prozent mehr als 2024. Dieses stattliche Plus errechnete jedenfalls der „Hamburg Startup Monitor“, eine gemeinsame Studie der Handelskammer und des „Deutschen Startup Ver- bandes“, dessen zweite Auflage die Kammer vor eini- genMonaten vorstellte. Zugleich ist der Abstand zum Start-up-­ Spitzenreiter München gewachsen – und auch bei der Finanzierung liegt Hamburg um einiges hinter ande- HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 12 FOTOS: KIRSTEN HAARMANN, KATI JURISCHKA FIRMEN GRÜNDUNGEN MicroHarvest-Mit- gründer und COO Jonathan Roberz (re.) begrüßte die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank und Dr. Malte Heyne. → teler Straße gegründete geochemische Start-up ar- beitet erfolgreich daran, CO₂ aus der Atmosphäre im Meer zu versenken – und erhielt im Juni unter ande- rem einen Zuschlag für 2,5 Millionen Euro EU-För- dermittel. „Ein einzelnes Hamburger Start-up kann allein nicht das Klima retten“, erklärte Malte Heyne bei seinem Besuch Mitte August. „Was hier im Hin- terhof passiert, hat aber enormes internationales Po- tenzial.“ Mit 22 Prozent aller örtlichen Start-ups sei GreenTech Hamburgs Alleinstellungsmerkmal, lobt Co-Founder Florian Birner den Standort. Schließlich habe die Stadt nicht nur „ein starkes unternehmeri- sches Umfeld, hohe Lebensqualität und internatio- nale Netzwerke“. Fürs grüne Segment sei mindestens ebenso bedeutsam, dass Hamburg „über eine starke Industrie-, Energie- und Umweltwirtschaft verfügt“. Anders als im Digitalcluster Berlin erhalte sein Be- trieb hier Zugang zu realen industriellen Anwendun- gen oder Infrastrukturen. Diese Strukturen weiß man auch bei Heynes zweiter Station zu schätzen: MicroHarvest. Vor fünf Jahren an der Technischen Universität Hamburg entstanden und später nach Bahrenfeld expandiert, will das Start-up mithilfe ressourcenschonender Proteine den Welthunger bekämpfen. Und dafür biete Hamburg „beste Bedingungen“, sagt der Mar- ken- und Wachstumsbeauftragte („Head of Brand and Growth“) Julian Schildknecht. Die Stadt sei zwar „leiser als Berlin oder München“, aber dank ihrer „Hafen- und Handels-DNA umsetzungsstark“. Beson- ders im Wachstumssegment Food und BioTech kre- iere die Mischung aus „internationaler Offenheit, langfristigem Denken und verlässlichen Beziehun- gen“ ein wettbewerbsfähiges Experimentierfeld frischer Ideen. Wichtig sind auch die enge Zusammenarbeit mit Universitäten und eine Infrastruktur, die Ausgrün- dungen erleichtert. Diese liefert etwa die DeepTech- Initiative „Impossible Founders“, die an der Schnitt- stelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft steht und ebenso einflussreiche wie finanzstarke Partner gefunden hat – von der JoachimHerz Stiftung bis zur Otto Group. Zu den erfolgreichen Universitätsausgründun- gen zählt zum Beispiel traceless materials. Das Start- up stellt eine neuartige Plastikalternative aus pflanz- lichen Reststoffen der Agrarindustrie her, beschäf- tigt heute 110 Mitarbeitende und eröffnete im Mai eineweltweit einmalige Großproduktionsanlage in FIRMEN GRÜNDUNGEN

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI2ODAz