September 2018

FOTO: MIKE SCHAEFER Jan Freitag redaktion@hamburger-wirtschaft.de Telefon 36138-563 All die hervorstechenden Gründe, warumHamburg fast schon gewohnheits- mäßig mehr Hidden Champions hervor- bringt als andere Bundesländer, wurzeln also nicht nur in der mittelalterlichen Historie als wirtschaftsliberales Hanse- mitglied oder dem kosmopolitischen Geist des ehrbaren Kaufmanns, der seit je die ganze Welt im Blick hat; manchmal keimt sie haptisch greifbar in der saftigen Erde des alten Marschlands. Und was hier auch sonst so an Wagemut, Ideen, Schöp- ferkraft gesät wird, wächst im Umfeld ei- nes produktiven Miteinanders von Öko- nomie, Gesellschaft, Politik und Kammern besonders ertragreich. Gewiss: Je nach Blickwinkel gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, ob Hamburg der selbsternannten digitalen Multimediakapitale Berlin langfristig das Wasser reichen kann. Branchenkenner Si- mon zum Beispiel glaubt nicht daran. Bayerns mächtige Konzernkultur ist der des hanseatischen Mittelstands nicht nur Milliarden Pferdestärken voraus. Und als Herz des internationalen Maschinenbaus scheint auch Baden-Württemberg dem Norden quantitativ enteilt zu sein. Im Ge- samtpaket allerdings hat Hamburg offen- bar mehr Potenzial als Wirtschaftsräume vergleichbarer Struktur und Größe. Günther Mull, dessen preisgekröntes Ex-Start-up DERMALOG nach nur 23 Jah- ren amMarkt von einem eher unscheinba- ren Gebäude am Mittelweg aus die Welt biometrischer Identifikationssysteme er- obert, bringt es sehr präzise auf den Punkt. „Schon weil all unsere Kunden immer gerne hierherkommen“, fasst der Human- biologe die Ursachen für Hamburgs Auf- stieg zum Hotspot heimlicher Weltmarkt- champions zusammen, „ist die Stadt im Grunde ihr eigener Marketing-Faktor.“ HAMBURGER WIRTSCHAFT 09 / 18  TITEL 20 men hier extrem professionell. Und auch fachlich treffen wir auf kompe- tente Ansprechpartner“. Hamburgs Klima sei bestens geeignet für eine Baumschule von Weltrang. Und das gilt keinesfalls nur geschäftlich, sondern explizit auch geologisch. „Die Böden hier“, meint Bernhard von Ehren aner- kennend, sind bestens geeignet fürs Wachstum unserer Pflanzen.“ Was ange- sichts der Nähe zu Europas größtem Obstanbaugebiet im Alten Land nicht überrascht. fert. Und würden phytosanitäre Faktoren den Verkauf vieler Gewächse in andere Klimazonen nicht beschränken – wer weiß, ob sein 200-köpfiges Team das grüne Gold nicht weit über Usbekistan hi- naus vertreiben und den Umsatz so deut- lich über 25 Millionen Euro im Jahr stei- gern würde. Der urbane Standort wäre da jeden- falls kein Hindernis. Obwohl Landwirt- schaft „in einem Stadtstaat nicht unbe- dingt so im Fokus steht“, meint von Ehren, „ist die Akzeptanz unserer The- Wenn auch Sie sich für die Erschließung ausländischer Märkte interessieren, finden Sie hier zahlreiche Infos: www.hk24.de/ahk Informieren Sie sich „Deutschland ist das Land der Ideen – aber leider auch das der Bedenken- träger. Deshalb können wir unsere neuesten Tech- nologien immer zuerst nur im Ausland verkaufen. Am besten klappt dies in Asien, da die Menschen dort sehr technikfreund- lich sind. Unsere Produkte verkaufen sich aber auch weltweit, weil ein Drittel unseres Personals im Bereich Forschung und Entwicklung tätig ist.“ Günther Mull, DERMALOG Identification Systems

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