AUGUST/SEPTEMBER 2026

und plädiert hier für einen realistischen und prag- matischen Blick. Ihr Ansatz: „KI ist ein schlaues Pu- bertier, keine McKinsey-Beraterin. Behandelt sie entsprechend, und ihr bekommt ein mächtiges Werkzeug. Erwartet Perfektion – und ihr werdet sys- tematisch enttäuscht.“ Doch worauf ist beim Start der KI-Reise zu ach- ten? „,Wirmüssen irgendwasmit KI machen‘ – diesen Druck erleben wir aktuell bei vielen Projekten“, er- klärt Bosenick. Entscheidend sei jedoch zunächst, bestehende Abläufe zu analysieren. Denn: „Ein schlechter Prozess ist mit KI immer noch ein schlechter Prozess.“ Bei der Frage, wo sich die Effi- zienz steigern lässt, sei mitunter gar nicht KI die Lösung, sondern eine klassische Automatisierung. Wenn der Einsatz einer KI sinnvoll erscheint, muss man das geeignete Tool finden. Bosenick emp- fiehlt hier einen agnostischen An- satz. Das heißt: Eine im Haus entwi- ckelte Software sollte nicht an einen einzigen Anbieter wie Google, Open- AI oder Anthropic gebunden sein. „Die Entwicklungen sind so schnell, dass Unternehmen eine Woche spä- ter schon denken: Jetzt ist etwas an- deres besser.“ Die Implementierung von KI sieht die Expertin als Change-Pro- zess, in dem man Mitarbeitende und die Kundschaft unbedingt einbinden sollte. „Das größte Problem entsteht, wenn die Technologie einfach über- gestülpt wird“, sagt Bosenick. Und weiter: „Ich wünsche mir, dass in den KI-Workshops noch viel mehr Füh- rungspersonen sitzen, da diese wis- sen müssen, was alles schiefgehen kann.“ Etwa aufgrund der Halluzina- tionen, also der immer noch hohen Fehlerquote vieler KI-Sprachmodelle. Die Expertin ist sich übrigens sicher: Statt eines großen Arbeitsplatzverlusts wird es einen Arbeits- platzwandel geben – mit neuen Jobprofilen, etwa zum Bau von KI-Assistenzen und der Kontrolle von KI-Ergebnissen. „Die Prüfkompetenz wird extrem wichtig. Das geht nurmit Fachwissen“, sagt Bosenick. Die aktuelle Tendenz, Fachkräfte im Bereich Coden und Programmieren zu entlassen, hält sie für extrem gefährlich. „Schließlich muss auch der von einer KI geschriebene Code noch einmal professionell ge- checkt werden.“ Ein verantwortungsvoller, kriti- scher Blick bleibt also unbedingt erforderlich. Auch in Aus- und Weiterbildung ist das Thema KI zen- tral. HKBiS, der Bildungsservice der Handelskam- mer ( www.hkbis. de ), bietet etwa Kurse zur Ent- wicklung eines personalisierten KI-Workflows und eine Ausbildung zum KI-Manager an. Die Studieren- den der dualen Business School HSBA Hamburg School of Busi- ness Administra- tion können seit April 2026 den KI-basierten Coach PINKPro nutzen, der sie bei der Entwicklung zukunftsfähiger Schlüsselkompe- tenzen begleitet. Dieses Know-how tragen die Stu- dierenden auch in die unterneh- merische Praxis. Die Beratungs rma uintent ist auf die Verbesserung der Nutzererfahrung spezialisiert – auch mithilfe von KI. fitiert und zumVeränderungsmotor imUnternehmen sowie in der Branche werden kann. „MatGPT ist ein disruptiver Gamechanger, der Produkt- undMaterial- entwicklung vereint, um den technologischen Fort- schritt für eine bessere Welt zu beschleunigen“, er- klärt Henning Fehrmann, CEO der FEHRMANN Tech Group, zuder FehrmannMaterialsX gehört. Was ein externer Dienstleister rät KMU, die erst anfangen, sich mit KI zu beschäftigen, stehen häufig vor der Frage: Soll ich ein externes Be- ratungsunternehmen hinzuziehen? Und falls ja, wel- ches? Anselm Fehnker vom ARIC empfiehlt, darauf zu achten, wie lange eine Firma bereits amMarkt ist und welche Qualifizierungen im Team vorhanden sind. Besonders wichtig seien Fragen wie: Bin ich ohne die Beratungsfirma noch in der Lage, meine Prozesse zu verstehen? Und wie ab- hängig mache ich mich von einem spe- zifischen Tool? Eine dieser Beratungsfirmen ist uintent. Ihre Gründerin und Geschäfts- führerin, die Hamburgerin Tara Bose- nick, kann auf mehr als 25 Jahre Ex- pertise zurückblicken. Als Pionierin für User Experience, kurz UX, macht sie digitale Räume logisch und intuitiv nutzbar. Datengestützte UX ist für sie ein strategischer Faktor im Geschäfts- modell, vor allem im Risiko-Manage- ment. Bosenick ist zudem spezialisiert auf KI-Integration in Unternehmen – BIRGIT REUTHER Tara Bosenick, Geschäfts­ führerin und Mitgründerin von uintent HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 50 FOTOS: GUIDO SCHWARZ/UINTENT, UNINTENT GMBH KI -EINFÜHRUNG

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