AUGUST/SEPTEMBER 2026

Tre ende Thesen Stargast des CMO Summit war ohne Zweifel Jean-Remy von Matt, der 1991 mit seinem Partner Holger Jung die Werbeagentur Jung von Matt in Hamburg gegrün- det hat – und Kampagnen wie „Geiz ist geil“ ver- antwortete. Seine Summit-Thesen eignen sich daher für jede PR-Kam- pagne: • „Nichts ist weni- ger nachhaltig als ein Innovations- vorsprung“ • „Erster sein macht stolz! Ein- ziger sein macht erfolgreich“ • „Überholen geht nur auf der Kampflinie, KI wählt den einfachen Weg“ • „Kreativität ist ungehorsam. Ein Regelbruch. Eine Normverlet- zung. Eine Ord- nungswidrigkeit“ • „Kreative Menschen sind Störenfriede“ • „Unzufrieden- heit plus Kreativität gleich Innovation“ Jean-Remy von Matt, Mitgründer und kreativer Kopf der Werbeagentur Jung von Matt, beeindruckte das Publikum mit einer Reihe kompakter Merksätze. JAN FREITAG Schließlich gehen absatzfördernde Maßnahmen längst über klassische Werbung hinaus. Und so re- den gut zwei Dutzend Profis diverser Branchen vier Stunden lang über Vermarktung in Zeiten von Social Media, Digitalisierung und KI, aber auch von Krisen, Kriegen und Konjunkturflauten. Das Teilnehmerfeld reicht von derMontblanc-StrateginAlexa Schilz über den Ankerkraut-Geschäftsführer Timo Haas, die Elb- philharmonie-Delegierte Nataly Bombeck, den ep- pendorf-Vermarkter Dr. Andreas Hochberger und die Beiersdorf-Kommunikatorin Dagmar Janke bis hin zur Agenturlegende Jean-Remy vonMatt. Doch so verschieden die Personen und Pro- dukte, Unternehmen und Konzepte auf der Handels- kammer-Bühne auch sind: Ihre Schlagworte, pardon: Buzzwords, sie ähneln sich oft. Kreativität, Commu- nity, Vertrauen, Authentizität, Empathie, Nahbar- keit, ja selbst die traditionellen „Werte“ – mindestens einer dieser Begriffe fällt in praktisch jedem Rede- beitrag. Isabell Gardt zum Beispiel, als Chief Marke- ting Officer der weltweit bedeutsamen Online-Mar- keting-Konferenz OMR eine PR-Expertin sonderglei- chen, meint: „Menschen folgen Menschen, nicht Un- ternehmen.“ Oder auch: „Gemeinschaft entsteht durch Nähe und Vertrauen.“ Menschen stärken Marken Alle stimmen ihr zu, als sechs Marketingbeauftragte regionaler Klein- bis Großunternehmen unter demTi- tel „Lovebrands, Algorithmen und Emotionen“ erzäh- len, „was Marken heute wirklich stark macht“. Nicht Algorithmen nämlich, sagt Cristian Grajales als CMO des ortsansässi- gen Bauunternehmens Viebrock- haus, „sondernMenschen“. Schließ- lich sei „Vertrauender Schmierstoff jeder Beziehung“, versichert Janina Lin Otto, Stiftungsvorständin der nachhaltigen „Holistic Founda- tion“, vor dem anschließenden Pa- nel „Haltung oderHype?“. Während der Premiere des CMO-Summit geht es also um grundsätzliche Vermarktungsfra- gen. Und die werden – anders als bei Podiumsdiskussionen dieser Art üblich – nicht nur von oben herab diskutiert. Ebenso schwungvoll wie fachkundigmoderiert von der „Abendblatt“-Digi- talchefin Cordula Schmitz und Finn Rieken (Radio Hamburg), ist das Publikum hier integraler Bestand- teil einer lebhaften Debatte. Wie neue Marken zeitlos zukunftsfähig werden, möchte ein Zuschauer wissen. „Dank starker Mar- kenfundamente und Markenkerne“, bietet Dagmar Janke am Exempel der unabänderlich blauen Nivea- Dose an. Also: „unverwechselbare Bilder“ und „per- manentes Brandcode-Training“. Welchen Einfluss KI auf dasMarketing nehme, fragt eine Besucherin. Was Isabell Gardt am Fall eines OMR-Podcasts beantwor- tet, aus dem das digitale Tool mit nur einer „Prompt“ genannten Frage lesenswerte Newsletter generiert. Und als ein Drehbuchautor kritisiert, der allzu offene Umgang mit KI gefährde nicht nur seinen Job, spricht sich Kristian Meinken, CEO der pilot Agen- turgruppe, gegen Denkverbote aus. Die Frage sei ja nicht, „was KI ir- gendwann an menschlicher Arbeit ersetze“, sondern wie bei ihrer Um- setzung die Bedürfnisse von Perso- nal und Betrieb berücksichtigt würden. Trotz und wegen der Rati- onalisierungsgefahr, die alle Mar- keting-Kreativen betrifft, bleibt der CMO-Summit also positiv. Und falls das in Gefälligkeit abzugleiten droht, gibt es ja immer noch Mi- chael Fritz. Der Mitgründer von Viva con Agua wettert mit beherzter Eloquenz gegen Unge- rechtigkeit, Faschismus oder die „Relevanz der Irre- levanz und umgekehrt“. Dafür gibt es verlässlich Ge- lächter im Saal. Auf einer Veranstaltung, die Jean- Remy vonMattmit einer Flut kluger Slogans beendet. Der entscheidende: „Technologie schafft Vorsprung. Kreativität schafft Unterschied.“ Es könnte glatt das Motto der zweiten Ausgabe werden. Heiner Schote, Teamleiter Handel der Handelskammer, gehörte zu den Moderierenden des Summit. WWW.HANDELSKAMMER-HAMBURG.DE 19 MARKETING- EVENT . - .

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI2ODAz