JUNI/JULI 2026

Unternehmen ohne ESG-Reporting müssen bei Krediten mittelfristig mit Risikoaufschlägen rechnen. ANDREAS SCHRUTH Wesent- liches In einer Wesent- lichkeitsanalyse werden das Ge- schäftsmodell, die Wertschöpfungs- kette und die Stakeholder-Per- spektiven analy- siert, um mög- liche Nachhaltig- keitsthemen sowie deren Chan- cen und Risiken zu bewerten, zu priorisieren und zu dokumentie- ren. Die doppelte Wesentlichkeits- analyse als zentra- les Instrument betrachtet dabei die Auswirkungen des Unterneh- mens auf Umwelt und Gesellschaft (Inside-Out) so- wie potenzielle positive und ne- gative Effekte durch Nachhaltig- keitsthemen für das Unternehmen (Outside-In). Die CSR-Richtlinie der EU bildet da- bei den recht- lichen Rahmen, während die Eu- ropean Sustain- ability Reporting Standards (ESRS) die Methodik de- finieren. Andreas Schruth, Director ESG & Nachhaltigkeit der Wirtschaftskanzlei Möhrle Happ Luther tiger. Die EU-Aufsichtsbehörde European Banking Authority verpflichtet sie zunehmend, ESG-Aspekte in ihr Risikomanagement zu integrieren. „Kann ein Unternehmen geprüfte ESG-Daten vorlegen, findet die Einschätzung der Bonität nicht einfach nach durchschnittlichen Branchenwerten statt, sondern passgenau“, erläutert Schruth. Und er führt aus: „Un- ternehmen ohne ESG-Reporting werden mittelfris- tig immer noch Kredite bekommen, müssen aber mit Risikoaufschlägen rechnen.“ Bei 37 Prozent der großen deutschen Mittel- standsfirmen, die 2024 um Kredite verhandelten, wurde Nachhaltigkeit in den Gesprächenmit Banken und Sparkassen thematisiert, so eine Anfang 2026 veröffentlichte Umfrage der Förderbank KfW. Das sind drei Prozentpunktemehr als 2023. Bei kleineren Unternehmen (zehn bis 49 Beschäftigte) stieg der An- teil von 21 auf 24 Prozent – mit Schwerpunkt beim verarbeitenden Gewerbe. Auch wenn sich diese Zahlen noch deutlich stei- gern lassen, rät Dr. Juliane Gerstenberger Unterneh- men aller Größenklassen, sich angesichts der Ent- wicklung „intensiv mit ihrem Nachhaltigkeitsprofil auseinanderzusetzen und Nachhaltigkeitsdaten strukturiert zu erfassen“. Die Mittelstandsexpertin bei KfW Research ist sich allerdings bewusst: „Insbesondere für kleine Unternehmen ist es nicht leicht, alle Nachhaltig- keitsanforderungen zu durchdringen und zu erfül- len.“ Es brauche mehr Klarheit, Unterstützung und einheitliche Standards. Die Haspa beispielsweise bietet Orientierung mit ihrem S-ESG-Score: Dieser hilft Unternehmen, einzuschätzen, wie nachhaltig sie bereits wirtschaf- ten und welche Risiken in diesem Feld bestehen. Das Hamburger Kreditinstitut unterstützt „grüne“ Inves- titionen zudem mit einem eigenen, branchenüber- greifenden Transformationskredit. HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 46 FOTOS: WILLING-HOLTZ, PR (3) ESG- REPORTING BUCHTIPPS DER COMMERZBIBLIOTHEK ZUM THEMA „NACHHALTIGKEIT“ Julia Weber und Marcel Farkhondeh-Hoy Business Sustainability Toolbox In einer Welt, in der soziale und ökologische Verantwortung den Erfolg von Unternehmen mitbestimmen, ist Nachhaltigkeit ein zentrales Strategiethema. Die Toolbox zeigt, wie diese nicht als bloße P ichtübung für Compliance oder Reporting verstanden wird, sondern als Innovationsmotor und Erfolgsfaktor genutzt werden kann. Lucie Töpfer und Sebastian Kießling Innovation Tri t Nachhaltigkeit Innovation und Nachhaltigkeit werden oft getrennt betrachtet, doch echte Fortschritte entstehen nur gemeinsam. Das Buch von Lucie Töpfer und Sebastian Kießling liefert praktische Ansätze, erläutert Grundlagen und zeigt anhand von Fallstudien, wie nachhaltige Konzepte in Unternehmen umgesetzt werden können. Gina Heller-Herold und Patrick Link Das Sustainability- Toolbook Das Buch bietet praxis- taugliche Methoden für nachhaltige, innovative und widerstandsfähige Strategien. Mit praktischen Checks zu Taxonomie und CSRD, erprobten Templates und klaren Ansätzen hilft es Unternehmen, Nachhaltigkeit strategisch und messbar zu verankern – zum Nutzen von Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft.

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