JUNI/JULI 2026
Scott Wempe ist seit 2022 Kommanditist und Co-Head of Business Development der Juwelierkette Gerhard D. Wempe. Im Gespräch mit der HW erklärt er, wie der Traditionsbetrieb Nachhaltigkeit umsetzt – auch im sozialen Bereich. SCOTT WEMPE, 29, ist seit 2022 Kommanditist und Co-Head of Busi- ness Development des Familienunter- nehmens Gerhard D. Wempe. Ge- meinsam mit seiner Schwester Chiara repräsen- tiert er die fünfte Generation der weltweit aktiven Juwelier-Dynastie. WEMPE Die 1878 im nie- dersächsischen Elsfleth gegründe- te und seit 1907 in Hamburg ansäs- sige Gerhard D. Wempe GmbH & Co. KG gehört heute zu den größ- ten Luxusjuwelie- ren Europas und gilt als größter familiengeführter Juwelier Deutsch- lands. Weltweit verfügt das Unter- nehmen über 31 Filialen und zwei Franchise-Stand- orte. Wempe ist Partner der wich- tigsten Marken der Luxusbranche und fertigt edle Uhren und Schmuck. Die Wempe Chrono- meterwerke stellen seit den 1930ern nautische Chrono- meter und Präzi- sionsuhren her. Am Standort Glashüt- te fertigt Wempe mechanische Luxusuhren. Seit Kim-Eva Wempe 2003 die Unter- nehmensführung in vierter Gene- ration übernahm, hat sich der Um- satz des Hambur- ger Traditions- unternehmens vervierfacht. Herr Wempe, die Produkte Ihrer Branche sind sehr langlebig. Was heißt Nachhaltigkeit für Sie? Scott Wempe : Es stimmt, wir haben eine Branche, die schon immer als nachhaltig wahrgenommen wurde, weil die Produkte so langlebig sind und sie traditionell zirkulär arbeitet. Niemand schmeißt eine Uhr oder ein Schmuckstück weg. Es wird ver- erbt, repariert, inmanchenFällen auch eingeschmol- zen, womit das Material zurück in den Kreislauf kommt. Es gibt durchaus immer mehr Kundinnen und Kunden, gerade in der jüngeren Generation, die andere Fragen stellen, etwa zu unseren Lieferketten. Aber das bestimmt zurzeit nicht primär die Kaufent- scheidung. Was grundsätzlich positiv wahrgenom- men wird, ist das Thema Handwerk, also dass etwas mit den Händen geschaffen wird. Das ist auch etwas, was wir hier imHaus langfristig erhaltenmöchten. Wie beantworten Sie denn die Frage nach der Herkunft der Materialien? Ich will unseren Kunden vor allem Transparenz bie- ten. Unser Diamanten-Sourcing erfolgt komplett im Kimberley-Prozess. Das ist ein komplexes System, das über staatliche Herkunftszertifikate den Handel mit Diamanten aus Konfliktregionen unterbindet. Unser größter Partner für Diamanten, mit demwir seit über 50 Jahren zusammenarbeiten und eine vertrauens- volle Partnerschaft aufgebaut haben, ist seit vielen Jahren ein Sightholder, ein exklusiver De-Beers-Ver- tragshändler. Mit ihm beziehen wir nur Botswana- sorted Diamanten, also Diamanten aus Botswana, Ka- nada, Namibia und Südafrika. Gemeinsam testen wir auch neue Wege wie das „Tracr“ – ein Programm von De Beers, das das Rückverfolgen von Steinen bis zur Mine erlaubt, derzeit für Steine ab 1 Karat.Wir haben zudem seit 2019 einen Code of Conduct, der sich am Responsible Jewellery Council orientiert. Unsere Lie- feranten unterzeichnen ihn oder weisen eine gleich- wertige Mitgliedschaft nach. Zuletzt haben wir ein Risiko-Evaluationstool eingeführt, in demalle Partner geführt sind, Zertifikate hochladen und Formulare ausfüllen. Für die Zukunft wünsche ichmir inunserer Branche statt Einzelprogrammen unterschiedlicher Firmen mehr gemeinsame Initiativen im Bereich Rückverfolgbarkeit zurMine. Dies wäre imSinne der Transparenz für die Kundschaft besonders positiv. HAMBURGER-WIRTSCHAFT.DE 20 PERSÖNLICH SCOTT WEMPE
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