APRIL/MAI 2026
Die Mitarbeiten den des Innova tionsund Patent Centrums (IPC) der Handelskam mer unterstützen bei Fragen rund um gewerbliche Schutzrechte und das Patentma nagement. Basie rend auf patent statistischen Ana lysen ermittelt das IPC zudem die aktuellen Technik trends für das monatliche IPC Technologiebaro meter und kürt regelmäßig ein herausragendes Patent zum „Ham burger Patent des Monats“. Mehr Informationen unter www. handelskammer- hamburg.de/ patent und www. handelskammer- hamburg.de/ipc . Kontakt: 040 36138376, ipc@ hk24.de FRANK SCHLATERMUND frank.schlatermund@handelskammerhamburg.de also ohne Ausdringen des Gases, befördern können“, erläutert Kunter. „Zuvor haben wir starre Metall- schläuche verwendet, umzuverhindern, dassWasser- stoff dieWände durchdringt undnach außen gelangt.“ Das Material: ein Spezialgummi, das zum einen von dem durchgeleiteten Gas nichts nach außen dringen lässt und zum anderen beständig ist gegen- über beispielsweise mechanischen Beanspruchun- gen, Abrieb, UV-Strahlung und Ozon. Die Erfindung von ELAFLEX ist geeignet für Be- reiche, in denen Wasserstoff mit niedrigem Druck weitergeleitet wird wie bei der Elektrolyse und in Gasversorgungsnetzen sowie bei der Zuleitung von – zumindest teilweise – mit Wasserstoff betriebenen Schiffsmotoren. Für das Betanken von Schiffen oder Fahrzeugen hingegen bedarf es eines höheren Dru- ckes, weshalb dort weiterhin metallverstärkte Schläuche zumEinsatz kommen. Das Transportvolumen von Wasserstoff habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, be- richtet Stefan Kunter, der „Digitale Signalverarbei- tung“ studiert und ein Unternehmen für Sensoren geleitet hat, bevor er 2008 als CEO und Managing Director bei ELAFLEX eingestiegen ist. „Früher wurde Wasserstoff in kleinen Einheiten an Einrich- tungen wie Labore und Krankenhäuser geliefert, in- zwischen handelt es sich um wesentlich größere Mengen, die bewegt werden.“ Ein entscheidender Grund für ELAFLEX, das „Flexible Leitungselement zum Transport von wasserstoffhaltigen Fluiden“ nach dreijähriger Entwicklung mit einem Patent ab- zusichern. Dr. Wulf-Erich Damrau vom Innovations- und Patent-Centrum der Handelskammer (IPC) betont, wie wichtig Patente sein können: „Sie gewähren ein zumindest zeitlich begrenztes Monopolrecht, das vor Plagiaten schützt.“ Das IPC berät vor allem KMU und Start-ups bei Fragen rund um gewerbliche Schutzrechte und stellte das Patent EP4410531 von ELAFLEX kürzlich in seiner Reihe „Patent des Monats“ vor. Grundsätzlich empfiehlt Damrau Unternehmen, die Innovationen auf den Markt bringen oder es pla- nen, rechtzeitig eine Strategie für geistiges Eigentum („Intellectual Property“) zu entwickeln, denn ohne Schutzrechte sei Innovation kaum möglich. „Diese Strategie sollte auch Prioritäten festlegen, wann eine Anmeldung von Schutzrechten sinnvoll erscheint, sodass künftige Entwicklungen schneller und besser vermarktet werden können.“ Für die ELAFLEX-Gruppe, zu der unter anderem MannTek und Air Traffic Trade in Schweden, DANTEC in Großbritannien oder Oasis in Neusee- land zählen, ist das Einreichen von Patenten Routine. Ihre Produkte sind größtenteils sicherheitsrelevant. Es zählen daher vor allem Qualität, Langlebigkeit und Zuverlässigkeit, die Auflagen für eine Zulassung sind in der Regel hoch. Von Karl Max Cäsar Ehlers 1923 als technischer Handel für Schiffs- undWerftbedarf gegründet, wan- delte sich der Betrieb sukzessive zum Spezialisten für Betankungs- und Verbindungstechnik. 1940 zum Beispiel brachte Ehlers den ersten europäischen Zapfschlauch ohne Metallauskleidung und ohne Baumwollumflechtung auf denMarkt. Der große Durchbruch erfolgte 1948mit der „Ber- liner Luftbrücke“. „Damals fehlte es an Betankungs- schläuchen für die ‚Rosinenbomber‘“, berichtet Stefan Kunter. „Karl-Heinz Ehlers, der Sohn des Gründers, entwickelte daraufhin vollkommen neue Schlauchlei- tungssysteme für die Flugzeugbetankung.“ In den 1950er-Jahren machte der Sohn des Gründers erneut von sich reden, als er für Tankstel- len das Zapfventil mit Abschaltautomatik heraus- brachte. „Zuvor wurde so lange getankt, bis das Ben- zin überlief“, so der heutige CEO. „Weil es immer mehr Autos gab, ist irgendwann das Umweltministe- riumeingeschritten – und Ehlers hatte die Lösung.“ Forschung findet bei ELAFLEX in den unter- schiedlichsten Bereichen statt, darunter Chemie und Physik, Maschinenbau, Elektronik und Materialwis- senschaft. Einer der Schwerpunkte liegt auf Wasser- stoff und seinen Transportmöglichkeiten. In Ham- burg entwickelt das Unternehmen Schläuche und Kompensatoren aus Gummi. Bei ditec im unterfrän- kischen Kitzingen entstehen große Kompensatoren für die Elektrolyse. Bei MannTek in Schweden hingegen geht es um Kupplungssysteme, denen Wasserstoff, der bei minus 253 Grad Celsius verflüssigt wurde, nichts anhaben kann, und bei Oasis in Neuseeland um Hochdruck-Wasserstoffkomponenten. Zuweilen gesellen sich auch neue Firmen zur Unternehmens- gruppe hinzu. „Voraussetzung ist, sie passen ins Profil und erweitern das Portfolio“, betont Stefan Kunter. „Und sie müssen familiengeführt, sein – darauf legen wir viel Wert.“ WWW.HANDELSKAMMER-HAMBURG.DE 61 PATENTE IM FOKUS
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